Kooperation der Region Stuttgart mit der Telekom – Ein erster Kommentar

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben heute das Landesinnenministerium, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und die Deutsche Telekom einen partnerschaftlichen Netzausbau vorgestellt. Folgende Punkte wurden in einer Absichtserklärung vereinbart:

  • Flächendeckende Glasfaserversorgung bis ins Gebäude (FTTH)
  • Ausbau des 4G-LTE-Mobilfunknetzes
  • Vorreiterrolle beim 5G-Mobilfunknetz

Davon betroffen ist die gesamte Region Stuttgart: Die Landeshauptstadt selbst und die fünf umliegenden Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr-Kreis – und damit auch Leonberg. Es ist das erste Kooperationsprojekt der Deutschen Telekom dieser Größenordnung in ganz Deutschland. Das Investitionsvolumen beträgt ca. 1,1 Milliarden Euro. Auch andere Netzbetreiber wurden angefragt, haben aber entweder ein schlechteres oder gar kein Angebot abgegeben. Ohne die genauen Verträge zu kennen, ist es schwer das Projekt umfassend zu bewerten. Wir möchten hier eine Zusammenfassung des Projekts, unseren ersten Eindruck und die nun nötigen Maßnahmen darstellen.

Grob zusammengefasst besteht die Kooperation darin, dass die Ausbaugebiete in zwei Bereiche unterteilt werden: Cluster, die privatwirtschaftlich (von der Deutschen Telekom) und Cluster, die mit Unterstützung der Kommunen ausgebaut werden. Die Deutsche Telekom hat sich verpflichtet, ihre Gebiete eigenwirtschaftlich (d.h. ohne Kosten für die Kommunen) mit FTTH zu versorgen. In den übrigen Gebieten sollen die Kommunen z.B. durch Leerrohrnetze die Wirtschaftlichkeitslücke schließen. Die Deutsche Telekom mietet diese und andere Infrastruktur zur Verlegung ihres FTTH-Netzes an. Das Netz soll insgesamt als Open-Access-Netz geführt werden, sodass sich auch andere Anbieter in das Netz einmieten und ihre Dienste anbieten können.

Um festzustellen, ob ein Gebiet wirtschaftlich ist, bedarf es eines sogenannten Masterplans. Der Masterplan beinhaltet eine genaue Aufstellung, wo Glasfaserkabel benötigt werden, wie sie verlaufen, wie viele Fasern notwendig sind, wie viele und wo Gebäudeanschlüsse notwendig sind und die Standorte der Knotenpunkte, der sogenannte Point-of-Presence, kurz PoP. Anhand dieses Plans können die Kosten für eine FTTH-Verkabelung recht genau kalkuliert werden. Die Deutsche Telekom wird diesen Plan wiederum mit ihrem Wirtschaftlichkeitsmodell verschmelzen und entscheiden, welche Gebiete eigenwirtschaftlich zu erschließen sind bzw. nicht.

Kurz gesagt: Ohne kommunalen Masterplan wird kein Ausbau stattfinden, er ist Grundvoraussetzung für den Ausbau der Deutschen Telekom. Auch Leonberg benötigt also unbedingt einen Masterplan.

Umso erfreulicher ist es, dass jüngst der Gemeinderat am 19. Juni den Sperrvermerk für den Masterplan Breitbandausbau einstimmig aufgehoben hat (Ö16 und Ö16.1). Die LEO Energie soll mit der Vergabe der Masterplanung beauftragt werden. In Vorbereitung dazu haben die beiden Geschäftsführer der LEO Energie zusammen mit uns als Agendagruppe bereits zwei potentielle Dienstleister für die Masterplanung eingeladen, kennen gelernt und Angebote eingeholt, ein dritter Dienstleister soll folgen. Wir arbeiten aktuell daraufhin, dass die Beauftragung noch vor den Sommerferien über die Bühne geht und der Masterplan noch dieses Jahr abgeschlossen werden kann. Nur so kann Leonberg bei dem Kooperationsprojekt ganz vorne mitspielen.

Denn (mindestens) einen Wermutstropfen gibt es leider doch: Als zeitliches Ziel hat man sich gesetzt, bis 2022 90% der Unternehmensstandorte (gut!), aber erst bis 2025 nur 50% und bis 2030 nur 90% der Haushalte ans Glasfasernetz anzuschließen. Dieses Ziel steht damit im klaren Widerspruch zum Ziel der Bundesregierung, Deutschland bis 2025 gigabitfähig zu machen, sogar ein Rechtsanspruch ist im Gespräch. Allerdings ist das Ziel der Bundesregierung bisher nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Hier erwarten wir dringlichst konkrete Maßnahmen, vor allem hinsichtlich Förderung und Lockerungen bei Ausbautechniken, um Engpässen im Tiefbau entgegenzuwirken. Diesbezüglich haben wir Bundes- und Landtagsabgeordnete aus der Region zu einem Arbeitstreffen Glasfaser eingeladen, welches am 20. Juli stattfinden wird.

 

Insgesamt begrüßen wir die Kooperation, eine genaue Bewertung ist aufgrund fehlender Informationen noch schwierig. Uns stellen sich folgende Fragen:

  • Nach welchen Kriterien wird die Wirtschaftlichkeit bewertet und wer legt diese fest?
  • Wer legt die Mietpreise für kommunale Infrastruktur fest, wer für den Open-Access der anderen Netzbetreiber?
  • Wie werden die 179 Städte und Kommunen und die Gebiete beim Ausbau priorisiert?
  • Wie will man den Widerspruch im zeitlichen Ziel im Zusammenhang mit einem drohenden Rechtsanspruch lösen?

Für uns beginnt damit unsere eigentliche Arbeit, denn unser Ziel ist weiterhin eine flächendeckenden FTTH-Versorgung für ganz Leonberg. Wir sehen unsere Aufgabe unter anderem darin, mitzugestalten, dass Leonberg beim FTTH-Ausbau der Deutschen Telekom ganz vorne mit dabei ist und die Leonberger Bürgerinnen und Bürger aufzuklären und den Einstieg in die Glasfaserwelt zu erleichtern.

Schreibt uns doch in den Kommentaren, was ihr von der Kooperation haltet, was ihr euch wünscht und von uns erwartet.

Vectoring-Ausbau: Aktueller Stand

Der Monat März neigt sich dem Ende und eigentlich sollte der Vectoring-Ausbau der Deutschen Telekom längst abgeschlossen sein. Tatsächlich erreichen uns Kommentare, dass die Tarife mit bis zu 50 und bis zu 100 Mbit/s bei vielen noch nicht buchbar sind. Aussagen wie „mehr als 16 Mbit/s gehen nicht“ oder „keine freien Ports“ sind zu lesen. Schon vor Wochen erreichte uns die Meldung, dass es zu Verzögerung kommt, allerdings ohne konkrete Details zu nennen. Wir wollten es genauer wissen und haben sämtliche Kontakte spielen lassen: Die Hotline, den Chat, Telekom-hilft auf Twitter, den Telekom Shop im Leo-Center, Messe-Kontakt auf der BREKO-Glasfasermesse und den direkten Kontakt zum Regio-Manager der Telekom. Man hatte uns Informationen, sogar eine Pressemitteilung, zu den Verzögerungen in Aussicht gestellt. Auch die Stadt Leonberg hat der Telekom empfohlen, eine Pressemitteilung zu veröffentlichen.

Passiert ist leider wenig: Auf die Pressemitteilung warten wir bis heute. Wirklich fundierte und verlässliche Informationen haben wir leider ebenfalls nicht bekommen. Dennoch möchten wir euch die wenigen Informationen, die wir haben, zur Verfügung zu stellen.

Wirft man einen Blick auf die Verfügbarkeitskarte auf www.telekom.de/schneller, zeichnet sich kein klares Bild ab. Für Eltingen, Höfingen, Leonberg und Ramtel erscheint ein Hinweis-Fenster, dass der Ausbau Anfang März 2018 abgeschlossen wurde. Für Silberberg und Gebersheim gibt es keine Hinweise. Schaut man sich dann die Karte an und aktiviert „VDSL 100“ (Vectoring) und „Highspeed-Ausbau geplant“, scheint Vectoring in ganz Leonberg abgesehen vom Zentrum (Nahbereich) verfügbar zu sein, Gebersheim fehlt komplett und Silberberg zu großen Teilen. Warmbronn wird durch die NetCom BW versorgt und war vom Ausbau der Telekom schon immer ausgeschlossen.

Im Folgenden fassen wir unseren aktuellen Kenntnisstand zusammen. Wir möchten betonen, dass die Informationen auf teils widersprüchlichen Aussagen von Telekom-Mitarbeitern beruhen und daher ggf. mit Vorsicht zu genießen sind.

Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel: Seit dem 21.03. kann Vectoring in diesen Gebieten gebucht werden, allerdings noch nicht überall. Das Ezach sei wohl zum größten Teil fertig, im Ramtel fehlt der nördliche Teil, Leonberg selbst weißt Lücken auf, das gleiche gilt wohl für Höfingen. Im Laufe des Aprils soll der Ausbau aber abgeschlossen sein.

Gebersheim ist angeblich komplett ausgebaut und überall verfügbar. Vielleicht können das die Gebersheimer in den Kommentaren bestätigen oder auch widerlegen. Warum es auf der Karte nicht angezeigt wird, bleibt ein Rätsel.

Schlechte Nachrichten gibt es für Silberberg, welches anschlusstechnisch z.T. an Rutesheim hängt. Der nördliche Teil des Silberbergs muss sich wohl noch bis Juli gedulden.

Bzgl. der oft gelesenen Aussage, es seien keine freien Ports verfügbar – gerade die Kunden von Drittanbietern wie Vodafone, 1&1 und O₂ bekommen dies wohl öfter zu hören: Wir vermuten, dass diese Aussage daher rührt, dass die Drittanbieter bei der Deutschen Telekom den Anschluss anfragen, welcher abgelehnt wird, weil er noch nicht ausgebaut wurde. Die Anzahl an Vectoring-Ports ist quasi Null und im System erscheint das wohl als „keine freien Ports“.

Was sind die Gründe für die Verzögerungen? Genannt werden Lieferschwierigkeiten bei der aktiven Hardware in den Multifunktionsgehäusen, also der Hardware, die das Glasfaser-Signal auf Kupferkabel umsetzt und umgekehrt. Es soll aber eine größere Lieferung gegeben haben, weshalb der Ausbau in Leonberg im Laufe des Aprils abgeschlossen sein soll. Wichtig: Die höhere Bandbreite kann nicht nahtlos mit der Buchung geschaltet werden. Ein Techniker der Telekom muss vor Ort das Telefonkabel des Kunden im Multifunktionsgehäuse auf die neue aktive Glasfaser-Hardware umklemmen. Daher muss man nach der Buchung noch auf einen freien Techniker-Termin warten.

Uns ist bewusst, dass diese Aussagen wenig konkret sind. Es tut uns leid, dass auch wir keine genaueren Informationen haben. Wir möchten an der Stelle betonen, dass wir nicht die Verzögerung selbst kritisieren. Sie sind ärgerlich, aber derzeit nicht zu ändern. Was die Deutsche Telekom aber ändern kann, ist ihre Informationspolitik. Wir bedauern es, dass die Telekom nicht in der Lage ist ihren Kunden gegenüber transparenter und offener zu sein. Vielleicht gibt sich die Telekom einen Ruck und stellt doch noch die angekündigten Informationen zur Verfügung.

Übrigens: Mit einem echten Glasfaserausbau bis in die Gebäude wäre das nicht passiert, weil man hier die Komponenten zur Umwandlung der Datensignale, mit der es diese Lieferprobleme gibt, gar nicht erst benötigt.

Vectoring-Ausbau: Status-Update

Update 13.03.2018: Der Ausbau geht in die heiße Phase, die Ungeduld und Frustration wächst – auch bei uns. Wir bitten euch, sich ein bisschen zu gedulden. Es wird in den nächsten Tagen ein Update zum Ausbau geben.

In einem Blog-Artikel haben wir vor zwei Monaten über den aktuellen Stand des Vectoring-Ausbaus der Deutschen Telekom (FTTC-Ausbau) berichtet. Seit dem haben uns über verschiedene Kanäle Fragen zur Verfügbarkeit erreicht, sogar aus Rutesheim. Auffällig dabei waren v.a. die unterschiedlichen Zeitangaben und Aussagen, die Kunden von der Hotline bzw. im Telekom-Shop erhalten haben. Diese reichen von Zeiträumen bis in den Juni hinein bis hin zu „es seien keine Ports am Multifunktionsgehäuse frei“.

Wir haben beim Support der Deutschen Telekom erneut angefragt und darum gebeten, in das Informationschaos etwas Licht zu bringen. Wir möchten Sie über das Ergebnis in diesem Artikel informieren, v.a. was sich im Vergleich zum letzten Artikel geändert hat.

Gebersheim, Silberberg sind an der Vermittlungsstelle in Rutesheim angeschlossen, weshalb diese Stadtteile zuerst ausgebaut wurden. Vor zwei Monaten hieß es noch, dass die Schaltung der Anschlüsse mit Mitte November beginnt und bis Dezember 2017 abgeschlossen sein soll. Mittlerweile hat man das Gebiet in zwei Bauabschnitte unterteilt. Bauabschnitt 1 ist am Netz, betrifft am Silberberg aber nur einen sehr kleinen Teil, wie auf der Karte zu sehen. Bauabschnitt 2 ist auf der Karte leider nicht eingezeichnet, müsste eigentlich dunkelblau hinterlegt sein. Der Rest vom Silberberg und von Gebersheim soll Mitte Februar ans Netz gehen.

Für Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel hat sich nichts geändert. Hier heißt es nach wie vor Mitte März 2018. Aufgrund der dreimonatigen Verzögerung am Silberberg und in Gebersheim sind wir hier allerdings skeptisch.

Warmbronn ist durch die NetCom BW mit VDSL erschlossen, sodass die Deutsche Telekom hier nicht aktiv wird.

Als Grund werden Verzögerungen im Tiefbau genannt, der aus unserer Sicht aber abgeschlossen ist (zumindest sehen wir keine offenen Baustellen mehr), und Lieferengpässe bei der aktiven Hardware für die Multifunktionsgehäuse. Wir kritisieren übrigens nicht die Verzögerungen, daran kann man nichts ändern. Das Informationschaos und die stark abweichenden Aussagen von Support-Mitarbeitern ist für den Endkunden aber mehr als unschön. Und Aussagen wie „es seien keine Ports frei“ sind mehr als beunruhigend.

Fazit: Die Silberberger und Gebersheimer müssen sich noch bis Februar gedulden. Für die restlichen Leonberger außer Warmbronn (und dem Nahbereich in Leonberg) heißt es weiterhin Mitte März, der Termin sollte aber mit Vorsicht genossen werden.

Technik: Von den Grenzen des Kupferdrahtes (aus LKZ)

In Zusammenarbeit mit der Leonberger Kreiszeitung bringen wir eine vierteilige Serie heraus, in denen wir den Lesern erklären, wie das Internet zu Ihnen nach Hause kommt. Im ersten Teil ging es um die Internetübertragung über das Telefonnetz. Der Artikel erschien am 10.01.2018 in der Print-Ausgabe und kann online abgerufen werden. Der erste Teil ist aufgrund kurzfristiger Kürzungsmaßnahmen grammatikalisch leider etwas missglückt und es sind zwei fehlerhafte Infos in die Print-Ausgabe gerutscht (z.B. die ab wann man Vectoring am Silberberg/in Gebersheim buchen kann). Diese wurden online korrigiert. Auch in unserem Blog finden Sie die korrigierte Fassung.

 

Fast jeder Haushalt, in Leonberg das Ezach III ausgenommen, besitzt einen Telefonanschluss bestehend aus zwei Kupferdrähten, der Doppelader, die ursprünglich nur für Telefonie ausgelegt waren. Ab Ende der 1980er konnte man mit den ersten Modems für Internetverbindungen darüber bis zu 0,056 Mbit/s nutzen. Dank des technischen Fortschritts konnten im darauffolgenden Jahrzehnt auch höherfrequente Signale über das Telefonnetz übertragen werden, von anfangs 0,768 bis später 16 Mbit/s im Downstream (Empfangsrichtung) – mit Ausnahme von Warmbronn (VDSL seit 2011) – die in Leonberg noch heute maximal buchbare Geschwindigkeit.

Telefonkabel war nie für die Übertragung hoher Frequenzen ausgelegt
Nun mag man sich die Frage stellen, warum nicht in jedem Haushalt 16 Mbit/s ankommen, und warum man die Geschwindigkeit nicht beliebig steigern kann. Die Telefonkabel waren nie für die Übertragung hoher Frequenzen ausgelegt: Je länger das Kupferkabel und je höher die zu übertragende Frequenz ist, desto höher ist die Dämpfung des Signals. Wird das Signal zu stark geschwächt, kommen beim Empfänger keine Daten mehr an. Je weiter also ein Anschluss von der Vermittlungsstelle als Knotenpunkt entfernt ist (in Leonberg auf dem Postgelände), desto geringer ist die nutzbare Geschwindigkeit. Daher können z.B. Bewohner im Ramtel nur mit 1-2 der bezahlten 16 Mbit/s surfen. Ebenfalls Einfluss auf die Geschwindigkeit nehmen Störsignale benachbarter Telefonleitungen in der Straße, die das Signal weiter schwächen (vergleichbar mit „Übersprechen“).

In der Praxis kann das Telefonkabel von der Vermittlungsstelle bis zum heimischen Anschluss bis zu 4 km betragen. Doch wie kürzt man die lange Leitung? Man verlegt Glasfaserkabel von der Vermittlungsstelle bis in die Nähe der Verbraucher, idealerweise gleich direkt bis ins Haus. Für die Privatwirtschaft mit hohen Erwartungen an Rendite und kurze Amortisationszeiten ist dies in der Regel zu teuer. Daher legen die Anbieter das Glasfaserkabel nur bis zu kleineren Kabelverzweigern, den grauen Kästen am Straßenrand. Diese werden zu Multifunktionsgehäusen aufgerüstet, welche die Lichtimpulse der Glasfaserkabel in elektrische Signale für die Telefonkabel umwandeln (und umgekehrt). Man spricht von FTTC (Fiber to the Curb/Cabinet), also „Glasfaser bis zum Randstein/Kasten“. In Warmbronn hat bereits 2011 die NetCom BW den FTTC-Ausbau vollzogen und bietet bis zu 50 Mbit/s Downstream an. Erst seit Sommer 2017 verlegt die Deutsche Telekom im restlichen Leonberg die Glasfaserkabel bis zu den Kabelverzweigern – und verkürzt dadurch die längsten Telefonkabel auf unter 1 km. Genau dafür gibt es zurzeit die vielen kleinen Baustellen, die über das Stadtgebiet verteilt sind.

Entfernung zum Multifunktionsgehäuse bestimmt die Geschwindigkeit
Durch das kürzere Telefonkabel lässt sich VDSL aufschalten, was bis zu 50 Mbit/s in Empfangsrichtung ermöglicht. Parallel lässt sich das oben genannte Übersprechen mit dem Vectoring-Verfahren korrigieren. Dadurch werden bis zu 100 Mbit/s in Empfangsrichtung und bis zu 40 Mbit/s in Senderichtung realisierbar. Allerdings bestimmt weiterhin die Entfernung zum Multifunktionsgehäuse maßgeblich die Geschwindigkeit. Bereits ab ca. 300 m kommen weniger als 100 Mbit/s an. Der Nachfolger Supervectoring, mit dem bis zu 250 Mbit/s in Empfangsrichtung möglich sein sollen, steht zwar in den Startlöchern, wurde aber jüngst von der Telekom auf 2019 verschoben. Allerdings werden nicht alle Leonberger in den Genuss der noch höheren Geschwindigkeit kommen. Wer mehr als 500 m vom Kabelverzweiger entfernt ist, für den ist mit Vectoring das Potential ausgeschöpft. Bei den Nachfolgern G.fast bzw. XG-fast, die Bandbreiten im Gigabit-Bereich ermöglichen, muss das Kabel so kurz sein, dass sie nur für die Verwendung innerhalb von Gebäuden interessant sind.

Übrigens: Die Senderichtung ist bei allen DSL-Varianten geringer als die jeweilige Empfangsrichtung (asymmetrischer Anschluss), da früher das Internet hauptsächlich nur in Empfangsrichtung genutzt wurde. In Zeiten von Foto- und Video-Uploads, Home-Office und Cloud-Computing wird die Senderichtung aber immer wichtiger.

Aber wenn der FTTC- bzw. Vectoring-Ausbau neue Probleme mit sich bringt, warum findet ein solcher dann statt? Der Ausbau ist für Telekommunikationsnetzbetreiber günstig und bietet zumindest mehr Geschwindigkeit als seither. Zudem muss die bestehende Kupferverkabelung im Gebäude nicht verändert werden. Dies gilt übrigens nicht für den heimischen DSL-Router, dieser muss sehr wohl vectoringfähig sein, etwas ältere DSL-Router werden daher für die Vectoring-Anschlüsse zwingend ausgetauscht werden müssen. Für Supervectoring und Nachfolger wird ein erneuter Austausch erforderlich, eventuell sogar bei der Technik in den Multifunktionsgehäusen. Dies ist, neben dem hohen Stromverbrauch der Multifunktionsgehäuse, auch unter Nachhaltigkeitsaspekten kritisch zu sehen.

Anbieterwechsel ist nicht erforderlich
Ein Wechsel Ihres bisherigen DSL-Anbieters ist übrigens nicht notwendig. Da die Telekom ihr Netz an Drittanbieter vermieten muss, können Sie die höheren Geschwindigkeiten bei jedem Anbieter buchen. Am Silberberg und in Gebersheim ist der Ausbau mehr oder weniger abgeschlossen bis Februar sollten alle Kunden die neuen Geschwindigkeiten buchen können. Die Leonberger selbst müssen sich noch voraussichtlich bis Mai gedulden.

Fazit: Kurzfristig ergibt sich durch Vectoring zum Teil eine deutliche Verbesserung, aber die Leistungsfähigkeit nach oben ist schon jetzt begrenzt – und der Bedarf sowie das Internet werden schneller wachsen als die Bandbreite über Kupferkabel mitwachsen kann, das hat schon die Vergangenheit deutlich bewiesen. Und die Kunden werden weiterhin für Geschwindigkeiten zahlen müssen, die sie technisch nicht bekommen können.

Vectoring-Ausbau der Telekom: Status

Die meisten von Ihnen werden die vielen kleinen und mittleren Baustellen im gesamten Stadtgebiet von Leonberg bemerkt haben. In diesem Artikel möchten wir Sie über den Stand der Bauarbeiten und die Zeitpläne informieren.

Die Firma Leonhard Weiss verlegt im Auftrag der Deutschen Telekom AG die Glasfaser-Infrastruktur von der Vermittlungsstelle am Postgelände bis zu den Kabelverweigern (Ausnahme Silberberg, hier befindet sich die Vermittlungsstelle in Rutesheim). Die Kabelverzweiger (KVz) werden anschließend von Telekom-Mitarbeitern zu sogenannten Multifunktionsgehäusen (MFG) umgebaut. In diesen MFGs befindet sich die aktive Technik, die die Umsetzung von Glasfaser (optisches Signal) auf Kupferkabel (elektrisches Signal) vornimmt. Zwischen dem MFG und Ihrem Hausanschluss (TAE-Dose) bleibt das bisherige Telefonkabel bestehen. Auf dieser Strecke findet die Vectoring-Technik ihren Einsatz. Wie so ein Umbau aussieht, ist auf folgender Seite anschaulich beschrieben: http://internet-lippinghausen.de/.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Telekom ihre erste Informationsveranstaltung in Gebersheim. Wir waren vor Ort, natürlich stilecht mit unseren T-Shirts, die auch gleich ihre Wirkung zeigten: Zwei Bürger hatten uns angesprochen. Wir bedanken uns für das positive Feedback und den Rückenwind. Im Anschluss der Veranstaltung kamen wir mit dem Regionalmanager der Telekom, Herrn Josip Nadj, ins Gespräch. Herr Nadj kannte uns bereits, da wir zu ihm vorab telefonischen Kontakt hatten, um die wichtigsten Fragen zu stellen. Wir bedanken uns bei Herrn Nadj für die fachlichen Informationen und das offene und angenehme Gespräch.

In der Verfügbarkeitskarte der Telekom ist der Vectoring-Ausbau bereits eingepflegt. Gibt man als Ort „71229“ ein, erscheint zunächst ein Info-Text. Dieser Info-Text ist allerdings nicht mehr aktuell.

Gebersheim, Silberberg: Hier wird das Vectoring ab dem 13.11.2017 buchbar sein, allerdings nicht überall gleichzeitig, da das Netz über einen Zeitraum von ungefähr 6-8 Wochen sukzessive aktiv geschaltet wird.

Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel: Hier soll die Technik ab März 2018 ans Netz gehen, dann ebenfalls sukzessive im Verlauf von voraussichtlich 6-8 Wochen.

Warmbronn: Da hier die NetCom BW aktiv ist, findet kein Vectoring-Ausbau seitens der Telekom statt.

Bevor wir uns die Verfügbarkeitskarte im Details ansehen, hier die wichtigste Info für Sie als Endkunde:

  • Sie können die neuen Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s und bis zu 100 Mbit/s im Download bei Ihrem bisherigen Anbieter buchen, müssen Ihren Anbieter also nicht wechseln. Nach Informationen von Vodafone, 1&1 Versatel und O2 stehen die Tarife zeitgleich mit der Telekom zur Verfügung, bei der Sie die Tarife ebenfalls buchen können. Falls sich die Tarife online noch nicht buchen lassen, rufen Sie am besten bei Ihrem Anbieter an oder gehen Sie in einen Shop. Meist dauert es etwas, bis die Daten im Online-System eingepflegt sind.
  • Die neuen Geschwindigkeiten stehen Ihnen nicht automatisch zur Verfügung. Das gilt auch für 16 Mbit/s, die bei Ihnen nach dem Ausbau auf jeden Fall ankommen sollten. Sie bleiben zunächst auf der alten Technik geschaltet und müssen das Umklemmen auf die Glasfaser im Multifunktionsgehäuse bei Ihrem Anbieter aktiv beauftragen, am besten wieder telefonisch oder im Shop.
  • Wollen Sie bei 16 Mbit/s bleiben, ist ein Tausch des Routers nicht notwendig. Wollen Sie 50 oder 100 Mbit/s buchen, kommt es auf das Alter Ihres Routers an. Wir werden eine Liste mit geeigneten Router erstellen und aktuell halten. Eine erste Übersicht finden Sie bei DSL-Web. Sollten Sie sich unsicher sein, schreiben Sie uns eine E-Mail oder kommen Sie zur kostenlosen Beratung der Agenda-Gruppe.

Filtert man die Karte auf VDSL-Ausbau geplant bis zu 100 Mbit/s, wird die Netzabdeckung mit Vectoring blau hinterlegt:
a

Laut Daten der Telekom werden nach dem Ausbau in 98% der Haushalte mind. 50 Mbit/s im Download zur Verfügung stehen – das Ziel der Bundesregierung bis 2018 flächendeckend jedem Haushalt mind. 50 Mbit/s zur Verfügung zu stellen ist damit für Leonberg verfehlt. Ca. 150 Anschlüsse werden weiter unterversorgt sein und als weiße Flecken gelten (weniger als 30 Mbit/s). Mindestens 80 Mbit/s sollen bei nur noch 88% der Haushalte ankommen (Quelle: Zwischenbericht des Breitbandberaters, V-Ausschussitzung vom 21.09.2017). Es sei an dieser Stelle aber noch einmal deutlich darauf hingewiesen, dass diese Angaben auf Werten der Telekom beruhen. Welche Geschwindigkeit bei Ihnen tatsächlich ankommt, hängt von vielen Faktoren ab und nicht nur von der reinen Entfernung zum Multifunktionsgehäuse ab. Im Internet sind genug Fälle zu finden, die nicht einmal stabil 50 Mbit/s bekommen können, obwohl sie so nah am MFG sind, dass 100 Mbit/s möglich sein sollten. Hier spielt v.a. die Qualität des Kupferkabels (z.B. Anzahl an Flickstellen) eine entscheidende Rolle.

Schaut man sich obige Karte genauer an, sieht man sowohl im Zentrum von Leonberg als auch im Gewerbegebiet Hertich eine große Lücke klaffen, hier noch einmal vergrößert:
Screenshot der Telekom-Webseite: VDSL-Ausbau geplant bis zu 100 Mbit/s
Nahbereich Leonberg: Dabei handelt es sich um den sogenannten Nahbereich, d.h. um die Gebäude, die direkt an die Vermittlungsstelle der Telekom bei der Post angeschlossen sind, für die es also kein extra Multifunktionsgehäuse gibt. Für diese Gebäude könnte die Telekom technisch ohne weiteren Ausbau Vectoring anbieten. Wo liegt das Problem? Die Wettbewerber der Telekom haben dagegen geklagt. Das Verwaltungsgericht Köln hat im März 2017 die Klage abgewiesen. Ein Teil der Kläger ist daraufhin in Revision gegangen, die Entscheidung steht noch aus. Wann Vectoring im Nahbereich also verfügbar sein wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Schätzungen gehen von 1-3 Jahren aus!

Gewerbegebiet Hertich: Vectoring ist hier über die Telekom nicht geplant. Jedoch ist im Hertich teilweise Glasfaser durch die Sparkassen-IT, 1&1 Versatel und Globalways verfügbar. Wir haben der Stadt bereits eine Idee für flächendeckendes Glasfaser im Hertich zukommen lassen.

Sie sehen, der Vectoring-Ausbau ist mit einigen Fallstricken verbunden. Wir hoffen natürlich, dass sich für möglichst viele Haushalte mit diesem Ausbau die Situation deutlich verbessert. Man darf aber nicht verschweigen, dass für einen gewichtigen Teil mit diesem Ausbau das Ende der Fahnenstange erreicht ist und durch Super-Vectoring voraussichtlich keine weitere Verbesserung zu erzielen ist. Daher lohnt es sich weiter für echtes Glasfaser bis in die Gebäude zu kämpfen und uns zu unterstützen. Damit wären alle in diesem Artikel erwähnten Probleme auf einen Schlag gelöst.

Stellungnahme: LKZ-Artikel vom 7.7.

In der Leonberger Kreiszeitung ist am 07.07.2017 ein Artikel über den Vectoring-Ausbau der Telekom erschienen: Vom Schotterweg zur Autobahn. Wir möchten als Bürgerinitiative zu einigen getroffenen Aussagen in dem Artikel folgende Stellungnahme abgeben.

Im Artikel wird die Frage gestellt, wie es mit dem Glasfaserkabel bis zum Kunden aussieht, wie es von Teilen des Gemeinderats gefordert wird. Verschwiegen wird, dass nicht nur Teile des Gemeinderats Fiber To The Building/Home (FTTB/H) – also Glasfaser bis ins Gebäude – fordern, sondern auch wir als Bürgerinitiative und all unsere Unterstützer.

Weiterhin wird Herr Schuler mit den Worten zitiert „Das [= Glasfaser bis ins Gebäude, Anmerkung von uns] benötigen nur wirklich wenige, so wie nicht jeder ein Auto mit 500 PS braucht“. Automobil-Vergleiche sind im IT-Umfeld sehr beliebt, man sollte sie aber zu Ende denken: Jede/r kann beim Kauf selbst entscheiden, ob ein Auto 100 oder 500 PS haben soll. Beim Internet soll unser Bedarf aber nun fremdbestimmt werden? Das ist nicht nachvollziehbar. Außerdem werden 100 PS in 5, 10 und 100 Jahren genauso ausreichend sein wie heute. Es bestreitet aber heute niemand mehr ernsthaft, dass der Bedarf an Bandbreite steigen wird.
Auch der Aussage, dass es wenige brauchen, muss widersprochen werden. Rund 1500 Bürgerinnen und Bürger, die uns unterstützen, können nicht als ‚wenige‘ bezeichnet werden. Dass Unternehmen, Selbständige, Freiberufler und Arbeitnehmer im Home-Office mehr Bandbreite benötigen als Kupfer leisten kann, ist ebenfalls unumstritten.

Weiter wird ausgeführt, dass ab 2018 über Super-Vectoring 200 MBit/s möglich seien. Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Denn flächendeckend werden 200 MBit/s nicht erreicht werden. Alle Haushalte, die mehr als ca. 300 m vom Verteilerkasten entfernt sind, werden nicht in diesen „Genuss“ kommen. Übrigens: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie empfiehlt bereits heute 250 MBit/s im Download für Home-Office und Cloud-Computing. Mit Vectoring und Super-Vectoring bekommen wir nicht nur eine nicht-flächendeckende Lösung, wir laufen der Entwicklung des Internets weiter mit großem Abstand hinterher.

Völlig unerwähnt bleibt zudem die Tatsache, dass sich der Upload durch Super-Vectoring im Vergleich zum Vectoring faktisch nicht verbessert (von 40 auf 50 Mbit/s). Für Unternehmen, Home-Office und Cloud-Computing sind symmetrische Bandbreiten bereits heute notwendige Voraussetzung. Nur durch Glasfaser bis ins Gebäude lassen sich zeitgemäße Uploadraten umsetzen: Glasfasernetze bieten die Möglichkeit von gleich hohen Up- und Downloadraten.

Weiterhin werden die hohen Kosten eines Glasfaserausbaus bis ins Gebäude genannt und es positiv hervorgehoben, dass durch den Telekom-Ausbau der Stadt keine Kosten entstehen. Aber: Nicht nur der Ausbau der Telekom, auch ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaser, lässt sich grundsätzlich ohne Kosten für die Stadt und die Bürger umsetzen. Noch besser: Die Stadt könnte im Idealfall mit einer Investition direkte Einnahmen generieren, zumindest aber kostendeckend operieren und indirekte Einnahmen generieren. Dazu muss die Stadt sich aber dem Thema Glasfaser öffnen. Ein Schönreden von VDSL, Vectoring und Super-Vectoring hilft Leonberg nicht weiter.

Wir verfolgen das Thema seit geraumer Zeit. Beobachtet man die Medienlandschaft und die wirtschaftlichen und politischen Debatten, stellt man fest, dass sich das Bild und die Meinung gewandelt haben: Die Kritik am Vectoring wird lauter, der Ruf nach flächendeckendem Glasfaser ebenso. Erst gestern hat der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Landkreis Böblingen beschlossen, „eine flächendeckende Versorgung aller Unternehmen und Privathaushalte mit Glasfaser (FTTB- bzw. FTTH-Versorgung)“ anzustreben (TOP 3).  Dieser Entwicklung kann sich die Stadt Leonberg nicht dauerhaft entziehen. Wir erwarten, dass die Stadt Leonberg diesem Beschluss folgt und ihn uneingeschränkt unterstützt.

Infoveranstaltung in Backnang

„Glasfaser, Glasfaser, Glasfaser“

Unter diesem Motto stand die Infoveranstaltung der Stadt Backnang, zu der der Wirtschaftsförderer der Stadt, Herr Dr. Ralf Binder, am 27.06.2017 eingeladen hatte. Auf Netzbetreiberseite waren eingeladen: Die Deutsche Telekom, Unitymedia, Vodafone/Deutsche Glasfaser und der Regionalanbieter WisoTEL. Wir von der Bürgerinitiative waren auch vor Ort um uns die Präsentationen der Netzbetreiber anzuhören, Kontakte zu knüpfen und uns die Strategie von Backnang anzusehen.

Nach einer kurzen Eröffnungsrede durch den Oberbürgermeister hat Herr Binder einen Überblick über die Versorgungssituation in Backnang gegeben. Ähnlich zu Leonberg ist Backnang hauptsächlich über die Telekom und Unitymedia versorgt, wobei die Telekom bereits vor 3 Jahren Backnang mit VDSL und Vectoring versorgt hat, also derselben Technik, die Leonberg nächstes Jahr bekommen soll. Seit dem ist aber nichts mehr passiert und es gibt noch unterversorgte Gebiete. Die Stadt Backnang hat die dringende Notwendigkeit und den Standortvorteil einer flächendeckenden Glasfaserversorgung bis in die Gebäude erkannt.

Zitat: „Kupfer wird in Zukunft nicht mehr funktionieren.“

Daher war auch zentrale Frage der Veranstaltung an die vier anwesenden Anbieter: Was tun diese Anbieter, die in der Stadt ja auch ihr Geld verdienen, um Backnang flächendeckend mit Glasfaser zu versorgen. Und was kann die Stadt, was kann jeder Bürger tun um dieses Ziel zu erreichen.

Jeder geladene Netzanbieter hatte nun die Möglichkeit sich in einem 15-minütigen Vortrag zu präsentieren. Hier die Inhalte der Vorträge kurz zusammengefasst:

Deutsche Telekom:

  • Die Telekom setzt beim Ausbau vorerst weiter auf kupferbasierte Lösungen (VDSL und Vectoring). Als nächster Schritt sollen dabei Super-Vectoring und G.fast zum Einsatz kommen.
  • Langfristig geht auch die Telekom von der Notwendigkeit von Glasfaseranschlüssen aus.
  • Konkrete Pläne und Termine für die jeweiligen Ausbaustufen wurden nicht genannt. Auch die Abhängigkeit der Geschwindigkeit von der Länge der Leitung wurde nicht erwähnt.

Unitymedia:

  • Die Unitymedia setzt weiter auf die Glasfaser-Coax-Technik.
  • In den nächsten 1-2 Jahren möchte man darüber 1 Gbit/s im Download für alle Bestandskunden anbieten.
  • Die Nachteile der Glasfaser-Coax-Technik wie „shared medium“ (alle Haushalte am selben Knotenpunkt teilen sich die verfügbare Bandbreite) und geringe Upload-Raten wurden nicht erwähnt.
  • Ausbaupläne für nicht erschlossene Gebieten wurden nicht vorgestellt.

Vodafone:

  • Vodafone hat sich zur Strategie gemacht, Gewerbegebiete mit Glasfaser zu Versorgen und arbeitet dabei mit einem Investitionspartner zusammen, der sich später als die Deutsche Glasfaser herausstellte.
  • Bei erfolgter Interessenbündelung mit ausreichend Nachfrage stellt Vodafone hier einen Ausbau innerhalb von 12 Monaten in Aussicht.
  • Vodafone setzt mit dem Motto „einmal, aber dann richtig machen“ auf reine glasfaserbasierte Lösungen mit symmetrischen Bandbreiten.
  • Vodafone sieht vor allem auch wegen der deutlichen Zunahme an Homeoffice-Arbeitsplätzen und den Freiberuflern die Notwendigkeit auch Wohngebiete mit Glasfaser zu erschließen. In den letzten 5 Jahren nahm die Zahl der Homeoffices um 10% zu.

WisoTEL:

  • Die Firma WisoTEL ist überwiegen im Gebiet in und um Backnang tätig. Dort unterhält WisoTEL bisher Netze mit gemischter Kupfer-/Glasfaserinfrastruktur.
  • Im privaten Bereich werden VDSL-Anschlüsse mit Vectoring angeboten. WisoTEL gibt dabei ein Versprechen ab: Der Kunde zahlt nur für die Bandbreite, die er auch bekommt.
  • Im gewerblichen Bereich bietet WisoTEL individuelle Lösungen an und setzt dabei auf Glasfaser.
  • Auch in Leonberg unterhält WisoTEL ein Glasfasernetz: Die Hochhäuser am Leo-Center sind durch WisoTEL erschlossen.

 

Im Anschluss an die Vorträge schloss sich eine Fragerunde an. Zwei Fragengebiete möchten wir hier erwähnen:

  • Wie stehen die Chancen bei einer Interessenbündelung? Würde bei ausreichender Nachfrage eine Erschließung stattfinden?

Antwort Unitymedia: Unitymedia prüft jede Anfrage nach Aspekten der Wirtschaftlichkeit. Es klang an, dass Anfragen auf nachträgliche Erschließungen oft aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgelehnt. Unitymedia ist sehr darauf bedacht, dass Aktivitäten in die Unternehmensstrategie passen. Bürger aus dem Publikum haben von ihren Erfahrungen berichtet, dass derartige Anfragen bereits gestellt und jeweils abgelehnt wurden. Auch wir von der Bürgerinitiative können diese Erfahrung bestätigen.

Antwort Deutsche Telekom: Die Telekom verweist auf das Produkt „Mehr Breitband für mich (MBfm)“. Im Rahmen dieses Angebots bietet die Telekom Glasfaseranschlüsse an. Jedoch müssen die Ausbaukosten, die je nach Entfernung zum Multifunktionsgehäuse mehrere Zehntausend Euro betragen, vollständig durch den Kunden getragen werden.

  • Werden Straßenbauarbeiten der Stadt genutzt, um Glasfaserkabel kostengünstig in die Gebäude zu bringen?

Antwort Unitymedia: Wie in der vorherigen Frage erwähnt prüft die Unitymedia auch bei Straßenarbeiten die Wirtschaftlichkeit, allerdings nur auf Anfrage. Ist die Straße bereits mit Coax-Kabel versorgt, also Kupfer, findet keine Überbauung mit Glasfaser statt.

Antwort Deutsche Telekom: Die Telekom nutzt Straßenbauarbeiten aktuell nicht um die Gebäude direkt mit Glasfaser zu versorgen.

 

Am Ende der Veranstaltung sind mit den Vertretern der Vodafone aus Weilimdorf und dem Geschäftsführer der WisoTEL aus Backnang ins Gespräch gekommen. Wir konnten uns zu folgenden Aspekten austauschen:

Vodafone/Deutsche Glasfaser

  • Vodafone unterhält im gewerblichen Bereich bereits Infrastruktur in Leonberg, ist also bereits vor Ort.
  • Investitionspartner der Vodafone ist die Deutsche Glasfaser, die flächendeckende Erschließungen mit Glasfaser vorantreibt, auch in Wohngebieten.
  • Beim Ausbau setzt die Deutsche Glasfaser auf ein konventionelles, mindertiefes Verlegeverfahren (Youtube-Video). Dabei kommt ein Spezialbagger mit einer Minischaufel zum Einsatz, der einen flachen Graben aushebt – normalerweise im Gehwegbereich: Die Bauarbeiten werden also auf ein Minimum beschränkt. Das umstrittene Microtrenching wird nicht eingesetzt.

Der Vertreter der Vodafone bedankte sich für den Impuls durch die Bürgerinitiative und hat versprochen einen Kontakt zur Deutschen Glasfaser herstellen, um die Ausbauoptionen für Leonberg zu prüfen.

Die Zusammenarbeit von Vodafone und der Deutschen Glasfaser bewerten wir als zukunftsweisend, da hier die Vodafone als erfahrener Telekommunikationsanbieter mit einem innovativen und dynamischen Unternehmen zusammenarbeitet.

 

WisoTEL

  • WisoTEL könnte sich grundsätzlich vorstellen als Ausbaupartner von Stadtwerken – konkret haben wir die Leonberger Stadtwerke in Spiel gebracht – aktiv zu werden.

Wir werden mit WisoTEL in Kontakt bleiben, um die Optionen für einen Ausbau in Leonberg zu diskutieren.

 

Fazit der Veranstaltung

Backnang hat die Notwendigkeit flächendeckender Glasfasernetze erkannt und wird diesen nach allen Möglichkeiten aktiv vorantreiben. Weder die Deutsche Telekom noch Unitymedia hatten konkrete Pläne im Gepäck, um dieses Ziel zu erreichen. Vodafone/Deutsche Glasfaser und WisoTEL hingegen stehen Ausbauoptionen offen gegenüber, Vodafone konnte bezogen auf Gewerbegebiete eine konkrete Aussage treffen.

Aufnahme als Agenda-Gruppe

Mit diesem Blog-Eintrag möchten wir über den aktuellen Stand unserer Aktivitäten informieren.

Am Donnerstag wurden wir als Agenda-Gruppe in die Lokale Agenda 21 der Stadt Leonberg aufgenommen. Die Arbeiten der Agenda-Gruppe werden sich auf einen Beratungsservice zum Thema Vectoring-Ausbau und Glasfaser konzentrieren. Details folgen in Kürze im Rahmen der Agenda-Gruppe. Außerdem haben wir viele Gespräche geführt, unter anderem mit der Stadtverwaltung. Dem Antrag unsere Agenda-Gruppe aufzunehmen wurde mit 100% Zustimmung stattgegeben. Dafür möchten wir uns ausdrücklich bedanken!

Die Telekom hat mittlerweile ihren VDSL-Ausbau für Leonberg angekündigt. Der Ausbau wird für viele eine Verbesserung mit sich bringen, ist aber auf lange Sicht gesehen nicht genug. Der Ausbau ist nicht nachhaltig, heißt, die dann verfügbaren Bandbreiten werden bereits in wenigen Jahren schon wieder zu wenig sein bzw. sind für Unternehmen und Anwendungen wie Home-Office und Cloud-Computing schon heute zu gering. Allein ein flächendeckendes Glasfasernetz (d.h. Glasfaser bis in die Gebäude) bietet die benötigten Bandbreiten und ist beliebig erweiterbar.

Ohne ein flächendeckendes Glasfasernetz katapultiert sich Leonberg ins Abseits, da andere Städte im Umkreis das Thema Glasfaser mit großem Nachdruck angehen. Wir werden dies bald in einer Übersicht zusammenfassen.

Außerdem haben wir eine Einladung zur Mitgliederversammlung der Bürgergemeinschaft Leonberg-Ramtel e. V. wahrgenommen. Dort haben der Wirtschaftsförderer der Stadt Leonberg und der Breitbandberater der Stadt über den VDSL-Ausbau der Telekom berichtet. Wir möchten an dieser Stelle Herrn Schweizer für den sachlichen Vortrag danken. Die lebhaften und kritischen Fragen der Zuhörerschaft zum Vortrag haben gezeigt: Die Anwohner haben ein vitales Interesse an einer schnellen und zukunftsfähigen Internetanbindung.

Mittlerweile haben uns 555 Unternehmen und Haushalte vertreten von rund 1.400 Leonbergerinnen und Leonbergern ihre Stimme gegeben. Wir erfahren nach wie vor Zulauf, viele Bürger und Unternehmen haben erkannt, dass VDSL nicht den Erfordernissen einer modernen und nachhaltigen Infrastruktur entspricht. Wir möchten uns für die breite Unterstützung bedanken!

Wir freuen uns über jede aktive Mithilfe, sei es im Rahmen der Bürgerinitiative oder in der Agenda-Gruppe und laden alle Interessentinnen und Interessenten dazu ein.

Vectoring-Ausbau in Leonberg kommt

Nun ist es offiziell: 12 Jahre, nachdem die Telekom damit begonnen hat ihr Netz auf VDSL auszubauen, wird die Telekom Leonberg mit VDSL und Vectoring versorgen (siehe Pressemitteilung der Stadt). Eine gute Nachricht, die wir grundsätzlich begrüßen.
Nur: Das schnelle Glasfasernetz endet in den Verteilerkästen am Straßenrand. Damit endet leider auch unsere Begeisterung. Denn danach geht es mit den alten, teils schon brüchigen Kupferkabeln weiter in die Gebäude. Was nützt eine frisch asphaltierte, sechsspurige Autobahn, wenn sich diese zwischendrin auf zwei holprige Spuren verengt? Genau, dann bildet sich Stau und der Vorteil der Zeitersparnis durch die freie Fahrt ist dahin. Dasselbe ist leider mit diesem Ausbaukonzept zu erwarten.

Das sieht wohl auch die Telekom ähnlich, denn vorsorglich berichtet man von „bis zu 100 Mbit/s“ bei „mehr als 90% der Anschlüsse“. Nun sind 50 Mbit/s auch „bis zu 100“. Dieser teils große Unterschied zwischen beworbener und tatsächlicher Geschwindigkeit wurde jüngst auch im Jahresbericht Breitbandmessung der Bundesnetzagentur scharf kritisiert. Und was ist mit den restlichen 10% der Nutzer? Die sollen weiter von der modernen Welt entkoppelt sein? Das Minimalziel der Bundesregierung, flächendeckend mind. 50 Mbit/s bis 2018, wird sich damit nicht erreichen lassen. Für Anwendungen wie Home Office und Cloud Computing empfiehlt das Weißbuch Digitale Plattformen des Bundewirtschafsministeriums schon heute 250 Mbit/s (Seite 18). Auch der Upload spielt eine immer wichtigere Rolle. Mit „bis zu 40 Mbit/s“ ist dieser schon jetzt für Home Office und Cloud Computing zu knapp bemessen und wird sich mit dem Nachfolger „Super-Vectoring“ auf lediglich „bis zu 50 Mbit/s“ nur minimal verbessern, und das auch nur im Nahbereich zum Verteilerkasten – also schon nicht mehr flächendeckend.

Deshalb bleiben wir dabei: Der Glasfaserausbau bis zu den Verteilerkästen ist ein erster guter Schritt. Um aber Leonberg fit für die digitale Zukunft zu machen, fordern und fördern wir die Verlegung von Glasfaser bis in die Gebäude. Und darauf wollen wir nicht erneut 12 Jahre warten müssen.

Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin, damit wir auch Ihnen im Büro, im Home Office oder zuhause einen wirklich schnellen Internetanschluss ermöglichen können, der dann auf sehr lange Sicht allen Anforderungen an steigende Datenvolumen gerecht wird.