Kooperation der Region Stuttgart mit der Telekom – Ein erster Kommentar

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben heute das Landesinnenministerium, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und die Deutsche Telekom einen partnerschaftlichen Netzausbau vorgestellt. Folgende Punkte wurden in einer Absichtserklärung vereinbart:

  • Flächendeckende Glasfaserversorgung bis ins Gebäude (FTTH)
  • Ausbau des 4G-LTE-Mobilfunknetzes
  • Vorreiterrolle beim 5G-Mobilfunknetz

Davon betroffen ist die gesamte Region Stuttgart: Die Landeshauptstadt selbst und die fünf umliegenden Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr-Kreis – und damit auch Leonberg. Es ist das erste Kooperationsprojekt der Deutschen Telekom dieser Größenordnung in ganz Deutschland. Das Investitionsvolumen beträgt ca. 1,1 Milliarden Euro. Auch andere Netzbetreiber wurden angefragt, haben aber entweder ein schlechteres oder gar kein Angebot abgegeben. Ohne die genauen Verträge zu kennen, ist es schwer das Projekt umfassend zu bewerten. Wir möchten hier eine Zusammenfassung des Projekts, unseren ersten Eindruck und die nun nötigen Maßnahmen darstellen.

Grob zusammengefasst besteht die Kooperation darin, dass die Ausbaugebiete in zwei Bereiche unterteilt werden: Cluster, die privatwirtschaftlich (von der Deutschen Telekom) und Cluster, die mit Unterstützung der Kommunen ausgebaut werden. Die Deutsche Telekom hat sich verpflichtet, ihre Gebiete eigenwirtschaftlich (d.h. ohne Kosten für die Kommunen) mit FTTH zu versorgen. In den übrigen Gebieten sollen die Kommunen z.B. durch Leerrohrnetze die Wirtschaftlichkeitslücke schließen. Die Deutsche Telekom mietet diese und andere Infrastruktur zur Verlegung ihres FTTH-Netzes an. Das Netz soll insgesamt als Open-Access-Netz geführt werden, sodass sich auch andere Anbieter in das Netz einmieten und ihre Dienste anbieten können.

Um festzustellen, ob ein Gebiet wirtschaftlich ist, bedarf es eines sogenannten Masterplans. Der Masterplan beinhaltet eine genaue Aufstellung, wo Glasfaserkabel benötigt werden, wie sie verlaufen, wie viele Fasern notwendig sind, wie viele und wo Gebäudeanschlüsse notwendig sind und die Standorte der Knotenpunkte, der sogenannte Point-of-Presence, kurz PoP. Anhand dieses Plans können die Kosten für eine FTTH-Verkabelung recht genau kalkuliert werden. Die Deutsche Telekom wird diesen Plan wiederum mit ihrem Wirtschaftlichkeitsmodell verschmelzen und entscheiden, welche Gebiete eigenwirtschaftlich zu erschließen sind bzw. nicht.

Kurz gesagt: Ohne kommunalen Masterplan wird kein Ausbau stattfinden, er ist Grundvoraussetzung für den Ausbau der Deutschen Telekom. Auch Leonberg benötigt also unbedingt einen Masterplan.

Umso erfreulicher ist es, dass jüngst der Gemeinderat am 19. Juni den Sperrvermerk für den Masterplan Breitbandausbau einstimmig aufgehoben hat (Ö16 und Ö16.1). Die LEO Energie soll mit der Vergabe der Masterplanung beauftragt werden. In Vorbereitung dazu haben die beiden Geschäftsführer der LEO Energie zusammen mit uns als Agendagruppe bereits zwei potentielle Dienstleister für die Masterplanung eingeladen, kennen gelernt und Angebote eingeholt, ein dritter Dienstleister soll folgen. Wir arbeiten aktuell daraufhin, dass die Beauftragung noch vor den Sommerferien über die Bühne geht und der Masterplan noch dieses Jahr abgeschlossen werden kann. Nur so kann Leonberg bei dem Kooperationsprojekt ganz vorne mitspielen.

Denn (mindestens) einen Wermutstropfen gibt es leider doch: Als zeitliches Ziel hat man sich gesetzt, bis 2022 90% der Unternehmensstandorte (gut!), aber erst bis 2025 nur 50% und bis 2030 nur 90% der Haushalte ans Glasfasernetz anzuschließen. Dieses Ziel steht damit im klaren Widerspruch zum Ziel der Bundesregierung, Deutschland bis 2025 gigabitfähig zu machen, sogar ein Rechtsanspruch ist im Gespräch. Allerdings ist das Ziel der Bundesregierung bisher nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Hier erwarten wir dringlichst konkrete Maßnahmen, vor allem hinsichtlich Förderung und Lockerungen bei Ausbautechniken, um Engpässen im Tiefbau entgegenzuwirken. Diesbezüglich haben wir Bundes- und Landtagsabgeordnete aus der Region zu einem Arbeitstreffen Glasfaser eingeladen, welches am 20. Juli stattfinden wird.

 

Insgesamt begrüßen wir die Kooperation, eine genaue Bewertung ist aufgrund fehlender Informationen noch schwierig. Uns stellen sich folgende Fragen:

  • Nach welchen Kriterien wird die Wirtschaftlichkeit bewertet und wer legt diese fest?
  • Wer legt die Mietpreise für kommunale Infrastruktur fest, wer für den Open-Access der anderen Netzbetreiber?
  • Wie werden die 179 Städte und Kommunen und die Gebiete beim Ausbau priorisiert?
  • Wie will man den Widerspruch im zeitlichen Ziel im Zusammenhang mit einem drohenden Rechtsanspruch lösen?

Für uns beginnt damit unsere eigentliche Arbeit, denn unser Ziel ist weiterhin eine flächendeckenden FTTH-Versorgung für ganz Leonberg. Wir sehen unsere Aufgabe unter anderem darin, mitzugestalten, dass Leonberg beim FTTH-Ausbau der Deutschen Telekom ganz vorne mit dabei ist und die Leonberger Bürgerinnen und Bürger aufzuklären und den Einstieg in die Glasfaserwelt zu erleichtern.

Schreibt uns doch in den Kommentaren, was ihr von der Kooperation haltet, was ihr euch wünscht und von uns erwartet.

Leonbergs erste Schritte auf den Weg zur Glasfaser

Abseits des eigenwirtschaftlichen Vectoring-Ausbaus der Deutschen Telekom, der sich leider länger hinzieht, sind auch auf städtischer Seite in den letzten Monaten die Weichen auf Glasfaser bis ins Gebäude gestellt. In diesem Artikel fassen wir die Beschlüsse und Geschehnisse seit Amtsantritt von Oberbürgermeister Martin Kaufmann zusammen.

Was hat sich in letzter Zeit getan?

  • Der Gemeinderat hat einstimmig 20.000 EUR für ein Ausbaukonzept und 100.000 EUR für eine Masterplanung (Gesamtkonzept mit Planung der Leerrohre, Kabelwege bis in die Gebäude, Knotenpunkte) zur Verfügung gestellt.
  • Der Finanz- und Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hat einstimmig beschlossen, dass wir als Agenda-Gruppe Glasfaser verstärkt und aktiv mit eingebunden werden.
  • Ein Treffen mit dem Wirtschaftsförderer der Stadt, Benjamin Schweizer, am 01.02.2018 hat gezeigt, dass die Stadt endlich auf flächendeckende Glasfaserversorgung setzt.
  • Herr Oberbürgermeister Kaufmann möchte die Beauftragung der Masterplanung und das Thema Glasfaserausbau in die Hände der Leo Energie GmbH & Co. KG (kurz: Leo Energie, eine Tochter der Stadtwerke) geben.
  • Wir haben uns am 20.03.2018 mit Frau Kägebein, der technischen Geschäftsführerin der Leo Energie, und Herrn Dr. Vonderheid (kaufmännischer Geschäftsführer) zur Abstimmung und für einen gemeinsamen Fahrplan getroffen:
    • Bevor die Leo Energie tätig werden kann, müssen die Gremien der Gesellschaft zustimmen. Die nächste Sitzung ist im Juni.
    • Anschließend soll ein Berater beauftragt werden, der Konzept und Masterplanung auf den Weg bringen soll.
    • Bis Juni ist man aber nicht untätig, sondern wird mit uns potentielle Dienstleister für die Masterplanung sondieren. Wir dürfen Berater vorschlagen.
    • Wir sollen aktiv eingebunden sein, dürfen das Projekt beratend begleiten und sollen bei Entscheidungen mit eingebunden werden.

Wir begrüßen den eingeschlagenen Weg und verstehen, dass das Projekt noch ganz am Anfang steht. Die verlorene Zeit aus der Vergangenheit kann sicher nicht über Nacht aufgeholt werden. Dennoch erwarten wir eine zunehmende Dynamik, hohe Priorisierung und entsprechend rasche Umsetzung von Einzelschritten.

Vectoring-Ausbau: Aktueller Stand

Der Monat März neigt sich dem Ende und eigentlich sollte der Vectoring-Ausbau der Deutschen Telekom längst abgeschlossen sein. Tatsächlich erreichen uns Kommentare, dass die Tarife mit bis zu 50 und bis zu 100 Mbit/s bei vielen noch nicht buchbar sind. Aussagen wie „mehr als 16 Mbit/s gehen nicht“ oder „keine freien Ports“ sind zu lesen. Schon vor Wochen erreichte uns die Meldung, dass es zu Verzögerung kommt, allerdings ohne konkrete Details zu nennen. Wir wollten es genauer wissen und haben sämtliche Kontakte spielen lassen: Die Hotline, den Chat, Telekom-hilft auf Twitter, den Telekom Shop im Leo-Center, Messe-Kontakt auf der BREKO-Glasfasermesse und den direkten Kontakt zum Regio-Manager der Telekom. Man hatte uns Informationen, sogar eine Pressemitteilung, zu den Verzögerungen in Aussicht gestellt. Auch die Stadt Leonberg hat der Telekom empfohlen, eine Pressemitteilung zu veröffentlichen.

Passiert ist leider wenig: Auf die Pressemitteilung warten wir bis heute. Wirklich fundierte und verlässliche Informationen haben wir leider ebenfalls nicht bekommen. Dennoch möchten wir euch die wenigen Informationen, die wir haben, zur Verfügung zu stellen.

Wirft man einen Blick auf die Verfügbarkeitskarte auf www.telekom.de/schneller, zeichnet sich kein klares Bild ab. Für Eltingen, Höfingen, Leonberg und Ramtel erscheint ein Hinweis-Fenster, dass der Ausbau Anfang März 2018 abgeschlossen wurde. Für Silberberg und Gebersheim gibt es keine Hinweise. Schaut man sich dann die Karte an und aktiviert „VDSL 100“ (Vectoring) und „Highspeed-Ausbau geplant“, scheint Vectoring in ganz Leonberg abgesehen vom Zentrum (Nahbereich) verfügbar zu sein, Gebersheim fehlt komplett und Silberberg zu großen Teilen. Warmbronn wird durch die NetCom BW versorgt und war vom Ausbau der Telekom schon immer ausgeschlossen.

Im Folgenden fassen wir unseren aktuellen Kenntnisstand zusammen. Wir möchten betonen, dass die Informationen auf teils widersprüchlichen Aussagen von Telekom-Mitarbeitern beruhen und daher ggf. mit Vorsicht zu genießen sind.

Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel: Seit dem 21.03. kann Vectoring in diesen Gebieten gebucht werden, allerdings noch nicht überall. Das Ezach sei wohl zum größten Teil fertig, im Ramtel fehlt der nördliche Teil, Leonberg selbst weißt Lücken auf, das gleiche gilt wohl für Höfingen. Im Laufe des Aprils soll der Ausbau aber abgeschlossen sein.

Gebersheim ist angeblich komplett ausgebaut und überall verfügbar. Vielleicht können das die Gebersheimer in den Kommentaren bestätigen oder auch widerlegen. Warum es auf der Karte nicht angezeigt wird, bleibt ein Rätsel.

Schlechte Nachrichten gibt es für Silberberg, welches anschlusstechnisch z.T. an Rutesheim hängt. Der nördliche Teil des Silberbergs muss sich wohl noch bis Juli gedulden.

Bzgl. der oft gelesenen Aussage, es seien keine freien Ports verfügbar – gerade die Kunden von Drittanbietern wie Vodafone, 1&1 und O₂ bekommen dies wohl öfter zu hören: Wir vermuten, dass diese Aussage daher rührt, dass die Drittanbieter bei der Deutschen Telekom den Anschluss anfragen, welcher abgelehnt wird, weil er noch nicht ausgebaut wurde. Die Anzahl an Vectoring-Ports ist quasi Null und im System erscheint das wohl als „keine freien Ports“.

Was sind die Gründe für die Verzögerungen? Genannt werden Lieferschwierigkeiten bei der aktiven Hardware in den Multifunktionsgehäusen, also der Hardware, die das Glasfaser-Signal auf Kupferkabel umsetzt und umgekehrt. Es soll aber eine größere Lieferung gegeben haben, weshalb der Ausbau in Leonberg im Laufe des Aprils abgeschlossen sein soll. Wichtig: Die höhere Bandbreite kann nicht nahtlos mit der Buchung geschaltet werden. Ein Techniker der Telekom muss vor Ort das Telefonkabel des Kunden im Multifunktionsgehäuse auf die neue aktive Glasfaser-Hardware umklemmen. Daher muss man nach der Buchung noch auf einen freien Techniker-Termin warten.

Uns ist bewusst, dass diese Aussagen wenig konkret sind. Es tut uns leid, dass auch wir keine genaueren Informationen haben. Wir möchten an der Stelle betonen, dass wir nicht die Verzögerung selbst kritisieren. Sie sind ärgerlich, aber derzeit nicht zu ändern. Was die Deutsche Telekom aber ändern kann, ist ihre Informationspolitik. Wir bedauern es, dass die Telekom nicht in der Lage ist ihren Kunden gegenüber transparenter und offener zu sein. Vielleicht gibt sich die Telekom einen Ruck und stellt doch noch die angekündigten Informationen zur Verfügung.

Übrigens: Mit einem echten Glasfaserausbau bis in die Gebäude wäre das nicht passiert, weil man hier die Komponenten zur Umwandlung der Datensignale, mit der es diese Lieferprobleme gibt, gar nicht erst benötigt.

Technik: Glasfaseranschluss kann mitwachsen (aus LKZ)

Im letzten Teil der Serie geht es um reine Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude – dem Ziel, auf das wir gemeinsam mit der Stadt hinarbeiten. Erschienen ist der Artikel in der Leonberger Kreiszeitung am 08.02.2018 – online ist der Artikel noch nicht verfügbar, den Link reichen wir nach.

 

Wird bei Kupferkabeln das Signal über Strom übertragen, kommt bei Glasfaserkabeln Licht zum Einsatz. Dieses kann sich in Glasfaser nahezu ungehindert ausbreiten, weshalb das Signal weniger geschwächt wird. Die Dämpfung ist deutlich geringer als bei Kupferkabeln, außerdem stören benachbarte Kabel das Signal nicht. In Summe kann ein deutlich höherer Frequenzbereich genutzt werden. Geschwindigkeiten von 100 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) sind beim Senden und Empfangen möglich. Die elektrischen Signale der Endgeräte werden dabei in Lichtimpulse umgewandelt, per Glasfaser übertragen und wieder zurückgewandelt.

Glasfaser bis ins Gebäude
Bei reinen Glasfaseranschlüssen führt die Glasfaser bis ins Gebäude, man spricht von FTTB (Fiber to the Building). Für die Erschließung müssen keine Vorgärten aufgegraben werden. Im Normalfall reicht ein kleines Erdloch an der Hauswand, die Verlegung vom Gehweg erfolgt unterirdisch. In der Hauswand ist ein kleines Bohrloch notwendig.

Anschließend muss das schnelle Internet in die Wohnräume verteilt werden. Die konsequenteste Lösung ist, Glasfaserkabel zu legen, man spricht von FTTH (Fiber to the Home). Der Router wird dann direkt an die Glasfaser angeschlossen, die heimischen Endgeräte bleiben unverändert. Beim Verlegen muss lediglich auf die Biegeempfindlichkeit der Glasfaser geachtet werden. Gleichwertig zu FTTH ist eine Netzwerkverkabelung (LAN), die in neueren Gebäuden oft bereits vorhanden ist. Es gibt aber auch die Möglichkeit vorhandene Telefon- oder Antennenkabel zu verwenden: Eine Änderung an der Hausverkabelung ist dann nicht notwendig.

Wer bezahlt das Glasfasernetz?
Glasfaser ist damit von allen vier vorgestellten Techniken die einzig zukunftssichere: Die Bandbreite kann ohne erneute Tiefbauarbeiten an den Bedarf flexibel angepasst werden, symmetrische Bandbreiten sind möglich (Download gleich Upload) und jeder Anschluss erhält technisch die bezahlte Geschwindigkeit. Oft wird gefragt, wer die Erschließung bezahlen soll. Am Ende bezahlt sie der Kunde durch die monatlichen Gebühren – wie bisher auch. Der erschließende Anbieter geht finanziell in Vorleistung. Die aktuelle Niedrigzinsphase kommt hier zu Gute: Das Investment rechnet sich schneller.

Verschiedene Modelle möglich
Denkbar sind zwei grundsätzliche Modelle: Ein Privatanbieter erschließt Leonberg flächendeckend oder die Stadt führt die Erschließung über ihre Stadtwerke selbst durch, dem Vorbild in Ludwigsburg folgend. Eine Kooperation der Stadtwerke mit einem Privatanbieter ist auch denkbar.

Alle uns bekannten Projekte haben gemeinsam, dass in der Ausbauphase bei hinreichend hoher Anschlussquote die Erschließung für den Endkunden kostenfrei ist. Im Idealfall wird das Netz offen gestaltet („Open Access“), d.h. jeder Anbieter kann seine Tarife anbieten. Das beugt einer Monopolbildung vor. Welches Modell für Leonberg in Frage kommt, lässt sich im Moment nicht beantworten. Zu begrüßen ist, dass Stadt und Gemeinderat 120 000 Euro für Beratungsleistung und Masterplanung zur Verfügung stellen.

Aber warum soll man sich einen Glasfaseranschluss legen lassen, wenn die bereits angebotene Bandbreite ausreicht? Das Internet und der Bedarf an Bandbreite wachsen stetig weiter, das hat schon die Vergangenheit stets gezeigt. Nur ein Glasfaseranschluss kann entsprechend schnell mitwachsen. Für die „Digital Natives“ ist ein schneller Internetanschluss so selbstverständlich wie Wasser und Strom. Immobilien ohne Glasfaseranschluss werden sich zukünftig wohl schwerer verkaufen oder vermieten lassen. Und wer nur einen kleinen Tarif mit wenig Bandbreite benötigt, kann diesen ebenfalls bekommen – bleibt aber zukunftsfähig.

Technik: Zu viele Nachteile als Ersatz für ein Festnetz (aus LKZ)

Mit den aktuell gängigen Mobilfunk-Standards GSM, UMTS und LTE sowie 5G als Nachfolger beschäftigt sich der dritte Teil unserer Technik-Serie in der Print-Ausgabe vom 23.01. der Leonberger Kreiszeitung – der Artikel kann mittlerweile auch online abgerufen werden.

 

Neben den bisher vorgestellten drahtgebundenen Wegen, DSL und Kabel, kann das Internet auch drahtlos über Mobilfunk genutzt werden. Dieses kommt vorwiegend bei Mobilgeräten zum Einsatz, kann aber auch als Festnetz-Ergänzung oder -Ersatz dienen. Laut Bundesnetzagentur gibt es in Leonberg mehr als 500 Sendeantennen in über 40 Sendeanlagen.

Beim ersten digitalen Mobilfunknetz GSM konnten bis zu 0,064 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) übertragen werden. Für UMTS, die dritte Generation der Mobilfunknetze (kurz: 3G), wurde der Frequenzbereich vergrößert und die Funkzellen verkleinert, was bis zu 42 Mbit/s ermöglicht. Bei diesen Verfahren werden alle Daten an alle Teilnehmer der gleichen Funkzelle verschlüsselt übertragen. Das Handy filtert die relevanten Daten heraus. Damit teilen sich alle Teilnehmer einer Funkzelle die Bandbreite. Diese bezahlen für Geschwindigkeiten, die sie nicht bekommen, wie der zweite Jahresbericht der Bundesnetzagentur vom 11. Januar 2018 bestätigt.

Kunden teilen sich die Bandbreite
LTE-Netze (Long Term Evolution) sind technisch betrachtet aufgebohrtes UMTS, weshalb sie nicht die vierte Generation, sondern nur 3.9G sind. 4G selbst wird als LTE-Advanced oder 4G+ beworben und ermöglicht derzeit bis zu 500 Mbit/s im Downstream und bis zu 50 Mbit/s beim Upstream. Dazu werden alle 3G-Eigenschaften übernommen, jedoch werden unterschiedlich große Frequenzbereiche genutzt. Zusätzlich hat die Mehrantennentechnik Einzug gehalten, das heißt gleichzeitiges Senden durch mehrere Antennen.

Als Festnetz-Ersatz werden LTE-Router verwendet. Natürlich teilen sich auch hier alle Teilnehmer einer Mobilfunkzelle die Bandbreite. Zusätzlich sind die Tarife in der Regel volumenbegrenzt, weshalb sie als vollwertiger Ersatz weniger geeignet sind. Ist DSL vorhanden, kann man DSL und LTE bündeln. Theoretisch könnte man da mit die Summe aus beiden Bandbreiten erreichen. In der Praxis kann die Geschwindigkeit aufgrund der Komplexität der Bündelung sogar geringer als bei reinem DSL sein. Letztlich haben beide Lösungen den Nachteil, dass Mobilfunksignale durch Wände geschwächt werden und die Entfernung zu den Sendemasten nicht unerheblich ist: Sind, wie auch in Leonberg, Haushalte gleich weit von zwei Sendemasten entfernt, führt dies zu schlechtem Empfang und häufigen Verbindungsabbrüchen, da das Endgerät ständig zwischen beiden Antennen wechselt.

5G setzt Glasfasernetze voraus
Mit der fünften Generation erhoffen sich die Mobilfunknetzbetreiber zukünftig Geschwindigkeiten von bis zu 10 000 Mbit/s. Diese 5G-Netze werden, eventuell zusammen mit DSL-Bündelungen, als Möglichkeit für das Gigabit-Ziel beziehungsweise als Ersatz für Glasfaser auf den letzten Metern zwischen Kabelverzweiger und Hausanschluss betrachtet. Die Lösung ist es nicht, denn alle Teilnehmer einer Funkzelle teilen sich weiterhin die Geschwindigkeit. Zudem werden flächendeckende 5G-Netze nicht ohne eine flächendeckende Glasfaserversorgung einhergehen, da jeder 5G-Funkmast daran angeschlossen werden muss – bereits heute ist der übliche Richtfunk für 4G-Netze nicht ausreichend.

Die Funklöcher bleiben weiterhin ein Ärgernis, da weder 3G noch 4G lückenlos ausgebaut wurden. Die Volumenbegrenzung beziehungsweise Drosselung beim eigenen Tarif sowie die Entfernung zu Sendemasten sind ebenfalls ein Problem. Zu guter Letzt ist und bleibt noch die Strahlenbelastung ein klassischer Kritikpunkt des Mobilfunks. Übrigens: GSM, UMTS und LTE sind sehr einfach abzuhören, zu überwachen und zu manipulieren, wie kürzlich auf der 34C3-Konferenz präsentiert wurde.

Technik: Wenn es Abend wird im Kabelnetz (aus LKZ)

Am 16.01. erschien der zweite Teil unserer Technik-Serie in der Leonberger Kreiszeitung. In der Print-Version wurden leider die Namen von Robert Scheck und Daniel Pötzsch vermischt – die Artikel sind aber auch ein Gemeinschaftswerk :). In der Online-Version wurde der Fehler korrigiert.

 

Neben dem Internetzugang über das Telefonkabel (DSL) gibt es eine weitere, verbreitete Methode: den TV-Kabelanschluss. Nach Recherchen der Bürgerinitiative „Glasfaser für Leonberg“ liegt die Abdeckung in Leonberg bei ca. 50% aller Gebäude. In größeren Teilen des Ezachs, Gartenstadt, Gebersheim, Höfingen und Ramtel sowie in ganz Warmbronn ist kein Unitymedia verfügbar. Aber auch in den ausgebauten Gebieten finden sich Lücken.

Ursprünglich wurden die Kabelnetze zum Empfang von Radio und Fernsehen genutzt. Beim „Kabel“ handelt es sich um ein Koaxialkabel aus Kupfer, welches als Antennenkabel geläufiger ist. Alle Haushalte eines Gebietes empfangen die gleichen Programme und damit Signale. Sie sind daher am gleichen Kabel in der Straße angeschlossen.

Viele Haushalte teilen sich die Bandbreite
Um das Internet über diese Infrastruktur zu nutzen, muss neben der Empfangs- eine Sendemöglichkeit geschaffen werden; genannt Rückkanal. Es sind aber weiterhin viele Haushalte an einen Knotenpunkt angeschlossen; im Netz von Unitymedia im Schnitt 1000-2500. An all diesen Anschlüssen liegt das gleiche Signal, also auch der Internetverkehr der Nachbarschaft, an – natürlich verschlüsselt. Der heimische Router filtert die eigenen Signale heraus und entschlüsselt diese. Folglich müssen sich all diese Anschlüsse die Bandbreite teilen. Gerade in den Abendstunden und am Wochenende führt dies zu erheblichen Einbrüchen bei der Geschwindigkeit bis hin zu Totalausfällen. Der Kunde zahlt für Geschwindigkeiten, die er nicht immer bekommt – dies kritisierte auch die Bundesnetzagentur im März 2017. Durch Aufteilen von Gebieten auf mehrere, neue Knotenpunkte versuchen die Kabelnetzbetreiber dieser Überbuchung entgegenzuwirken.

Da die Senderichtung früher weniger wichtig war, wird für den Rückkanal nur ein kleiner Teil des Frequenzbereiches genutzt. Somit ergibt sich wie bei DSL ein geringerer Upstream (Senden) als Downstream (Empfangen). Im Kabelnetz ist das Verhältnis mit 10 zu 400 Mbit/s allerdings deutlich schlechter als bei Vectoring mit 40 zu 100 Mbit/s. Für Nutzer von Foto/Video-Uploads, Home-Office und Cloud-Computing stellt dies den zweiten, größeren Nachteil des Kabelnetzes dar. Aktuell rüsten die Anbieter auf und planen zukünftig deutlich höhere Geschwindigkeiten. Dafür werden die Knotenpunkte per Glasfaser-Kabel angeschlossen, was als Coax-Glasfaser-Technologie beworben wird. Alle Anschlüsse eines Knotenpunktes teilen sich aber weiterhin die Bandbreite.

Die Vorteile von Glasfaser bleiben ungenutzt
In Neubaugebieten wie dem Ezach III verlegen Kabelnetzbetreiber sogar Glasfaser-Kabel bis ins Gebäude, d.h. FTTB (Fiber to the Building). Was sich zunächst gut anhört, entpuppt sich leider als Mogelpackung. Die bestehenden Frequenzsignale der Koaxialkabel werden lediglich in Lichtimpulse umgewandelt und über Glasfaser transportiert. Das Teilen der Bandbreite bleibt bestehen. Nachdem kein Kabelnetzbetreiber geäußert hat dies in absehbarer Zeit zu ändern, bleiben die Glasfaser-Vorteile ungenutzt.

Obwohl das Kabelinternet wie DSL auf Kupferkabel setzt, kann aufgrund dickerer Kabel und einer besseren Abschirmung eine deutlich höhere Geschwindigkeit erreicht werden als über Telefonkabel. Im Gegensatz zur Telekom müssen die Kabelanbieter ihr Netz in der Regel nicht an Drittanbieter vermieten. Ist der Kabelanbieter wie im Ezach III der einzige, entsteht ein Quasimonopol. Bei Unzufriedenheit oder Problemen gibt es keinerlei Wechselmöglichkeit.

Vectoring-Ausbau: Status-Update

Update 13.03.2018: Der Ausbau geht in die heiße Phase, die Ungeduld und Frustration wächst – auch bei uns. Wir bitten euch, sich ein bisschen zu gedulden. Es wird in den nächsten Tagen ein Update zum Ausbau geben.

In einem Blog-Artikel haben wir vor zwei Monaten über den aktuellen Stand des Vectoring-Ausbaus der Deutschen Telekom (FTTC-Ausbau) berichtet. Seit dem haben uns über verschiedene Kanäle Fragen zur Verfügbarkeit erreicht, sogar aus Rutesheim. Auffällig dabei waren v.a. die unterschiedlichen Zeitangaben und Aussagen, die Kunden von der Hotline bzw. im Telekom-Shop erhalten haben. Diese reichen von Zeiträumen bis in den Juni hinein bis hin zu „es seien keine Ports am Multifunktionsgehäuse frei“.

Wir haben beim Support der Deutschen Telekom erneut angefragt und darum gebeten, in das Informationschaos etwas Licht zu bringen. Wir möchten Sie über das Ergebnis in diesem Artikel informieren, v.a. was sich im Vergleich zum letzten Artikel geändert hat.

Gebersheim, Silberberg sind an der Vermittlungsstelle in Rutesheim angeschlossen, weshalb diese Stadtteile zuerst ausgebaut wurden. Vor zwei Monaten hieß es noch, dass die Schaltung der Anschlüsse mit Mitte November beginnt und bis Dezember 2017 abgeschlossen sein soll. Mittlerweile hat man das Gebiet in zwei Bauabschnitte unterteilt. Bauabschnitt 1 ist am Netz, betrifft am Silberberg aber nur einen sehr kleinen Teil, wie auf der Karte zu sehen. Bauabschnitt 2 ist auf der Karte leider nicht eingezeichnet, müsste eigentlich dunkelblau hinterlegt sein. Der Rest vom Silberberg und von Gebersheim soll Mitte Februar ans Netz gehen.

Für Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel hat sich nichts geändert. Hier heißt es nach wie vor Mitte März 2018. Aufgrund der dreimonatigen Verzögerung am Silberberg und in Gebersheim sind wir hier allerdings skeptisch.

Warmbronn ist durch die NetCom BW mit VDSL erschlossen, sodass die Deutsche Telekom hier nicht aktiv wird.

Als Grund werden Verzögerungen im Tiefbau genannt, der aus unserer Sicht aber abgeschlossen ist (zumindest sehen wir keine offenen Baustellen mehr), und Lieferengpässe bei der aktiven Hardware für die Multifunktionsgehäuse. Wir kritisieren übrigens nicht die Verzögerungen, daran kann man nichts ändern. Das Informationschaos und die stark abweichenden Aussagen von Support-Mitarbeitern ist für den Endkunden aber mehr als unschön. Und Aussagen wie „es seien keine Ports frei“ sind mehr als beunruhigend.

Fazit: Die Silberberger und Gebersheimer müssen sich noch bis Februar gedulden. Für die restlichen Leonberger außer Warmbronn (und dem Nahbereich in Leonberg) heißt es weiterhin Mitte März, der Termin sollte aber mit Vorsicht genossen werden.

Technik: Von den Grenzen des Kupferdrahtes (aus LKZ)

In Zusammenarbeit mit der Leonberger Kreiszeitung bringen wir eine vierteilige Serie heraus, in denen wir den Lesern erklären, wie das Internet zu Ihnen nach Hause kommt. Im ersten Teil ging es um die Internetübertragung über das Telefonnetz. Der Artikel erschien am 10.01.2018 in der Print-Ausgabe und kann online abgerufen werden. Der erste Teil ist aufgrund kurzfristiger Kürzungsmaßnahmen grammatikalisch leider etwas missglückt und es sind zwei fehlerhafte Infos in die Print-Ausgabe gerutscht (z.B. die ab wann man Vectoring am Silberberg/in Gebersheim buchen kann). Diese wurden online korrigiert. Auch in unserem Blog finden Sie die korrigierte Fassung.

 

Fast jeder Haushalt, in Leonberg das Ezach III ausgenommen, besitzt einen Telefonanschluss bestehend aus zwei Kupferdrähten, der Doppelader, die ursprünglich nur für Telefonie ausgelegt waren. Ab Ende der 1980er konnte man mit den ersten Modems für Internetverbindungen darüber bis zu 0,056 Mbit/s nutzen. Dank des technischen Fortschritts konnten im darauffolgenden Jahrzehnt auch höherfrequente Signale über das Telefonnetz übertragen werden, von anfangs 0,768 bis später 16 Mbit/s im Downstream (Empfangsrichtung) – mit Ausnahme von Warmbronn (VDSL seit 2011) – die in Leonberg noch heute maximal buchbare Geschwindigkeit.

Telefonkabel war nie für die Übertragung hoher Frequenzen ausgelegt
Nun mag man sich die Frage stellen, warum nicht in jedem Haushalt 16 Mbit/s ankommen, und warum man die Geschwindigkeit nicht beliebig steigern kann. Die Telefonkabel waren nie für die Übertragung hoher Frequenzen ausgelegt: Je länger das Kupferkabel und je höher die zu übertragende Frequenz ist, desto höher ist die Dämpfung des Signals. Wird das Signal zu stark geschwächt, kommen beim Empfänger keine Daten mehr an. Je weiter also ein Anschluss von der Vermittlungsstelle als Knotenpunkt entfernt ist (in Leonberg auf dem Postgelände), desto geringer ist die nutzbare Geschwindigkeit. Daher können z.B. Bewohner im Ramtel nur mit 1-2 der bezahlten 16 Mbit/s surfen. Ebenfalls Einfluss auf die Geschwindigkeit nehmen Störsignale benachbarter Telefonleitungen in der Straße, die das Signal weiter schwächen (vergleichbar mit „Übersprechen“).

In der Praxis kann das Telefonkabel von der Vermittlungsstelle bis zum heimischen Anschluss bis zu 4 km betragen. Doch wie kürzt man die lange Leitung? Man verlegt Glasfaserkabel von der Vermittlungsstelle bis in die Nähe der Verbraucher, idealerweise gleich direkt bis ins Haus. Für die Privatwirtschaft mit hohen Erwartungen an Rendite und kurze Amortisationszeiten ist dies in der Regel zu teuer. Daher legen die Anbieter das Glasfaserkabel nur bis zu kleineren Kabelverzweigern, den grauen Kästen am Straßenrand. Diese werden zu Multifunktionsgehäusen aufgerüstet, welche die Lichtimpulse der Glasfaserkabel in elektrische Signale für die Telefonkabel umwandeln (und umgekehrt). Man spricht von FTTC (Fiber to the Curb/Cabinet), also „Glasfaser bis zum Randstein/Kasten“. In Warmbronn hat bereits 2011 die NetCom BW den FTTC-Ausbau vollzogen und bietet bis zu 50 Mbit/s Downstream an. Erst seit Sommer 2017 verlegt die Deutsche Telekom im restlichen Leonberg die Glasfaserkabel bis zu den Kabelverzweigern – und verkürzt dadurch die längsten Telefonkabel auf unter 1 km. Genau dafür gibt es zurzeit die vielen kleinen Baustellen, die über das Stadtgebiet verteilt sind.

Entfernung zum Multifunktionsgehäuse bestimmt die Geschwindigkeit
Durch das kürzere Telefonkabel lässt sich VDSL aufschalten, was bis zu 50 Mbit/s in Empfangsrichtung ermöglicht. Parallel lässt sich das oben genannte Übersprechen mit dem Vectoring-Verfahren korrigieren. Dadurch werden bis zu 100 Mbit/s in Empfangsrichtung und bis zu 40 Mbit/s in Senderichtung realisierbar. Allerdings bestimmt weiterhin die Entfernung zum Multifunktionsgehäuse maßgeblich die Geschwindigkeit. Bereits ab ca. 300 m kommen weniger als 100 Mbit/s an. Der Nachfolger Supervectoring, mit dem bis zu 250 Mbit/s in Empfangsrichtung möglich sein sollen, steht zwar in den Startlöchern, wurde aber jüngst von der Telekom auf 2019 verschoben. Allerdings werden nicht alle Leonberger in den Genuss der noch höheren Geschwindigkeit kommen. Wer mehr als 500 m vom Kabelverzweiger entfernt ist, für den ist mit Vectoring das Potential ausgeschöpft. Bei den Nachfolgern G.fast bzw. XG-fast, die Bandbreiten im Gigabit-Bereich ermöglichen, muss das Kabel so kurz sein, dass sie nur für die Verwendung innerhalb von Gebäuden interessant sind.

Übrigens: Die Senderichtung ist bei allen DSL-Varianten geringer als die jeweilige Empfangsrichtung (asymmetrischer Anschluss), da früher das Internet hauptsächlich nur in Empfangsrichtung genutzt wurde. In Zeiten von Foto- und Video-Uploads, Home-Office und Cloud-Computing wird die Senderichtung aber immer wichtiger.

Aber wenn der FTTC- bzw. Vectoring-Ausbau neue Probleme mit sich bringt, warum findet ein solcher dann statt? Der Ausbau ist für Telekommunikationsnetzbetreiber günstig und bietet zumindest mehr Geschwindigkeit als seither. Zudem muss die bestehende Kupferverkabelung im Gebäude nicht verändert werden. Dies gilt übrigens nicht für den heimischen DSL-Router, dieser muss sehr wohl vectoringfähig sein, etwas ältere DSL-Router werden daher für die Vectoring-Anschlüsse zwingend ausgetauscht werden müssen. Für Supervectoring und Nachfolger wird ein erneuter Austausch erforderlich, eventuell sogar bei der Technik in den Multifunktionsgehäusen. Dies ist, neben dem hohen Stromverbrauch der Multifunktionsgehäuse, auch unter Nachhaltigkeitsaspekten kritisch zu sehen.

Anbieterwechsel ist nicht erforderlich
Ein Wechsel Ihres bisherigen DSL-Anbieters ist übrigens nicht notwendig. Da die Telekom ihr Netz an Drittanbieter vermieten muss, können Sie die höheren Geschwindigkeiten bei jedem Anbieter buchen. Am Silberberg und in Gebersheim ist der Ausbau mehr oder weniger abgeschlossen bis Februar sollten alle Kunden die neuen Geschwindigkeiten buchen können. Die Leonberger selbst müssen sich noch voraussichtlich bis Mai gedulden.

Fazit: Kurzfristig ergibt sich durch Vectoring zum Teil eine deutliche Verbesserung, aber die Leistungsfähigkeit nach oben ist schon jetzt begrenzt – und der Bedarf sowie das Internet werden schneller wachsen als die Bandbreite über Kupferkabel mitwachsen kann, das hat schon die Vergangenheit deutlich bewiesen. Und die Kunden werden weiterhin für Geschwindigkeiten zahlen müssen, die sie technisch nicht bekommen können.

Frohe Weihnachten

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende. Auch wenn es lange keinen Blog-Eintrag und Newsletter gab, heißt das nicht, dass wir untätig waren. Mit diesem Blog-Eintrag möchten wir Sie über den aktuellen Stand informieren.

Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Leonberg-Ezach

Am 10.11. durften wir im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Leonberg-Ezach über das Thema Glasfaser und unser Ziel vortragen. Das Publikum zeigte großes Interesse, es wurden viele Fragen gestellt und die abschließende Diskussion zeigte deutlich, wie sehr das Thema der Bevölkerung unter den Nägeln brennt. Aufgrund vieler Parallelveranstaltungen waren leider nur drei Gemeinderäte, Birgit Widmaier (Grüne), Wolfgang Röckle (CDU) und Ottmar Pfitzenmaier (SPD), anwesend. Auch Mitglieder der Lokalen Agenda 21 waren gekommen. Wir erhielten im Anschluss viel positives Feedback, das sich auch in vielen Neueintragungen als Unterstützer wiederspiegelt. Wir planen, den Vortrag auch in anderen Bürgervereinen Leonbergs zu halten. Der Vortrag kann im Download-Bereich heruntergeladen werden.

Beschlüsse in Leonberg

Aus der Stadtverwaltung Leonberg und dem Gemeinderat können erste Erfolge und Schritte in die richtige Richtung vermeldet werden. Durch Gespräche und Aufklärung der Gemeinderäte und Stadtverwaltung haben wir einen aktiven Beitrag dazu geleistet. Hier eine kleine Chronologie:

07.11.: Fast alle Fraktionen beantragen in ihren Haushaltreden Geld für einen Masterplan. Das Thema schnelles Internet und Glasfaser findet sich in allen Haushaltsreden wieder.

11.12.: Im Rahmen der Fraktionssprechstunde haben wir uns im kleinen Sitzungssaal des Rathauses mit den Fraktionen getroffen. 16 Gemeinderäte von CDU, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen, Freie Wähler und FDP waren gekommen (Die Linke hat sich vorab aus Termingründen entschuldigt), um sich gemeinsam mit uns zum Thema Masterplan, Berater und „Stadtwerke-Modell“ auszutauschen. Das Gespräch war sehr offen und konstruktiv und wir sind mit einem positiven Gefühl aus dem Gespräch gegangen. Wir haben zudem unsere aktive Mithilfe angeboten.

13.12.: Der Verwaltungs- und Finanzausschuss beschließt einstimmig 100 000 Euro für die Masterplanung und 20 000 Euro für Beratungstätigkeiten im Haushalt 2018 vorzusehen (mit Sperrvermerk). Dabei ist auch unser Feedback vom 11.12. mit eingeflossen. Zusätzlich wurde einstimmig beschlossen, die Agendagruppe Glasfaser inhaltlich stärker mit einzubinden.

19.12.: Verabschiedung des Haushalts 2018. Im LKZ-Artikel dazu: „Ebenfalls aufgestockt wird auf Antrag der CDU der Etat für den Breitbandausbau. Die ursprünglich vorgesehenen 50 000 Euro hat der Finanzausschuss verdoppelt. Mit diesem Geld soll der Bedarf in der Gesamtstadt ermittelt werden. Weitere 20 000 Euro sind geplant, um ein konkretes Umsetzungsprogramm zu erstellen. Oberbürgermeister Martin Kaufmann möchte hierfür die private Arbeitsgemeinschaft für den Breitbandausbau inhaltlich mit einbinden.“

Wir bedanken uns bei den Gemeinderäten und der Stadtverwaltung für das entgegengebrachte Vertrauen und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Bei Martin Kaufmann bedanken wir uns für das schnelle Umsetzen eines seiner Wahlversprechen.

Umfrage Landkreis Böblingen

Parallel hat der Landkreis Böblingen in den letzten Monaten eine Umfrage unter den Unternehmen geführt, wobei nur gezielt eine Auswahl an Unternehmen angeschrieben wurden. In der Kreistagssitzung vom 18.12. wurde das Ergebnis der Umfrage präsentiert und kann online abgerufen werden. Fazit aus der Umfrage:

  • Befragt wurden kleine und mittelständische Unternehmen.
  • Nur 10% der befragten Unternehmen gehen mit modernem Glasfaser online, der Rest über alte Kupfertechnologien, mehr als die Hälfte über Telefonkabel (DSL).
  • Über die Hälfte erreicht mit unter 30 Mbit/s aktuell nicht einmal die Minimalanforderung der sog. NGA-Definition (Next Generation Access), dreiviertel der Befragten erreichen nicht die mind. 50 Mbit/s, die als Minimalziel der Bundesregierung für 2018 ausgerufen wurde.
  • Gut dreiviertel der Unternehmen sind mit der aktuellen Geschwindigkeit nicht zufrieden.
  • Über dreiviertel der Befragten wünschen sich in den nächsten 5 Jahren Bandbreiten (min. 100 Mbit/s symmetrisch), die realistisch, stabil und bezahlbar nur mit Glasfaser zu erreichen sind.
  • Die einmaligen Erschließungskosten und monatlichen Beiträge, die ein Großteil der Befragten bereit wären zu zahlen, ist in Relation zu den gewünschen Bandbreiten und für kleine und mittelständische Unternehmen im realistischen Bereich. Damit ist auch die Behauptung widerlegt, dass die Nutzer zu wenig bereit sind zu zahlen (mal abgesehen davon, dass im EU-Ausland mehr Bandbreite günstiger ist) und der Ausbau daher nicht vorankäme.

Die Umfrage zeigt, dass es gerade im Unternehmensbereich 5 nach 12 ist. Hier muss dringend gehandelt werden. Es reicht aber nicht aus, nur an die reinen Gewerbegebiete zu denken. Gerade die kleinen Betriebe, die oft von daheim arbeiten, sind quer über die Stadt verteilt, sodass man um eine flächendeckende Lösung – auch für die Privatkunden – nicht drum herum kommt.

Mit den Entscheidungen aus Leonberg können wir das Jahr 2017 positiv in Sachen Glasfaser abschließen und hoffnungsvoll ins Jahr 2018 blicken. Es wird noch ein steiniger, aber gangbarer Weg. Die Mitglieder der Bürgerinitiative wünschen Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2018. Wir bedanken uns bei allen Unterstützern für das zahlreiche, positive Feedback, dass uns stets motiviert nicht aufzugeben.

Vectoring-Ausbau der Telekom: Status

Die meisten von Ihnen werden die vielen kleinen und mittleren Baustellen im gesamten Stadtgebiet von Leonberg bemerkt haben. In diesem Artikel möchten wir Sie über den Stand der Bauarbeiten und die Zeitpläne informieren.

Die Firma Leonhard Weiss verlegt im Auftrag der Deutschen Telekom AG die Glasfaser-Infrastruktur von der Vermittlungsstelle am Postgelände bis zu den Kabelverweigern (Ausnahme Silberberg, hier befindet sich die Vermittlungsstelle in Rutesheim). Die Kabelverzweiger (KVz) werden anschließend von Telekom-Mitarbeitern zu sogenannten Multifunktionsgehäusen (MFG) umgebaut. In diesen MFGs befindet sich die aktive Technik, die die Umsetzung von Glasfaser (optisches Signal) auf Kupferkabel (elektrisches Signal) vornimmt. Zwischen dem MFG und Ihrem Hausanschluss (TAE-Dose) bleibt das bisherige Telefonkabel bestehen. Auf dieser Strecke findet die Vectoring-Technik ihren Einsatz. Wie so ein Umbau aussieht, ist auf folgender Seite anschaulich beschrieben: http://internet-lippinghausen.de/.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Telekom ihre erste Informationsveranstaltung in Gebersheim. Wir waren vor Ort, natürlich stilecht mit unseren T-Shirts, die auch gleich ihre Wirkung zeigten: Zwei Bürger hatten uns angesprochen. Wir bedanken uns für das positive Feedback und den Rückenwind. Im Anschluss der Veranstaltung kamen wir mit dem Regionalmanager der Telekom, Herrn Josip Nadj, ins Gespräch. Herr Nadj kannte uns bereits, da wir zu ihm vorab telefonischen Kontakt hatten, um die wichtigsten Fragen zu stellen. Wir bedanken uns bei Herrn Nadj für die fachlichen Informationen und das offene und angenehme Gespräch.

In der Verfügbarkeitskarte der Telekom ist der Vectoring-Ausbau bereits eingepflegt. Gibt man als Ort „71229“ ein, erscheint zunächst ein Info-Text. Dieser Info-Text ist allerdings nicht mehr aktuell.

Gebersheim, Silberberg: Hier wird das Vectoring ab dem 13.11.2017 buchbar sein, allerdings nicht überall gleichzeitig, da das Netz über einen Zeitraum von ungefähr 6-8 Wochen sukzessive aktiv geschaltet wird.

Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel: Hier soll die Technik ab März 2018 ans Netz gehen, dann ebenfalls sukzessive im Verlauf von voraussichtlich 6-8 Wochen.

Warmbronn: Da hier die NetCom BW aktiv ist, findet kein Vectoring-Ausbau seitens der Telekom statt.

Bevor wir uns die Verfügbarkeitskarte im Details ansehen, hier die wichtigste Info für Sie als Endkunde:

  • Sie können die neuen Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s und bis zu 100 Mbit/s im Download bei Ihrem bisherigen Anbieter buchen, müssen Ihren Anbieter also nicht wechseln. Nach Informationen von Vodafone, 1&1 Versatel und O2 stehen die Tarife zeitgleich mit der Telekom zur Verfügung, bei der Sie die Tarife ebenfalls buchen können. Falls sich die Tarife online noch nicht buchen lassen, rufen Sie am besten bei Ihrem Anbieter an oder gehen Sie in einen Shop. Meist dauert es etwas, bis die Daten im Online-System eingepflegt sind.
  • Die neuen Geschwindigkeiten stehen Ihnen nicht automatisch zur Verfügung. Das gilt auch für 16 Mbit/s, die bei Ihnen nach dem Ausbau auf jeden Fall ankommen sollten. Sie bleiben zunächst auf der alten Technik geschaltet und müssen das Umklemmen auf die Glasfaser im Multifunktionsgehäuse bei Ihrem Anbieter aktiv beauftragen, am besten wieder telefonisch oder im Shop.
  • Wollen Sie bei 16 Mbit/s bleiben, ist ein Tausch des Routers nicht notwendig. Wollen Sie 50 oder 100 Mbit/s buchen, kommt es auf das Alter Ihres Routers an. Wir werden eine Liste mit geeigneten Router erstellen und aktuell halten. Eine erste Übersicht finden Sie bei DSL-Web. Sollten Sie sich unsicher sein, schreiben Sie uns eine E-Mail oder kommen Sie zur kostenlosen Beratung der Agenda-Gruppe.

Filtert man die Karte auf VDSL-Ausbau geplant bis zu 100 Mbit/s, wird die Netzabdeckung mit Vectoring blau hinterlegt:
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Laut Daten der Telekom werden nach dem Ausbau in 98% der Haushalte mind. 50 Mbit/s im Download zur Verfügung stehen – das Ziel der Bundesregierung bis 2018 flächendeckend jedem Haushalt mind. 50 Mbit/s zur Verfügung zu stellen ist damit für Leonberg verfehlt. Ca. 150 Anschlüsse werden weiter unterversorgt sein und als weiße Flecken gelten (weniger als 30 Mbit/s). Mindestens 80 Mbit/s sollen bei nur noch 88% der Haushalte ankommen (Quelle: Zwischenbericht des Breitbandberaters, V-Ausschussitzung vom 21.09.2017). Es sei an dieser Stelle aber noch einmal deutlich darauf hingewiesen, dass diese Angaben auf Werten der Telekom beruhen. Welche Geschwindigkeit bei Ihnen tatsächlich ankommt, hängt von vielen Faktoren ab und nicht nur von der reinen Entfernung zum Multifunktionsgehäuse ab. Im Internet sind genug Fälle zu finden, die nicht einmal stabil 50 Mbit/s bekommen können, obwohl sie so nah am MFG sind, dass 100 Mbit/s möglich sein sollten. Hier spielt v.a. die Qualität des Kupferkabels (z.B. Anzahl an Flickstellen) eine entscheidende Rolle.

Schaut man sich obige Karte genauer an, sieht man sowohl im Zentrum von Leonberg als auch im Gewerbegebiet Hertich eine große Lücke klaffen, hier noch einmal vergrößert:
Screenshot der Telekom-Webseite: VDSL-Ausbau geplant bis zu 100 Mbit/s
Nahbereich Leonberg: Dabei handelt es sich um den sogenannten Nahbereich, d.h. um die Gebäude, die direkt an die Vermittlungsstelle der Telekom bei der Post angeschlossen sind, für die es also kein extra Multifunktionsgehäuse gibt. Für diese Gebäude könnte die Telekom technisch ohne weiteren Ausbau Vectoring anbieten. Wo liegt das Problem? Die Wettbewerber der Telekom haben dagegen geklagt. Das Verwaltungsgericht Köln hat im März 2017 die Klage abgewiesen. Ein Teil der Kläger ist daraufhin in Revision gegangen, die Entscheidung steht noch aus. Wann Vectoring im Nahbereich also verfügbar sein wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Schätzungen gehen von 1-3 Jahren aus!

Gewerbegebiet Hertich: Vectoring ist hier über die Telekom nicht geplant. Jedoch ist im Hertich teilweise Glasfaser durch die Sparkassen-IT, 1&1 Versatel und Globalways verfügbar. Wir haben der Stadt bereits eine Idee für flächendeckendes Glasfaser im Hertich zukommen lassen.

Sie sehen, der Vectoring-Ausbau ist mit einigen Fallstricken verbunden. Wir hoffen natürlich, dass sich für möglichst viele Haushalte mit diesem Ausbau die Situation deutlich verbessert. Man darf aber nicht verschweigen, dass für einen gewichtigen Teil mit diesem Ausbau das Ende der Fahnenstange erreicht ist und durch Super-Vectoring voraussichtlich keine weitere Verbesserung zu erzielen ist. Daher lohnt es sich weiter für echtes Glasfaser bis in die Gebäude zu kämpfen und uns zu unterstützen. Damit wären alle in diesem Artikel erwähnten Probleme auf einen Schlag gelöst.

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