Vectoring-Ausbau: Aktueller Stand

Der Monat März neigt sich dem Ende und eigentlich sollte der Vectoring-Ausbau der Deutschen Telekom längst abgeschlossen sein. Tatsächlich erreichen uns Kommentare, dass die Tarife mit bis zu 50 und bis zu 100 Mbit/s bei vielen noch nicht buchbar sind. Aussagen wie „mehr als 16 Mbit/s gehen nicht“ oder „keine freien Ports“ sind zu lesen. Schon vor Wochen erreichte uns die Meldung, dass es zu Verzögerung kommt, allerdings ohne konkrete Details zu nennen. Wir wollten es genauer wissen und haben sämtliche Kontakte spielen lassen: Die Hotline, den Chat, Telekom-hilft auf Twitter, den Telekom Shop im Leo-Center, Messe-Kontakt auf der BREKO-Glasfasermesse und den direkten Kontakt zum Regio-Manager der Telekom. Man hatte uns Informationen, sogar eine Pressemitteilung, zu den Verzögerungen in Aussicht gestellt. Auch die Stadt Leonberg hat der Telekom empfohlen, eine Pressemitteilung zu veröffentlichen.

Passiert ist leider wenig: Auf die Pressemitteilung warten wir bis heute. Wirklich fundierte und verlässliche Informationen haben wir leider ebenfalls nicht bekommen. Dennoch möchten wir euch die wenigen Informationen, die wir haben, zur Verfügung zu stellen.

Wirft man einen Blick auf die Verfügbarkeitskarte auf www.telekom.de/schneller, zeichnet sich kein klares Bild ab. Für Eltingen, Höfingen, Leonberg und Ramtel erscheint ein Hinweis-Fenster, dass der Ausbau Anfang März 2018 abgeschlossen wurde. Für Silberberg und Gebersheim gibt es keine Hinweise. Schaut man sich dann die Karte an und aktiviert „VDSL 100“ (Vectoring) und „Highspeed-Ausbau geplant“, scheint Vectoring in ganz Leonberg abgesehen vom Zentrum (Nahbereich) verfügbar zu sein, Gebersheim fehlt komplett und Silberberg zu großen Teilen. Warmbronn wird durch die NetCom BW versorgt und war vom Ausbau der Telekom schon immer ausgeschlossen.

Im Folgenden fassen wir unseren aktuellen Kenntnisstand zusammen. Wir möchten betonen, dass die Informationen auf teils widersprüchlichen Aussagen von Telekom-Mitarbeitern beruhen und daher ggf. mit Vorsicht zu genießen sind.

Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel: Seit dem 21.03. kann Vectoring in diesen Gebieten gebucht werden, allerdings noch nicht überall. Das Ezach sei wohl zum größten Teil fertig, im Ramtel fehlt der nördliche Teil, Leonberg selbst weißt Lücken auf, das gleiche gilt wohl für Höfingen. Im Laufe des Aprils soll der Ausbau aber abgeschlossen sein.

Gebersheim ist angeblich komplett ausgebaut und überall verfügbar. Vielleicht können das die Gebersheimer in den Kommentaren bestätigen oder auch widerlegen. Warum es auf der Karte nicht angezeigt wird, bleibt ein Rätsel.

Schlechte Nachrichten gibt es für Silberberg, welches anschlusstechnisch z.T. an Rutesheim hängt. Der nördliche Teil des Silberbergs muss sich wohl noch bis Juli gedulden.

Bzgl. der oft gelesenen Aussage, es seien keine freien Ports verfügbar – gerade die Kunden von Drittanbietern wie Vodafone, 1&1 und O₂ bekommen dies wohl öfter zu hören: Wir vermuten, dass diese Aussage daher rührt, dass die Drittanbieter bei der Deutschen Telekom den Anschluss anfragen, welcher abgelehnt wird, weil er noch nicht ausgebaut wurde. Die Anzahl an Vectoring-Ports ist quasi Null und im System erscheint das wohl als „keine freien Ports“.

Was sind die Gründe für die Verzögerungen? Genannt werden Lieferschwierigkeiten bei der aktiven Hardware in den Multifunktionsgehäusen, also der Hardware, die das Glasfaser-Signal auf Kupferkabel umsetzt und umgekehrt. Es soll aber eine größere Lieferung gegeben haben, weshalb der Ausbau in Leonberg im Laufe des Aprils abgeschlossen sein soll. Wichtig: Die höhere Bandbreite kann nicht nahtlos mit der Buchung geschaltet werden. Ein Techniker der Telekom muss vor Ort das Telefonkabel des Kunden im Multifunktionsgehäuse auf die neue aktive Glasfaser-Hardware umklemmen. Daher muss man nach der Buchung noch auf einen freien Techniker-Termin warten.

Uns ist bewusst, dass diese Aussagen wenig konkret sind. Es tut uns leid, dass auch wir keine genaueren Informationen haben. Wir möchten an der Stelle betonen, dass wir nicht die Verzögerung selbst kritisieren. Sie sind ärgerlich, aber derzeit nicht zu ändern. Was die Deutsche Telekom aber ändern kann, ist ihre Informationspolitik. Wir bedauern es, dass die Telekom nicht in der Lage ist ihren Kunden gegenüber transparenter und offener zu sein. Vielleicht gibt sich die Telekom einen Ruck und stellt doch noch die angekündigten Informationen zur Verfügung.

Übrigens: Mit einem echten Glasfaserausbau bis in die Gebäude wäre das nicht passiert, weil man hier die Komponenten zur Umwandlung der Datensignale, mit der es diese Lieferprobleme gibt, gar nicht erst benötigt.

Technik: Wenn es Abend wird im Kabelnetz (aus LKZ)

Am 16.01. erschien der zweite Teil unserer Technik-Serie in der Leonberger Kreiszeitung. In der Print-Version wurden leider die Namen von Robert Scheck und Daniel Pötzsch vermischt – die Artikel sind aber auch ein Gemeinschaftswerk :). In der Online-Version wurde der Fehler korrigiert.

 

Neben dem Internetzugang über das Telefonkabel (DSL) gibt es eine weitere, verbreitete Methode: den TV-Kabelanschluss. Nach Recherchen der Bürgerinitiative „Glasfaser für Leonberg“ liegt die Abdeckung in Leonberg bei ca. 50% aller Gebäude. In größeren Teilen des Ezachs, Gartenstadt, Gebersheim, Höfingen und Ramtel sowie in ganz Warmbronn ist kein Unitymedia verfügbar. Aber auch in den ausgebauten Gebieten finden sich Lücken.

Ursprünglich wurden die Kabelnetze zum Empfang von Radio und Fernsehen genutzt. Beim „Kabel“ handelt es sich um ein Koaxialkabel aus Kupfer, welches als Antennenkabel geläufiger ist. Alle Haushalte eines Gebietes empfangen die gleichen Programme und damit Signale. Sie sind daher am gleichen Kabel in der Straße angeschlossen.

Viele Haushalte teilen sich die Bandbreite
Um das Internet über diese Infrastruktur zu nutzen, muss neben der Empfangs- eine Sendemöglichkeit geschaffen werden; genannt Rückkanal. Es sind aber weiterhin viele Haushalte an einen Knotenpunkt angeschlossen; im Netz von Unitymedia im Schnitt 1000-2500. An all diesen Anschlüssen liegt das gleiche Signal, also auch der Internetverkehr der Nachbarschaft, an – natürlich verschlüsselt. Der heimische Router filtert die eigenen Signale heraus und entschlüsselt diese. Folglich müssen sich all diese Anschlüsse die Bandbreite teilen. Gerade in den Abendstunden und am Wochenende führt dies zu erheblichen Einbrüchen bei der Geschwindigkeit bis hin zu Totalausfällen. Der Kunde zahlt für Geschwindigkeiten, die er nicht immer bekommt – dies kritisierte auch die Bundesnetzagentur im März 2017. Durch Aufteilen von Gebieten auf mehrere, neue Knotenpunkte versuchen die Kabelnetzbetreiber dieser Überbuchung entgegenzuwirken.

Da die Senderichtung früher weniger wichtig war, wird für den Rückkanal nur ein kleiner Teil des Frequenzbereiches genutzt. Somit ergibt sich wie bei DSL ein geringerer Upstream (Senden) als Downstream (Empfangen). Im Kabelnetz ist das Verhältnis mit 10 zu 400 Mbit/s allerdings deutlich schlechter als bei Vectoring mit 40 zu 100 Mbit/s. Für Nutzer von Foto/Video-Uploads, Home-Office und Cloud-Computing stellt dies den zweiten, größeren Nachteil des Kabelnetzes dar. Aktuell rüsten die Anbieter auf und planen zukünftig deutlich höhere Geschwindigkeiten. Dafür werden die Knotenpunkte per Glasfaser-Kabel angeschlossen, was als Coax-Glasfaser-Technologie beworben wird. Alle Anschlüsse eines Knotenpunktes teilen sich aber weiterhin die Bandbreite.

Die Vorteile von Glasfaser bleiben ungenutzt
In Neubaugebieten wie dem Ezach III verlegen Kabelnetzbetreiber sogar Glasfaser-Kabel bis ins Gebäude, d.h. FTTB (Fiber to the Building). Was sich zunächst gut anhört, entpuppt sich leider als Mogelpackung. Die bestehenden Frequenzsignale der Koaxialkabel werden lediglich in Lichtimpulse umgewandelt und über Glasfaser transportiert. Das Teilen der Bandbreite bleibt bestehen. Nachdem kein Kabelnetzbetreiber geäußert hat dies in absehbarer Zeit zu ändern, bleiben die Glasfaser-Vorteile ungenutzt.

Obwohl das Kabelinternet wie DSL auf Kupferkabel setzt, kann aufgrund dickerer Kabel und einer besseren Abschirmung eine deutlich höhere Geschwindigkeit erreicht werden als über Telefonkabel. Im Gegensatz zur Telekom müssen die Kabelanbieter ihr Netz in der Regel nicht an Drittanbieter vermieten. Ist der Kabelanbieter wie im Ezach III der einzige, entsteht ein Quasimonopol. Bei Unzufriedenheit oder Problemen gibt es keinerlei Wechselmöglichkeit.

Vectoring-Ausbau: Status-Update

Update 13.03.2018: Der Ausbau geht in die heiße Phase, die Ungeduld und Frustration wächst – auch bei uns. Wir bitten euch, sich ein bisschen zu gedulden. Es wird in den nächsten Tagen ein Update zum Ausbau geben.

In einem Blog-Artikel haben wir vor zwei Monaten über den aktuellen Stand des Vectoring-Ausbaus der Deutschen Telekom (FTTC-Ausbau) berichtet. Seit dem haben uns über verschiedene Kanäle Fragen zur Verfügbarkeit erreicht, sogar aus Rutesheim. Auffällig dabei waren v.a. die unterschiedlichen Zeitangaben und Aussagen, die Kunden von der Hotline bzw. im Telekom-Shop erhalten haben. Diese reichen von Zeiträumen bis in den Juni hinein bis hin zu „es seien keine Ports am Multifunktionsgehäuse frei“.

Wir haben beim Support der Deutschen Telekom erneut angefragt und darum gebeten, in das Informationschaos etwas Licht zu bringen. Wir möchten Sie über das Ergebnis in diesem Artikel informieren, v.a. was sich im Vergleich zum letzten Artikel geändert hat.

Gebersheim, Silberberg sind an der Vermittlungsstelle in Rutesheim angeschlossen, weshalb diese Stadtteile zuerst ausgebaut wurden. Vor zwei Monaten hieß es noch, dass die Schaltung der Anschlüsse mit Mitte November beginnt und bis Dezember 2017 abgeschlossen sein soll. Mittlerweile hat man das Gebiet in zwei Bauabschnitte unterteilt. Bauabschnitt 1 ist am Netz, betrifft am Silberberg aber nur einen sehr kleinen Teil, wie auf der Karte zu sehen. Bauabschnitt 2 ist auf der Karte leider nicht eingezeichnet, müsste eigentlich dunkelblau hinterlegt sein. Der Rest vom Silberberg und von Gebersheim soll Mitte Februar ans Netz gehen.

Für Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel hat sich nichts geändert. Hier heißt es nach wie vor Mitte März 2018. Aufgrund der dreimonatigen Verzögerung am Silberberg und in Gebersheim sind wir hier allerdings skeptisch.

Warmbronn ist durch die NetCom BW mit VDSL erschlossen, sodass die Deutsche Telekom hier nicht aktiv wird.

Als Grund werden Verzögerungen im Tiefbau genannt, der aus unserer Sicht aber abgeschlossen ist (zumindest sehen wir keine offenen Baustellen mehr), und Lieferengpässe bei der aktiven Hardware für die Multifunktionsgehäuse. Wir kritisieren übrigens nicht die Verzögerungen, daran kann man nichts ändern. Das Informationschaos und die stark abweichenden Aussagen von Support-Mitarbeitern ist für den Endkunden aber mehr als unschön. Und Aussagen wie „es seien keine Ports frei“ sind mehr als beunruhigend.

Fazit: Die Silberberger und Gebersheimer müssen sich noch bis Februar gedulden. Für die restlichen Leonberger außer Warmbronn (und dem Nahbereich in Leonberg) heißt es weiterhin Mitte März, der Termin sollte aber mit Vorsicht genossen werden.

Frohe Weihnachten

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende. Auch wenn es lange keinen Blog-Eintrag und Newsletter gab, heißt das nicht, dass wir untätig waren. Mit diesem Blog-Eintrag möchten wir Sie über den aktuellen Stand informieren.

Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Leonberg-Ezach

Am 10.11. durften wir im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Leonberg-Ezach über das Thema Glasfaser und unser Ziel vortragen. Das Publikum zeigte großes Interesse, es wurden viele Fragen gestellt und die abschließende Diskussion zeigte deutlich, wie sehr das Thema der Bevölkerung unter den Nägeln brennt. Aufgrund vieler Parallelveranstaltungen waren leider nur drei Gemeinderäte, Birgit Widmaier (Grüne), Wolfgang Röckle (CDU) und Ottmar Pfitzenmaier (SPD), anwesend. Auch Mitglieder der Lokalen Agenda 21 waren gekommen. Wir erhielten im Anschluss viel positives Feedback, das sich auch in vielen Neueintragungen als Unterstützer wiederspiegelt. Wir planen, den Vortrag auch in anderen Bürgervereinen Leonbergs zu halten. Der Vortrag kann im Download-Bereich heruntergeladen werden.

Beschlüsse in Leonberg

Aus der Stadtverwaltung Leonberg und dem Gemeinderat können erste Erfolge und Schritte in die richtige Richtung vermeldet werden. Durch Gespräche und Aufklärung der Gemeinderäte und Stadtverwaltung haben wir einen aktiven Beitrag dazu geleistet. Hier eine kleine Chronologie:

07.11.: Fast alle Fraktionen beantragen in ihren Haushaltreden Geld für einen Masterplan. Das Thema schnelles Internet und Glasfaser findet sich in allen Haushaltsreden wieder.

11.12.: Im Rahmen der Fraktionssprechstunde haben wir uns im kleinen Sitzungssaal des Rathauses mit den Fraktionen getroffen. 16 Gemeinderäte von CDU, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen, Freie Wähler und FDP waren gekommen (Die Linke hat sich vorab aus Termingründen entschuldigt), um sich gemeinsam mit uns zum Thema Masterplan, Berater und „Stadtwerke-Modell“ auszutauschen. Das Gespräch war sehr offen und konstruktiv und wir sind mit einem positiven Gefühl aus dem Gespräch gegangen. Wir haben zudem unsere aktive Mithilfe angeboten.

13.12.: Der Verwaltungs- und Finanzausschuss beschließt einstimmig 100 000 Euro für die Masterplanung und 20 000 Euro für Beratungstätigkeiten im Haushalt 2018 vorzusehen (mit Sperrvermerk). Dabei ist auch unser Feedback vom 11.12. mit eingeflossen. Zusätzlich wurde einstimmig beschlossen, die Agendagruppe Glasfaser inhaltlich stärker mit einzubinden.

19.12.: Verabschiedung des Haushalts 2018. Im LKZ-Artikel dazu: „Ebenfalls aufgestockt wird auf Antrag der CDU der Etat für den Breitbandausbau. Die ursprünglich vorgesehenen 50 000 Euro hat der Finanzausschuss verdoppelt. Mit diesem Geld soll der Bedarf in der Gesamtstadt ermittelt werden. Weitere 20 000 Euro sind geplant, um ein konkretes Umsetzungsprogramm zu erstellen. Oberbürgermeister Martin Kaufmann möchte hierfür die private Arbeitsgemeinschaft für den Breitbandausbau inhaltlich mit einbinden.“

Wir bedanken uns bei den Gemeinderäten und der Stadtverwaltung für das entgegengebrachte Vertrauen und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Bei Martin Kaufmann bedanken wir uns für das schnelle Umsetzen eines seiner Wahlversprechen.

Umfrage Landkreis Böblingen

Parallel hat der Landkreis Böblingen in den letzten Monaten eine Umfrage unter den Unternehmen geführt, wobei nur gezielt eine Auswahl an Unternehmen angeschrieben wurden. In der Kreistagssitzung vom 18.12. wurde das Ergebnis der Umfrage präsentiert und kann online abgerufen werden. Fazit aus der Umfrage:

  • Befragt wurden kleine und mittelständische Unternehmen.
  • Nur 10% der befragten Unternehmen gehen mit modernem Glasfaser online, der Rest über alte Kupfertechnologien, mehr als die Hälfte über Telefonkabel (DSL).
  • Über die Hälfte erreicht mit unter 30 Mbit/s aktuell nicht einmal die Minimalanforderung der sog. NGA-Definition (Next Generation Access), dreiviertel der Befragten erreichen nicht die mind. 50 Mbit/s, die als Minimalziel der Bundesregierung für 2018 ausgerufen wurde.
  • Gut dreiviertel der Unternehmen sind mit der aktuellen Geschwindigkeit nicht zufrieden.
  • Über dreiviertel der Befragten wünschen sich in den nächsten 5 Jahren Bandbreiten (min. 100 Mbit/s symmetrisch), die realistisch, stabil und bezahlbar nur mit Glasfaser zu erreichen sind.
  • Die einmaligen Erschließungskosten und monatlichen Beiträge, die ein Großteil der Befragten bereit wären zu zahlen, ist in Relation zu den gewünschen Bandbreiten und für kleine und mittelständische Unternehmen im realistischen Bereich. Damit ist auch die Behauptung widerlegt, dass die Nutzer zu wenig bereit sind zu zahlen (mal abgesehen davon, dass im EU-Ausland mehr Bandbreite günstiger ist) und der Ausbau daher nicht vorankäme.

Die Umfrage zeigt, dass es gerade im Unternehmensbereich 5 nach 12 ist. Hier muss dringend gehandelt werden. Es reicht aber nicht aus, nur an die reinen Gewerbegebiete zu denken. Gerade die kleinen Betriebe, die oft von daheim arbeiten, sind quer über die Stadt verteilt, sodass man um eine flächendeckende Lösung – auch für die Privatkunden – nicht drum herum kommt.

Mit den Entscheidungen aus Leonberg können wir das Jahr 2017 positiv in Sachen Glasfaser abschließen und hoffnungsvoll ins Jahr 2018 blicken. Es wird noch ein steiniger, aber gangbarer Weg. Die Mitglieder der Bürgerinitiative wünschen Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2018. Wir bedanken uns bei allen Unterstützern für das zahlreiche, positive Feedback, dass uns stets motiviert nicht aufzugeben.

Vectoring-Ausbau der Telekom: Status

Die meisten von Ihnen werden die vielen kleinen und mittleren Baustellen im gesamten Stadtgebiet von Leonberg bemerkt haben. In diesem Artikel möchten wir Sie über den Stand der Bauarbeiten und die Zeitpläne informieren.

Die Firma Leonhard Weiss verlegt im Auftrag der Deutschen Telekom AG die Glasfaser-Infrastruktur von der Vermittlungsstelle am Postgelände bis zu den Kabelverweigern (Ausnahme Silberberg, hier befindet sich die Vermittlungsstelle in Rutesheim). Die Kabelverzweiger (KVz) werden anschließend von Telekom-Mitarbeitern zu sogenannten Multifunktionsgehäusen (MFG) umgebaut. In diesen MFGs befindet sich die aktive Technik, die die Umsetzung von Glasfaser (optisches Signal) auf Kupferkabel (elektrisches Signal) vornimmt. Zwischen dem MFG und Ihrem Hausanschluss (TAE-Dose) bleibt das bisherige Telefonkabel bestehen. Auf dieser Strecke findet die Vectoring-Technik ihren Einsatz. Wie so ein Umbau aussieht, ist auf folgender Seite anschaulich beschrieben: http://internet-lippinghausen.de/.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Telekom ihre erste Informationsveranstaltung in Gebersheim. Wir waren vor Ort, natürlich stilecht mit unseren T-Shirts, die auch gleich ihre Wirkung zeigten: Zwei Bürger hatten uns angesprochen. Wir bedanken uns für das positive Feedback und den Rückenwind. Im Anschluss der Veranstaltung kamen wir mit dem Regionalmanager der Telekom, Herrn Josip Nadj, ins Gespräch. Herr Nadj kannte uns bereits, da wir zu ihm vorab telefonischen Kontakt hatten, um die wichtigsten Fragen zu stellen. Wir bedanken uns bei Herrn Nadj für die fachlichen Informationen und das offene und angenehme Gespräch.

In der Verfügbarkeitskarte der Telekom ist der Vectoring-Ausbau bereits eingepflegt. Gibt man als Ort „71229“ ein, erscheint zunächst ein Info-Text. Dieser Info-Text ist allerdings nicht mehr aktuell.

Gebersheim, Silberberg: Hier wird das Vectoring ab dem 13.11.2017 buchbar sein, allerdings nicht überall gleichzeitig, da das Netz über einen Zeitraum von ungefähr 6-8 Wochen sukzessive aktiv geschaltet wird.

Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel: Hier soll die Technik ab März 2018 ans Netz gehen, dann ebenfalls sukzessive im Verlauf von voraussichtlich 6-8 Wochen.

Warmbronn: Da hier die NetCom BW aktiv ist, findet kein Vectoring-Ausbau seitens der Telekom statt.

Bevor wir uns die Verfügbarkeitskarte im Details ansehen, hier die wichtigste Info für Sie als Endkunde:

  • Sie können die neuen Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s und bis zu 100 Mbit/s im Download bei Ihrem bisherigen Anbieter buchen, müssen Ihren Anbieter also nicht wechseln. Nach Informationen von Vodafone, 1&1 Versatel und O2 stehen die Tarife zeitgleich mit der Telekom zur Verfügung, bei der Sie die Tarife ebenfalls buchen können. Falls sich die Tarife online noch nicht buchen lassen, rufen Sie am besten bei Ihrem Anbieter an oder gehen Sie in einen Shop. Meist dauert es etwas, bis die Daten im Online-System eingepflegt sind.
  • Die neuen Geschwindigkeiten stehen Ihnen nicht automatisch zur Verfügung. Das gilt auch für 16 Mbit/s, die bei Ihnen nach dem Ausbau auf jeden Fall ankommen sollten. Sie bleiben zunächst auf der alten Technik geschaltet und müssen das Umklemmen auf die Glasfaser im Multifunktionsgehäuse bei Ihrem Anbieter aktiv beauftragen, am besten wieder telefonisch oder im Shop.
  • Wollen Sie bei 16 Mbit/s bleiben, ist ein Tausch des Routers nicht notwendig. Wollen Sie 50 oder 100 Mbit/s buchen, kommt es auf das Alter Ihres Routers an. Wir werden eine Liste mit geeigneten Router erstellen und aktuell halten. Eine erste Übersicht finden Sie bei DSL-Web. Sollten Sie sich unsicher sein, schreiben Sie uns eine E-Mail oder kommen Sie zur kostenlosen Beratung der Agenda-Gruppe.

Filtert man die Karte auf VDSL-Ausbau geplant bis zu 100 Mbit/s, wird die Netzabdeckung mit Vectoring blau hinterlegt:
a

Laut Daten der Telekom werden nach dem Ausbau in 98% der Haushalte mind. 50 Mbit/s im Download zur Verfügung stehen – das Ziel der Bundesregierung bis 2018 flächendeckend jedem Haushalt mind. 50 Mbit/s zur Verfügung zu stellen ist damit für Leonberg verfehlt. Ca. 150 Anschlüsse werden weiter unterversorgt sein und als weiße Flecken gelten (weniger als 30 Mbit/s). Mindestens 80 Mbit/s sollen bei nur noch 88% der Haushalte ankommen (Quelle: Zwischenbericht des Breitbandberaters, V-Ausschussitzung vom 21.09.2017). Es sei an dieser Stelle aber noch einmal deutlich darauf hingewiesen, dass diese Angaben auf Werten der Telekom beruhen. Welche Geschwindigkeit bei Ihnen tatsächlich ankommt, hängt von vielen Faktoren ab und nicht nur von der reinen Entfernung zum Multifunktionsgehäuse ab. Im Internet sind genug Fälle zu finden, die nicht einmal stabil 50 Mbit/s bekommen können, obwohl sie so nah am MFG sind, dass 100 Mbit/s möglich sein sollten. Hier spielt v.a. die Qualität des Kupferkabels (z.B. Anzahl an Flickstellen) eine entscheidende Rolle.

Schaut man sich obige Karte genauer an, sieht man sowohl im Zentrum von Leonberg als auch im Gewerbegebiet Hertich eine große Lücke klaffen, hier noch einmal vergrößert:
Screenshot der Telekom-Webseite: VDSL-Ausbau geplant bis zu 100 Mbit/s
Nahbereich Leonberg: Dabei handelt es sich um den sogenannten Nahbereich, d.h. um die Gebäude, die direkt an die Vermittlungsstelle der Telekom bei der Post angeschlossen sind, für die es also kein extra Multifunktionsgehäuse gibt. Für diese Gebäude könnte die Telekom technisch ohne weiteren Ausbau Vectoring anbieten. Wo liegt das Problem? Die Wettbewerber der Telekom haben dagegen geklagt. Das Verwaltungsgericht Köln hat im März 2017 die Klage abgewiesen. Ein Teil der Kläger ist daraufhin in Revision gegangen, die Entscheidung steht noch aus. Wann Vectoring im Nahbereich also verfügbar sein wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Schätzungen gehen von 1-3 Jahren aus!

Gewerbegebiet Hertich: Vectoring ist hier über die Telekom nicht geplant. Jedoch ist im Hertich teilweise Glasfaser durch die Sparkassen-IT, 1&1 Versatel und Globalways verfügbar. Wir haben der Stadt bereits eine Idee für flächendeckendes Glasfaser im Hertich zukommen lassen.

Sie sehen, der Vectoring-Ausbau ist mit einigen Fallstricken verbunden. Wir hoffen natürlich, dass sich für möglichst viele Haushalte mit diesem Ausbau die Situation deutlich verbessert. Man darf aber nicht verschweigen, dass für einen gewichtigen Teil mit diesem Ausbau das Ende der Fahnenstange erreicht ist und durch Super-Vectoring voraussichtlich keine weitere Verbesserung zu erzielen ist. Daher lohnt es sich weiter für echtes Glasfaser bis in die Gebäude zu kämpfen und uns zu unterstützen. Damit wären alle in diesem Artikel erwähnten Probleme auf einen Schlag gelöst.

Treffen mit Klaus Brenner

Am 18.09. haben wir uns mit Herrn Klaus Brenner, Bürgermeister der Stadt Leonberg und OB-Kandidat für die Wahl am 24.09., getroffen, um mit ihm über das Thema Glasfaser und Breitbandversorgung in Leonberg zu sprechen. Unser Anliegen war es herauszufinden, welche Positionen Herr Brenner zu dem Thema vertritt und welche Lösungen er unterstützen würde. Das Treffen fand im Allegre in der Römergalarie statt.

 

 

 

Wie bewerten Sie den Vectoring-Ausbau der Telekom?
Als kurzfristige Lösung ist es der richtige Weg. Es darf am Ende aber nur eine Brückentechnologie sein.

Wie sehen Sie die Breitbandversorgung in Leonberg?
Ich kenne die Probleme in der Stadt, habe früher selbst im Ramtel gewohnt, wo die Versorgung sehr schlecht ist, wie in anderen Stadtteilen auch. Leonberg ist hier derzeit schlecht aufgestellt. Dies stellt nicht nur für die Bürger, sondern vor allem auch für die Unternehmen ein Problem dar.

Für wie wichtig, notwendig und dringlich halten Sie den Glasfaserausbau?
Die Fertigstellung des Vectoring-Ausbaus der Telekom darf nicht erst abgewartet werden, es muss sofort losgelegt werden. Zunächst braucht man eine Bestandsaufnahme der bestehenden Infrastruktur: Wo liegt bereits welche Infrastruktur (z.B. Leerrohre), wo sind Lücken, wie können diese Informationen sinnvoll genutzt und kombiniert werden. Dieser Plan muss dann analysiert und zu einer flächendeckenden Planung ausgearbeitet werden – der sog. Masterplan. Das muss möglichst bald passieren. Dafür gibt es auch Fördermittel. Optimistisch betrachtet können wir das Ziel einer flächendeckenden Glasfaserversorgung in 8 Jahren erreichen.

Ist eine flächendeckende Glasfaserversorgung Aufgabe der öffentlichen Hand oder sollte sie der Privatwirtschaft überlassen werden?
Das muss im Zuge des Masterplans analysiert werden, auch von Fachleuten, die man sich dazu holt. Denkbar sind beide Wege. Man muss über alle Wege offen sprechen um das beste für Leonberg herauszuholen. Im Rathaus muss das Thema auch interdisziplinär angesiedelt werden: Wirtschaftsförderung, Tiefbauamt und Kämmerei müssen hier zusammen arbeiten. Wichtig ist auch, den Gemeinderat mitzunehmen.

Die Stadtwerke Ludwigsburg bauen flächendeckend Glasfaser aus – auch ein Modell für Leonberg?
Mit der LEO-Energie haben wir einen Partner, mit dem wir vergleichbares umsetzen können. Wichtig ist auch, auf Erfahrungen, die andere Städte gemacht haben, aufzubauen und sich mit den anderen Kommunen, z.B. Ludwigsburg oder auch Sindelfingen, auszutauschen. Bei so einer hohen Investition bleibt aber auch immer ein Restrisiko.

Der Ruf nach Glasfaser wird oft schnell mit dem Argument abgetan, dass man beihilferechtlich nichts machen könne. Stimmt das?
Grundsätzlich wird das Argument seine Richtigkeit haben. Das heißt aber nicht, dass man keine Wege finden muss, Wege zu finden. Man muss sich juristischen Rat holen und prüfen, was machbar ist und was nicht. Aufgrund von Bedenken nichts zu machen, ist falsch.

Würden Sie die Markterkundung durch einen Privatanbieter, beispielsweise die Deutsche Glasfaser, zu der wir in Kontakt stehen, unterstützen?
Da wär ich sofort dabei. Man muss alle Wege und Möglichkeiten ausloten und prüfen. Dabei muss jede Kontaktmöglichkeit genutzt werden.

 
Herr Brenner hat betont, dass der Austausch – auch mit Fachleuten – wichtig ist. Er möchte, egal ob als Bürgermeister oder Oberbürgermeister, auf unser Know-How, unsere Erfahrung und unsere Kontakte zurückgreifen und das Projekt Glasfaser mit uns aktiv gestalten. Wir bedanken uns für das angenehme und sehr konstruktive Gespräch und dafür, dass der Termin so kurzfristig und unkompliziert zustande kam.

Treffen mit Inge Horn

Am 10.08. haben wir uns mit Frau Inge Horn, geschäftsführende Gesellschafterin einer Projektgesellschaft und OB-Kandidatin für die Wahl am 24.09., getroffen, um mit ihr über das Thema Glasfaser und Breitbandversorgung in Leonberg zu sprechen. Unser Anliegen war es herauszufinden, welche Positionen Frau Horn zum Thema vertritt und welche Lösungen sie unterstützen würde. Das Treffen fand im Allegre in der Römergalarie statt.

 

 

Wie bewerten Sie den Vectoring-Ausbau der Telekom?
Der Vectoring-Ausbau ist zunächst besser als nichts und schafft für viele Betroffene kurzfristig Abhilfe. Aber Vectoring ist auch eine „Krücke“ und keine nachhaltige Lösung. Es ist definitiv nicht das, was wir in der heutigen Zeit wollen. Es ist daher schon mutig, den Vectoring-Ausbau als Innovation und Fortschritt hervorzuheben.

Wie sehen Sie die Breitbandversorgung in Leonberg?
Leonberg hat einiges aufzuholen. Glasfaser ist heute unabdingbar. Wir brauchen einen Masterplan, damit wir das Thema sukzessive entwickeln können. Bei der Ersterschließung von Gebieten muss gleich Glasfaser gelegt werden. Bei allen Baumaßnahmen, beispielsweise der Verlegung von Gas- oder Wasserleitungen, muss möglichst eine Miterschließung mit Glasfaser erfolgen. Ich werde alles daran setzen, dass in Leonberg sofort mit dem Ausbau des Breitbandnetzes begonnen wird und hoffe, dass wir sehr schnell vorankommen und schon nach 5 Jahren Erfolg melden können.

Für wie wichtig, notwendig und dringlich halten Sie den Glasfaserausbau?
Schnelles Internet, also Glasfaser bis in die Gebäude, ist ein wesentlicher Bestandteil des Themas „wirtschaftsstarkes Leonberg“. Ich habe im Rahmen der Stadtentwicklung in Neu-Ulm als Projektleiterin Konversion bereits 1997 die Verlegung von Glasfaser bis in die Gebäude umgesetzt. Was damals noch als Innovation galt, ist heute zwingende Voraussetzung für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort. Wir brauchen wirtschaftsstarke Unternehmen. Dazu brauchen wir entsprechende Rahmenbedingungen – und dazu zählt u. a. Glasfaser. Es ist aber auch ein ökologisches Thema, weil wir durch die Möglichkeiten des Homeoffices und zunehmende Digitalisierung Straßenverkehr vermeiden.

Ist eine flächendeckende Glasfaserversorgung Aufgabe der öffentlichen Hand oder sollte sie der Privatwirtschaft überlassen werden?
Hier gibt es keine Denkverbote. Ich würde mir wünschen, das Thema unter die Fittiche der Stadtwerke zu legen. Eine Umsetzung mit einem privaten Investor wäre auch vorstellbar. Aber ich glaube mit den Stadtwerken haben wir die Infrastruktur besser unter Kontrolle.

Die Stadtwerke Ludwigsburg bauen flächendeckend Glasfaser aus – auch ein Modell für Leonberg?
Man muss den Schritt machen: Wir haben die Stadtwerke und die LEO Energie, die heute sicher nicht das leisten, was sie könnten. Andere Städte bzw. Stadtwerke nutzen gezielt Modernisierungsmaßnahmen im Anschlussbereich, um Glasfaseranschlüsse zu legen. Aber auch bei der Ersterschließung von Gebieten müssten die Stadtwerke ihr Potential nutzen und Glasfaseranschlüsse im Erschließungspaket mit anbieten. Ein positives Beispiel hierfür ist die Stadt Aalen.

Der Ruf nach Glasfaser wird oft schnell mit dem Argument abgetan, dass man beihilferechtlich nichts machen könne. Stimmt das?
Die vielen positiven Beispiele aus Baden-Württemberg zeigen, dass es beihilferechtlich möglich ist, das Glasfasernetz durch die Stadtwerke umzusetzen. Man muss das genau prüfen. Nichts zu machen, weil man Angst vor einem solchen Projekt hat, ist kein Weg.

Würden Sie die Markterkundung durch einen Privatanbieter, beispielsweise die Deutsche Glasfaser, zu der wir in Kontakt stehen, unterstützen?
Ja. Sie können von mir erwarten, dass ich offen bin. Solche Gespräche sind wichtig, um alle Möglichkeiten auszuloten.

 

Zum Abschluss des Gesprächs hat Frau Horn hervorgehoben, dass Sie das Engagement der Bürgerinitiative „Glasfaser für Leonberg“ sehr schätzt. Frau Horn setzt auf das Thema Dialog und möchte gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und den ehrenamtlich Engagierten die Stadt weiterentwickeln. Dabei möchte Sie Wissen und Kompetenzen – auch aus der Bürgerschaft – bündeln. Wir haben betont, dass wir gerne bereit sind mit unserem Wissen zu helfen. Wir bedanken uns für die Zeit und das Vertrauen in unsere Bürgerinitiative.

Treffen mit Martin Kaufmann

Am 24.07. haben wir uns mit dem Bürgermeister der Gemeinde Rudersberg und OB-Kandidaten für die Wahl am 24.09., Herrn Martin Kaufmann getroffen, um über das Thema Glasfaser und Breitbandversorgung in Leonberg zu sprechen. Unser Anliegen war es herauszufinden, wie Herr Kaufmann zum Thema steht und welche Lösungen er unterstützen würde. Das Treffen fand im Domizil am Marktplatz statt.

 

 

Wie bewerten Sie den Vectoring-Ausbau der Telekom?
Der Vectoring-Ausbau, so wie er aktuell auch in Rudersberg stattfindet, ist erst einmal positiv zu bewerten, da er eine Verbesserung der Versorgung bringt. Vectoring kann aber nur eine Übergangslösung für die nächsten 5-10 Jahre sein.

Wie sehen Sie die Breitbandversorgung in Leonberg?
Breitband ist der falsche Begriff, der Begriff ist veraltet. Wir sprechen heute vom Glasfaserausbau. Glasfaser ist kein Standortvorteil, sondern eine notwendige Versorgungssituation. Stand heute müssten wir eigentlich Glasfaser haben.

Ist eine flächendeckende Glasfaserversorgung Aufgabe der öffentlichen Hand oder sollte sie der Privatwirtschaft überlassen werden?
Beide Wege sind denkbar. Alles, was am Ende zum Ziel führt, muss unterstützt werden.

Auch in Ludwigsburg bauen die Stadtwerke nun ein Glasfasernetz. Ein Modell für Leonberg?
Wir müssen zuerst eine Markterkundung zum FTTH-Ausbau vornehmen. Es werden alle Anbieter abwinken, dann kann Leonberg die Ausarbeitung eines Masterplans in Auftrag geben. Es müssen Cluster gebildet werden, die mit wirtschaftlichen, zeitlichen und finanziellen Faktoren hinterlegt werden. Die Cluster müssen dann sukzessive abgearbeitet werden, Gewerbegebieten müssen sicher zunächst bevorzugt behandelt werden, da hier der Leidensdruck am größten ist. Die Umsetzung muss durch einen Generalunternehmer erfolgen, das ist aus Gewährleistungsgründen wichtig. Entweder muss eine eigene Gesellschaft gegründet werden, oder man kann das Projekt auch in der LEO Energie GmbH & Co. KG andocken.

Derzeit sind zwar keine Fördergelder verfügbar, es ist aber davon auszugehen, dass dies in den nächsten drei bis vier Jahren der Fall sein wird. Es kann aber nicht sein, dass wir erst warten bis Fördergelder bekommen, und dann erst mit der Planung beginnen. Nach dem Motto „lass es so laufen“ darf es auf gar keinen Fall passieren.

Eventuell muss eine Anschlussgebühr bezahlt werden, so wie es bei Wasser, Gas und Strom üblich ist. Diese Gelder erleichtern eine wirtschaftliche Umsetzung. Außerdem kann mit den Stadtwerken ein steuerlicher Querverbund gebildet werden, der insgesamt wirtschaftliche Vorteile bringt. Wenn wir allerdings bei dieser Frage angelangt sind, haben wir unser Ziel erreicht. Daran scheitern soll es nicht.

Der Ruf nach Glasfaser wird oft schnell mit dem Argument abgetan, dass man beihilferechtlich nichts machen könne. Stimmt das?
Das Beihilferecht ist bei dem oben beschriebenen Weg kein Thema.

Würden Sie die Markterkundung durch einen Privatanbieter, beispielsweise die Deutsche Glasfaser, zu der wir in Kontakt stehen, unterstützen?
Ja, alles was uns voranbringt, muss unterstützt werden. Wenn ein Anbieter den Ausbau ohne Kosten für Stadt und die Haushalte umsetzt, wäre das noch besser. Es könnten sich auch Kooperationsmöglichkeiten mit den Stadtwerken ergeben, dass z.B. die Stadtwerke die Wirtschaftlichkeitslücke füllt.

 

Zum Abschluss des Gesprächs hat Herr Kaufmann betont, dass bürgerliches, ehrenamtliches Engagement für die Funktion einer Stadt wichtig ist und damit auch unsere Bürgerinitiative. Er möchte das Thema mit uns gemeinsam gestalten und zum Ziel bringen, allein weil in unserer Bürgerinitiative die Experten sitzen. Wir bedanken uns für die Zeit und den Vertrauensvorschuss.

Treffen mit Dr. Ulrich Vonderheid

Am 20.07. haben wir uns mit dem Ersten Bürgermeister der Stadt Leonberg und dem OB-Kandidaten für die Wahl am 24.09., Herrn Dr. Ulrich Vonderheid getroffen, um über das Thema Glasfaser und Breitbandversorgung in Leonberg zu sprechen. Unser Anliegen war es herauszufinden, wie Herr Vonderheid zum Thema steht und welche Lösungen er unterstützen würde. Als Gast hat er den Geschäftsführer der Stadtwerke Sindelfingen, Herrn Dr. Karl-Peter Hoffmann, mitgebracht, den Herr Vonderheid als „Breitbandguru“ bezeichnet hat und in ihm ein Vorbild sieht. Das Treffen fand im Domizil am Marktplatz statt.

 

Wie bewerten Sie den Vectoring-Ausbau der Telekom?
Vectoring ist allenfalls ein Placebo, der vielleicht die nächsten Jahre funktioniert. Es stellt sich aber die Frage, was danach ist. Kupfer hat hier keine Zukunft. Wie sehen Sie die Breitbandversorung in Leonberg? Leonberg liegt hier massiv im Rückstand und befindet sich, so auch Herr Hoffmann, in einer „steinzeitlichen Phase“. Auch gibt es in Sachen Breitband zwischen den Kommunen einen Wettbewerb. Für viele Unternehmen ist eine Glasfaseranbindung schon heute „Standortentscheidung im ersten Schritt“. Dieser Trend wird weiter zunehmen, auch im Privatbereich. Es wird zunehmend schwieriger werden, Immobilien ohne Glasfaseranschluss zu verkaufen bzw. im Wert zu erhalten.

Ist eine flächendeckende Glasfaserversorgung Aufgabe der öffentlichen Hand oder sollte sie der Privatwirtschaft überlassen werden?
Mit einem Glasfasernetz lässt sich Geld verdienen. Das zeigt eindrucksvoll das Beispiel Sindelfingen. Herr Hoffmann führt aus, dass die Stadtwerke seit 2008 Glasfaser bis ins Gebäude (FTTH) verlegen und nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile schwarze Zahlen schreiben. Daher sollte man allein aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten das Glasfasernetz selbst aufbauen. Den Ver- und Betrieb müssen aber andere übernehmen.

Auch in Ludwigsburg bauen die Stadtwerke nun ein Glasfasernetz. Ein Modell für Leonberg?
Unbedingt. Aus dieser Motivation heraus war Herr Hoffmann als Experte mitgebracht worden. Die Stadtwerke Leonberg, genauer gesagt die LEO Energie GmbH & Co. KG, die zu 51% den Stadtwerken und zu 49% der EnBW gehört, wäre prädestiniert dafür eine passive Glasfaserinfrastruktur (sog. Dark-Fiber-Netz) aufzubauen. Gerade im Bereich Erneuerbare Energien und SmartMeter sind Stromnetz und Datennetz untrennbar miteinander verknüpft. Betreiben muss dieses Netz dann ein geeigneter Anbieter. Hier gibt es beispielsweise mit der NetCom BW, eine Tochtergesellschaft der EnBW, bereits einen Partner. Letztlich muss das Netz aber als sog. OpenAcess-Netz betrieben werden, d.h. jeder Anbieter – auch die Telekom – darf sich in das Netz einmieten und seine Internetdienste anbieten. Übrigens: Bereits 2014 wurde genau das von Herrn Vonderheid vorgeschlagen. Man hatte sogar schon konkrete Pläne ausgearbeitet, die NetCom BW hatte ihr OK gegeben und selbst über die Finanzierung war man sich einig. Leider hat die derzeitige Rathausspitze die Pläne letztendlich als nicht notwendig abgelehnt. Aus Sicht der Bürgerinitiative eine eklatante Fehlentscheidung und Fehleinschätzung. Mit einem neuen Oberbürgermeister könnte man die Ampel wieder auf grün stellen. Leider hat man hier viel Zeit verloren.

Der Ruf nach Glasfaser wird oft schnell mit dem Argument abgetan, dass man beihilferechtlich nichts machen könne. Stimmt das?
Als pauschale Aussage ist diese falsch. Die Beihilfe-Thematik ist bekannt, löst das Problem aber nicht. Es ist sicher ein komplexes Thema und man bewegt sich teilweise in Grauzonen. Es gibt aber genug Modelle, bei der die Stadt bzw. die Stadtwerke, die als Rechtsperson sowieso nicht trennbar sind, Geld für ein Glasfasernetz in die Hand nehmen dürfen. Herr Hoffmann kann diesem zustimmen. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise eine Kapitalerhöhung der LEO Energie GmbH & Co. KG. Diese ist beihilferechtlich unbedenklich. Die Stadt könnte den Privathaushalten und Unternehmen aber auch einen Zuschuss für mögliche Anschlusskosten zahlen, dieser Weg ist als das Marburger Modell bekannt. Darüber hinaus sind noch andere Maßnahmen denkbar. Wenn man es geschickt macht, ist das Beihilferecht kein Hinderungsgrund, so die Grundaussage.

Würden Sie die Markterkundung durch einen Privatanbieter, beispielsweise die Deutsche Glasfaser, zu der wir in Kontakt stehen, unterstützen?
Der Glasfaserausbau über die Stadtwerke ist klar zu bevorzugen, allein weil man sich die Einnahmen nicht entgehen lassen sollte und so das Netz in kommunaler Hand ist. Als Plan B ist es aber eine Option und zu Gesprächen ist man immer bereit. Vielleicht ergeben sich ja auch Kooperationsmöglichkeiten.

 

Abschließend hat Herr Vonderheid seine volle Unterstützung der Bürgerinitiative und seinen Dank zum Ausdruck gebracht und uns zum Weitermachen und nicht Lockerlassen ermutigt. Für das entgegengebrachte Vertrauen und die Zeit möchten wir uns noch einmal herzlich bedanken.

Stellungnahme: LKZ-Artikel vom 7.7.

In der Leonberger Kreiszeitung ist am 07.07.2017 ein Artikel über den Vectoring-Ausbau der Telekom erschienen: Vom Schotterweg zur Autobahn. Wir möchten als Bürgerinitiative zu einigen getroffenen Aussagen in dem Artikel folgende Stellungnahme abgeben.

Im Artikel wird die Frage gestellt, wie es mit dem Glasfaserkabel bis zum Kunden aussieht, wie es von Teilen des Gemeinderats gefordert wird. Verschwiegen wird, dass nicht nur Teile des Gemeinderats Fiber To The Building/Home (FTTB/H) – also Glasfaser bis ins Gebäude – fordern, sondern auch wir als Bürgerinitiative und all unsere Unterstützer.

Weiterhin wird Herr Schuler mit den Worten zitiert „Das [= Glasfaser bis ins Gebäude, Anmerkung von uns] benötigen nur wirklich wenige, so wie nicht jeder ein Auto mit 500 PS braucht“. Automobil-Vergleiche sind im IT-Umfeld sehr beliebt, man sollte sie aber zu Ende denken: Jede/r kann beim Kauf selbst entscheiden, ob ein Auto 100 oder 500 PS haben soll. Beim Internet soll unser Bedarf aber nun fremdbestimmt werden? Das ist nicht nachvollziehbar. Außerdem werden 100 PS in 5, 10 und 100 Jahren genauso ausreichend sein wie heute. Es bestreitet aber heute niemand mehr ernsthaft, dass der Bedarf an Bandbreite steigen wird.
Auch der Aussage, dass es wenige brauchen, muss widersprochen werden. Rund 1500 Bürgerinnen und Bürger, die uns unterstützen, können nicht als ‚wenige‘ bezeichnet werden. Dass Unternehmen, Selbständige, Freiberufler und Arbeitnehmer im Home-Office mehr Bandbreite benötigen als Kupfer leisten kann, ist ebenfalls unumstritten.

Weiter wird ausgeführt, dass ab 2018 über Super-Vectoring 200 MBit/s möglich seien. Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Denn flächendeckend werden 200 MBit/s nicht erreicht werden. Alle Haushalte, die mehr als ca. 300 m vom Verteilerkasten entfernt sind, werden nicht in diesen „Genuss“ kommen. Übrigens: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie empfiehlt bereits heute 250 MBit/s im Download für Home-Office und Cloud-Computing. Mit Vectoring und Super-Vectoring bekommen wir nicht nur eine nicht-flächendeckende Lösung, wir laufen der Entwicklung des Internets weiter mit großem Abstand hinterher.

Völlig unerwähnt bleibt zudem die Tatsache, dass sich der Upload durch Super-Vectoring im Vergleich zum Vectoring faktisch nicht verbessert (von 40 auf 50 Mbit/s). Für Unternehmen, Home-Office und Cloud-Computing sind symmetrische Bandbreiten bereits heute notwendige Voraussetzung. Nur durch Glasfaser bis ins Gebäude lassen sich zeitgemäße Uploadraten umsetzen: Glasfasernetze bieten die Möglichkeit von gleich hohen Up- und Downloadraten.

Weiterhin werden die hohen Kosten eines Glasfaserausbaus bis ins Gebäude genannt und es positiv hervorgehoben, dass durch den Telekom-Ausbau der Stadt keine Kosten entstehen. Aber: Nicht nur der Ausbau der Telekom, auch ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaser, lässt sich grundsätzlich ohne Kosten für die Stadt und die Bürger umsetzen. Noch besser: Die Stadt könnte im Idealfall mit einer Investition direkte Einnahmen generieren, zumindest aber kostendeckend operieren und indirekte Einnahmen generieren. Dazu muss die Stadt sich aber dem Thema Glasfaser öffnen. Ein Schönreden von VDSL, Vectoring und Super-Vectoring hilft Leonberg nicht weiter.

Wir verfolgen das Thema seit geraumer Zeit. Beobachtet man die Medienlandschaft und die wirtschaftlichen und politischen Debatten, stellt man fest, dass sich das Bild und die Meinung gewandelt haben: Die Kritik am Vectoring wird lauter, der Ruf nach flächendeckendem Glasfaser ebenso. Erst gestern hat der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Landkreis Böblingen beschlossen, „eine flächendeckende Versorgung aller Unternehmen und Privathaushalte mit Glasfaser (FTTB- bzw. FTTH-Versorgung)“ anzustreben (TOP 3).  Dieser Entwicklung kann sich die Stadt Leonberg nicht dauerhaft entziehen. Wir erwarten, dass die Stadt Leonberg diesem Beschluss folgt und ihn uneingeschränkt unterstützt.

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