Vectoring-Ausbau der Telekom: Status

Die meisten von Ihnen werden die vielen kleinen und mittleren Baustellen im gesamten Stadtgebiet von Leonberg bemerkt haben. In diesem Artikel möchten wir Sie über den Stand der Bauarbeiten und die Zeitpläne informieren.

Die Firma Leonhard Weiss verlegt im Auftrag der Deutschen Telekom AG die Glasfaser-Infrastruktur von der Vermittlungsstelle am Postgelände bis zu den Kabelverweigern (Ausnahme Silberberg, hier befindet sich die Vermittlungsstelle in Rutesheim). Die Kabelverzweiger (KVz) werden anschließend von Telekom-Mitarbeitern zu sogenannten Multifunktionsgehäusen (MFG) umgebaut. In diesen MFGs befindet sich die aktive Technik, die die Umsetzung von Glasfaser (optisches Signal) auf Kupferkabel (elektrisches Signal) vornimmt. Zwischen dem MFG und Ihrem Hausanschluss (TAE-Dose) bleibt das bisherige Telefonkabel bestehen. Auf dieser Strecke findet die Vectoring-Technik ihren Einsatz. Wie so ein Umbau aussieht, ist auf folgender Seite anschaulich beschrieben: http://internet-lippinghausen.de/.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Telekom ihre erste Informationsveranstaltung in Gebersheim. Wir waren vor Ort, natürlich stilecht mit unseren T-Shirts, die auch gleich ihre Wirkung zeigten: Zwei Bürger hatten uns angesprochen. Wir bedanken uns für das positive Feedback und den Rückenwind. Im Anschluss der Veranstaltung kamen wir mit dem Regionalmanager der Telekom, Herrn Josip Nadj, ins Gespräch. Herr Nadj kannte uns bereits, da wir zu ihm vorab telefonischen Kontakt hatten, um die wichtigsten Fragen zu stellen. Wir bedanken uns bei Herrn Nadj für die fachlichen Informationen und das offene und angenehme Gespräch.

In der Verfügbarkeitskarte der Telekom ist der Vectoring-Ausbau bereits eingepflegt. Gibt man als Ort „71229“ ein, erscheint zunächst ein Info-Text. Dieser Info-Text ist allerdings nicht mehr aktuell.

Gebersheim, Silberberg: Hier wird das Vectoring ab dem 13.11.2017 buchbar sein, allerdings nicht überall gleichzeitig, da das Netz über einen Zeitraum von ungefähr 6-8 Wochen sukzessive aktiv geschaltet wird.

Eltingen, Höfingen, Leonberg, Ramtel: Hier soll die Technik ab März 2018 ans Netz gehen, dann ebenfalls sukzessive im Verlauf von voraussichtlich 6-8 Wochen.

Warmbronn: Da hier die NetCom BW aktiv ist, findet kein Vectoring-Ausbau seitens der Telekom statt.

Bevor wir uns die Verfügbarkeitskarte im Details ansehen, hier die wichtigste Info für Sie als Endkunde:

  • Sie können die neuen Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s und bis zu 100 Mbit/s im Download bei Ihrem bisherigen Anbieter buchen, müssen Ihren Anbieter also nicht wechseln. Nach Informationen von Vodafone, 1&1 Versatel und O2 stehen die Tarife zeitgleich mit der Telekom zur Verfügung, bei der Sie die Tarife ebenfalls buchen können. Falls sich die Tarife online noch nicht buchen lassen, rufen Sie am besten bei Ihrem Anbieter an oder gehen Sie in einen Shop. Meist dauert es etwas, bis die Daten im Online-System eingepflegt sind.
  • Die neuen Geschwindigkeiten stehen Ihnen nicht automatisch zur Verfügung. Das gilt auch für 16 Mbit/s, die bei Ihnen nach dem Ausbau auf jeden Fall ankommen sollten. Sie bleiben zunächst auf der alten Technik geschaltet und müssen das Umklemmen auf die Glasfaser im Multifunktionsgehäuse bei Ihrem Anbieter aktiv beauftragen, am besten wieder telefonisch oder im Shop.
  • Wollen Sie bei 16 Mbit/s bleiben, ist ein Tausch des Routers nicht notwendig. Wollen Sie 50 oder 100 Mbit/s buchen, kommt es auf das Alter Ihres Routers an. Wir werden eine Liste mit geeigneten Router erstellen und aktuell halten. Eine erste Übersicht finden Sie bei DSL-Web. Sollten Sie sich unsicher sein, schreiben Sie uns eine E-Mail oder kommen Sie zur kostenlosen Beratung der Agenda-Gruppe.

Filtert man die Karte auf VDSL-Ausbau geplant bis zu 100 Mbit/s, wird die Netzabdeckung mit Vectoring blau hinterlegt:
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Laut Daten der Telekom werden nach dem Ausbau in 98% der Haushalte mind. 50 Mbit/s im Download zur Verfügung stehen – das Ziel der Bundesregierung bis 2018 flächendeckend jedem Haushalt mind. 50 Mbit/s zur Verfügung zu stellen ist damit für Leonberg verfehlt. Ca. 150 Anschlüsse werden weiter unterversorgt sein und als weiße Flecken gelten (weniger als 30 Mbit/s). Mindestens 80 Mbit/s sollen bei nur noch 88% der Haushalte ankommen (Quelle: Zwischenbericht des Breitbandberaters, V-Ausschussitzung vom 21.09.2017). Es sei an dieser Stelle aber noch einmal deutlich darauf hingewiesen, dass diese Angaben auf Werten der Telekom beruhen. Welche Geschwindigkeit bei Ihnen tatsächlich ankommt, hängt von vielen Faktoren ab und nicht nur von der reinen Entfernung zum Multifunktionsgehäuse ab. Im Internet sind genug Fälle zu finden, die nicht einmal stabil 50 Mbit/s bekommen können, obwohl sie so nah am MFG sind, dass 100 Mbit/s möglich sein sollten. Hier spielt v.a. die Qualität des Kupferkabels (z.B. Anzahl an Flickstellen) eine entscheidende Rolle.

Schaut man sich obige Karte genauer an, sieht man sowohl im Zentrum von Leonberg als auch im Gewerbegebiet Hertich eine große Lücke klaffen, hier noch einmal vergrößert:
Screenshot der Telekom-Webseite: VDSL-Ausbau geplant bis zu 100 Mbit/s
Nahbereich Leonberg: Dabei handelt es sich um den sogenannten Nahbereich, d.h. um die Gebäude, die direkt an die Vermittlungsstelle der Telekom bei der Post angeschlossen sind, für die es also kein extra Multifunktionsgehäuse gibt. Für diese Gebäude könnte die Telekom technisch ohne weiteren Ausbau Vectoring anbieten. Wo liegt das Problem? Die Wettbewerber der Telekom haben dagegen geklagt. Das Verwaltungsgericht Köln hat im März 2017 die Klage abgewiesen. Ein Teil der Kläger ist daraufhin in Revision gegangen, die Entscheidung steht noch aus. Wann Vectoring im Nahbereich also verfügbar sein wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Schätzungen gehen von 1-3 Jahren aus!

Gewerbegebiet Hertich: Vectoring ist hier über die Telekom nicht geplant. Jedoch ist im Hertich teilweise Glasfaser durch die Sparkassen-IT, 1&1 Versatel und Globalways verfügbar. Wir haben der Stadt bereits eine Idee für flächendeckendes Glasfaser im Hertich zukommen lassen.

Sie sehen, der Vectoring-Ausbau ist mit einigen Fallstricken verbunden. Wir hoffen natürlich, dass sich für möglichst viele Haushalte mit diesem Ausbau die Situation deutlich verbessert. Man darf aber nicht verschweigen, dass für einen gewichtigen Teil mit diesem Ausbau das Ende der Fahnenstange erreicht ist und durch Super-Vectoring voraussichtlich keine weitere Verbesserung zu erzielen ist. Daher lohnt es sich weiter für echtes Glasfaser bis in die Gebäude zu kämpfen und uns zu unterstützen. Damit wären alle in diesem Artikel erwähnten Probleme auf einen Schlag gelöst.

Treffen mit Klaus Brenner

Am 18.09. haben wir uns mit Herrn Klaus Brenner, Bürgermeister der Stadt Leonberg und OB-Kandidat für die Wahl am 24.09., getroffen, um mit ihm über das Thema Glasfaser und Breitbandversorgung in Leonberg zu sprechen. Unser Anliegen war es herauszufinden, welche Positionen Herr Brenner zu dem Thema vertritt und welche Lösungen er unterstützen würde. Das Treffen fand im Allegre in der Römergalarie statt.

 

 

 

Wie bewerten Sie den Vectoring-Ausbau der Telekom?
Als kurzfristige Lösung ist es der richtige Weg. Es darf am Ende aber nur eine Brückentechnologie sein.

Wie sehen Sie die Breitbandversorgung in Leonberg?
Ich kenne die Probleme in der Stadt, habe früher selbst im Ramtel gewohnt, wo die Versorgung sehr schlecht ist, wie in anderen Stadtteilen auch. Leonberg ist hier derzeit schlecht aufgestellt. Dies stellt nicht nur für die Bürger, sondern vor allem auch für die Unternehmen ein Problem dar.

Für wie wichtig, notwendig und dringlich halten Sie den Glasfaserausbau?
Die Fertigstellung des Vectoring-Ausbaus der Telekom darf nicht erst abgewartet werden, es muss sofort losgelegt werden. Zunächst braucht man eine Bestandsaufnahme der bestehenden Infrastruktur: Wo liegt bereits welche Infrastruktur (z.B. Leerrohre), wo sind Lücken, wie können diese Informationen sinnvoll genutzt und kombiniert werden. Dieser Plan muss dann analysiert und zu einer flächendeckenden Planung ausgearbeitet werden – der sog. Masterplan. Das muss möglichst bald passieren. Dafür gibt es auch Fördermittel. Optimistisch betrachtet können wir das Ziel einer flächendeckenden Glasfaserversorgung in 8 Jahren erreichen.

Ist eine flächendeckende Glasfaserversorgung Aufgabe der öffentlichen Hand oder sollte sie der Privatwirtschaft überlassen werden?
Das muss im Zuge des Masterplans analysiert werden, auch von Fachleuten, die man sich dazu holt. Denkbar sind beide Wege. Man muss über alle Wege offen sprechen um das beste für Leonberg herauszuholen. Im Rathaus muss das Thema auch interdisziplinär angesiedelt werden: Wirtschaftsförderung, Tiefbauamt und Kämmerei müssen hier zusammen arbeiten. Wichtig ist auch, den Gemeinderat mitzunehmen.

Die Stadtwerke Ludwigsburg bauen flächendeckend Glasfaser aus – auch ein Modell für Leonberg?
Mit der LEO-Energie haben wir einen Partner, mit dem wir vergleichbares umsetzen können. Wichtig ist auch, auf Erfahrungen, die andere Städte gemacht haben, aufzubauen und sich mit den anderen Kommunen, z.B. Ludwigsburg oder auch Sindelfingen, auszutauschen. Bei so einer hohen Investition bleibt aber auch immer ein Restrisiko.

Der Ruf nach Glasfaser wird oft schnell mit dem Argument abgetan, dass man beihilferechtlich nichts machen könne. Stimmt das?
Grundsätzlich wird das Argument seine Richtigkeit haben. Das heißt aber nicht, dass man keine Wege finden muss, Wege zu finden. Man muss sich juristischen Rat holen und prüfen, was machbar ist und was nicht. Aufgrund von Bedenken nichts zu machen, ist falsch.

Würden Sie die Markterkundung durch einen Privatanbieter, beispielsweise die Deutsche Glasfaser, zu der wir in Kontakt stehen, unterstützen?
Da wär ich sofort dabei. Man muss alle Wege und Möglichkeiten ausloten und prüfen. Dabei muss jede Kontaktmöglichkeit genutzt werden.

 
Herr Brenner hat betont, dass der Austausch – auch mit Fachleuten – wichtig ist. Er möchte, egal ob als Bürgermeister oder Oberbürgermeister, auf unser Know-How, unsere Erfahrung und unsere Kontakte zurückgreifen und das Projekt Glasfaser mit uns aktiv gestalten. Wir bedanken uns für das angenehme und sehr konstruktive Gespräch und dafür, dass der Termin so kurzfristig und unkompliziert zustande kam.

Treffen mit Inge Horn

Am 10.08. haben wir uns mit Frau Inge Horn, geschäftsführende Gesellschafterin einer Projektgesellschaft und OB-Kandidatin für die Wahl am 24.09., getroffen, um mit ihr über das Thema Glasfaser und Breitbandversorgung in Leonberg zu sprechen. Unser Anliegen war es herauszufinden, welche Positionen Frau Horn zum Thema vertritt und welche Lösungen sie unterstützen würde. Das Treffen fand im Allegre in der Römergalarie statt.

 

 

Wie bewerten Sie den Vectoring-Ausbau der Telekom?
Der Vectoring-Ausbau ist zunächst besser als nichts und schafft für viele Betroffene kurzfristig Abhilfe. Aber Vectoring ist auch eine „Krücke“ und keine nachhaltige Lösung. Es ist definitiv nicht das, was wir in der heutigen Zeit wollen. Es ist daher schon mutig, den Vectoring-Ausbau als Innovation und Fortschritt hervorzuheben.

Wie sehen Sie die Breitbandversorgung in Leonberg?
Leonberg hat einiges aufzuholen. Glasfaser ist heute unabdingbar. Wir brauchen einen Masterplan, damit wir das Thema sukzessive entwickeln können. Bei der Ersterschließung von Gebieten muss gleich Glasfaser gelegt werden. Bei allen Baumaßnahmen, beispielsweise der Verlegung von Gas- oder Wasserleitungen, muss möglichst eine Miterschließung mit Glasfaser erfolgen. Ich werde alles daran setzen, dass in Leonberg sofort mit dem Ausbau des Breitbandnetzes begonnen wird und hoffe, dass wir sehr schnell vorankommen und schon nach 5 Jahren Erfolg melden können.

Für wie wichtig, notwendig und dringlich halten Sie den Glasfaserausbau?
Schnelles Internet, also Glasfaser bis in die Gebäude, ist ein wesentlicher Bestandteil des Themas „wirtschaftsstarkes Leonberg“. Ich habe im Rahmen der Stadtentwicklung in Neu-Ulm als Projektleiterin Konversion bereits 1997 die Verlegung von Glasfaser bis in die Gebäude umgesetzt. Was damals noch als Innovation galt, ist heute zwingende Voraussetzung für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort. Wir brauchen wirtschaftsstarke Unternehmen. Dazu brauchen wir entsprechende Rahmenbedingungen – und dazu zählt u. a. Glasfaser. Es ist aber auch ein ökologisches Thema, weil wir durch die Möglichkeiten des Homeoffices und zunehmende Digitalisierung Straßenverkehr vermeiden.

Ist eine flächendeckende Glasfaserversorgung Aufgabe der öffentlichen Hand oder sollte sie der Privatwirtschaft überlassen werden?
Hier gibt es keine Denkverbote. Ich würde mir wünschen, das Thema unter die Fittiche der Stadtwerke zu legen. Eine Umsetzung mit einem privaten Investor wäre auch vorstellbar. Aber ich glaube mit den Stadtwerken haben wir die Infrastruktur besser unter Kontrolle.

Die Stadtwerke Ludwigsburg bauen flächendeckend Glasfaser aus – auch ein Modell für Leonberg?
Man muss den Schritt machen: Wir haben die Stadtwerke und die LEO Energie, die heute sicher nicht das leisten, was sie könnten. Andere Städte bzw. Stadtwerke nutzen gezielt Modernisierungsmaßnahmen im Anschlussbereich, um Glasfaseranschlüsse zu legen. Aber auch bei der Ersterschließung von Gebieten müssten die Stadtwerke ihr Potential nutzen und Glasfaseranschlüsse im Erschließungspaket mit anbieten. Ein positives Beispiel hierfür ist die Stadt Aalen.

Der Ruf nach Glasfaser wird oft schnell mit dem Argument abgetan, dass man beihilferechtlich nichts machen könne. Stimmt das?
Die vielen positiven Beispiele aus Baden-Württemberg zeigen, dass es beihilferechtlich möglich ist, das Glasfasernetz durch die Stadtwerke umzusetzen. Man muss das genau prüfen. Nichts zu machen, weil man Angst vor einem solchen Projekt hat, ist kein Weg.

Würden Sie die Markterkundung durch einen Privatanbieter, beispielsweise die Deutsche Glasfaser, zu der wir in Kontakt stehen, unterstützen?
Ja. Sie können von mir erwarten, dass ich offen bin. Solche Gespräche sind wichtig, um alle Möglichkeiten auszuloten.

 

Zum Abschluss des Gesprächs hat Frau Horn hervorgehoben, dass Sie das Engagement der Bürgerinitiative „Glasfaser für Leonberg“ sehr schätzt. Frau Horn setzt auf das Thema Dialog und möchte gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und den ehrenamtlich Engagierten die Stadt weiterentwickeln. Dabei möchte Sie Wissen und Kompetenzen – auch aus der Bürgerschaft – bündeln. Wir haben betont, dass wir gerne bereit sind mit unserem Wissen zu helfen. Wir bedanken uns für die Zeit und das Vertrauen in unsere Bürgerinitiative.

Treffen mit Martin Kaufmann

Am 24.07. haben wir uns mit dem Bürgermeister der Gemeinde Rudersberg und OB-Kandidaten für die Wahl am 24.09., Herrn Martin Kaufmann getroffen, um über das Thema Glasfaser und Breitbandversorgung in Leonberg zu sprechen. Unser Anliegen war es herauszufinden, wie Herr Kaufmann zum Thema steht und welche Lösungen er unterstützen würde. Das Treffen fand im Domizil am Marktplatz statt.

 

 

Wie bewerten Sie den Vectoring-Ausbau der Telekom?
Der Vectoring-Ausbau, so wie er aktuell auch in Rudersberg stattfindet, ist erst einmal positiv zu bewerten, da er eine Verbesserung der Versorgung bringt. Vectoring kann aber nur eine Übergangslösung für die nächsten 5-10 Jahre sein.

Wie sehen Sie die Breitbandversorgung in Leonberg?
Breitband ist der falsche Begriff, der Begriff ist veraltet. Wir sprechen heute vom Glasfaserausbau. Glasfaser ist kein Standortvorteil, sondern eine notwendige Versorgungssituation. Stand heute müssten wir eigentlich Glasfaser haben.

Ist eine flächendeckende Glasfaserversorgung Aufgabe der öffentlichen Hand oder sollte sie der Privatwirtschaft überlassen werden?
Beide Wege sind denkbar. Alles, was am Ende zum Ziel führt, muss unterstützt werden.

Auch in Ludwigsburg bauen die Stadtwerke nun ein Glasfasernetz. Ein Modell für Leonberg?
Wir müssen zuerst eine Markterkundung zum FTTH-Ausbau vornehmen. Es werden alle Anbieter abwinken, dann kann Leonberg die Ausarbeitung eines Masterplans in Auftrag geben. Es müssen Cluster gebildet werden, die mit wirtschaftlichen, zeitlichen und finanziellen Faktoren hinterlegt werden. Die Cluster müssen dann sukzessive abgearbeitet werden, Gewerbegebieten müssen sicher zunächst bevorzugt behandelt werden, da hier der Leidensdruck am größten ist. Die Umsetzung muss durch einen Generalunternehmer erfolgen, das ist aus Gewährleistungsgründen wichtig. Entweder muss eine eigene Gesellschaft gegründet werden, oder man kann das Projekt auch in der LEO Energie GmbH & Co. KG andocken.

Derzeit sind zwar keine Fördergelder verfügbar, es ist aber davon auszugehen, dass dies in den nächsten drei bis vier Jahren der Fall sein wird. Es kann aber nicht sein, dass wir erst warten bis Fördergelder bekommen, und dann erst mit der Planung beginnen. Nach dem Motto „lass es so laufen“ darf es auf gar keinen Fall passieren.

Eventuell muss eine Anschlussgebühr bezahlt werden, so wie es bei Wasser, Gas und Strom üblich ist. Diese Gelder erleichtern eine wirtschaftliche Umsetzung. Außerdem kann mit den Stadtwerken ein steuerlicher Querverbund gebildet werden, der insgesamt wirtschaftliche Vorteile bringt. Wenn wir allerdings bei dieser Frage angelangt sind, haben wir unser Ziel erreicht. Daran scheitern soll es nicht.

Der Ruf nach Glasfaser wird oft schnell mit dem Argument abgetan, dass man beihilferechtlich nichts machen könne. Stimmt das?
Das Beihilferecht ist bei dem oben beschriebenen Weg kein Thema.

Würden Sie die Markterkundung durch einen Privatanbieter, beispielsweise die Deutsche Glasfaser, zu der wir in Kontakt stehen, unterstützen?
Ja, alles was uns voranbringt, muss unterstützt werden. Wenn ein Anbieter den Ausbau ohne Kosten für Stadt und die Haushalte umsetzt, wäre das noch besser. Es könnten sich auch Kooperationsmöglichkeiten mit den Stadtwerken ergeben, dass z.B. die Stadtwerke die Wirtschaftlichkeitslücke füllt.

 

Zum Abschluss des Gesprächs hat Herr Kaufmann betont, dass bürgerliches, ehrenamtliches Engagement für die Funktion einer Stadt wichtig ist und damit auch unsere Bürgerinitiative. Er möchte das Thema mit uns gemeinsam gestalten und zum Ziel bringen, allein weil in unserer Bürgerinitiative die Experten sitzen. Wir bedanken uns für die Zeit und den Vertrauensvorschuss.

Treffen mit Dr. Ulrich Vonderheid

Am 20.07. haben wir uns mit dem Ersten Bürgermeister der Stadt Leonberg und dem OB-Kandidaten für die Wahl am 24.09., Herrn Dr. Ulrich Vonderheid getroffen, um über das Thema Glasfaser und Breitbandversorgung in Leonberg zu sprechen. Unser Anliegen war es herauszufinden, wie Herr Vonderheid zum Thema steht und welche Lösungen er unterstützen würde. Als Gast hat er den Geschäftsführer der Stadtwerke Sindelfingen, Herrn Dr. Karl-Peter Hoffmann, mitgebracht, den Herr Vonderheid als „Breitbandguru“ bezeichnet hat und in ihm ein Vorbild sieht. Das Treffen fand im Domizil am Marktplatz statt.

 

Wie bewerten Sie den Vectoring-Ausbau der Telekom?
Vectoring ist allenfalls ein Placebo, der vielleicht die nächsten Jahre funktioniert. Es stellt sich aber die Frage, was danach ist. Kupfer hat hier keine Zukunft. Wie sehen Sie die Breitbandversorung in Leonberg? Leonberg liegt hier massiv im Rückstand und befindet sich, so auch Herr Hoffmann, in einer „steinzeitlichen Phase“. Auch gibt es in Sachen Breitband zwischen den Kommunen einen Wettbewerb. Für viele Unternehmen ist eine Glasfaseranbindung schon heute „Standortentscheidung im ersten Schritt“. Dieser Trend wird weiter zunehmen, auch im Privatbereich. Es wird zunehmend schwieriger werden, Immobilien ohne Glasfaseranschluss zu verkaufen bzw. im Wert zu erhalten.

Ist eine flächendeckende Glasfaserversorgung Aufgabe der öffentlichen Hand oder sollte sie der Privatwirtschaft überlassen werden?
Mit einem Glasfasernetz lässt sich Geld verdienen. Das zeigt eindrucksvoll das Beispiel Sindelfingen. Herr Hoffmann führt aus, dass die Stadtwerke seit 2008 Glasfaser bis ins Gebäude (FTTH) verlegen und nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile schwarze Zahlen schreiben. Daher sollte man allein aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten das Glasfasernetz selbst aufbauen. Den Ver- und Betrieb müssen aber andere übernehmen.

Auch in Ludwigsburg bauen die Stadtwerke nun ein Glasfasernetz. Ein Modell für Leonberg?
Unbedingt. Aus dieser Motivation heraus war Herr Hoffmann als Experte mitgebracht worden. Die Stadtwerke Leonberg, genauer gesagt die LEO Energie GmbH & Co. KG, die zu 51% den Stadtwerken und zu 49% der EnBW gehört, wäre prädestiniert dafür eine passive Glasfaserinfrastruktur (sog. Dark-Fiber-Netz) aufzubauen. Gerade im Bereich Erneuerbare Energien und SmartMeter sind Stromnetz und Datennetz untrennbar miteinander verknüpft. Betreiben muss dieses Netz dann ein geeigneter Anbieter. Hier gibt es beispielsweise mit der NetCom BW, eine Tochtergesellschaft der EnBW, bereits einen Partner. Letztlich muss das Netz aber als sog. OpenAcess-Netz betrieben werden, d.h. jeder Anbieter – auch die Telekom – darf sich in das Netz einmieten und seine Internetdienste anbieten. Übrigens: Bereits 2014 wurde genau das von Herrn Vonderheid vorgeschlagen. Man hatte sogar schon konkrete Pläne ausgearbeitet, die NetCom BW hatte ihr OK gegeben und selbst über die Finanzierung war man sich einig. Leider hat die derzeitige Rathausspitze die Pläne letztendlich als nicht notwendig abgelehnt. Aus Sicht der Bürgerinitiative eine eklatante Fehlentscheidung und Fehleinschätzung. Mit einem neuen Oberbürgermeister könnte man die Ampel wieder auf grün stellen. Leider hat man hier viel Zeit verloren.

Der Ruf nach Glasfaser wird oft schnell mit dem Argument abgetan, dass man beihilferechtlich nichts machen könne. Stimmt das?
Als pauschale Aussage ist diese falsch. Die Beihilfe-Thematik ist bekannt, löst das Problem aber nicht. Es ist sicher ein komplexes Thema und man bewegt sich teilweise in Grauzonen. Es gibt aber genug Modelle, bei der die Stadt bzw. die Stadtwerke, die als Rechtsperson sowieso nicht trennbar sind, Geld für ein Glasfasernetz in die Hand nehmen dürfen. Herr Hoffmann kann diesem zustimmen. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise eine Kapitalerhöhung der LEO Energie GmbH & Co. KG. Diese ist beihilferechtlich unbedenklich. Die Stadt könnte den Privathaushalten und Unternehmen aber auch einen Zuschuss für mögliche Anschlusskosten zahlen, dieser Weg ist als das Marburger Modell bekannt. Darüber hinaus sind noch andere Maßnahmen denkbar. Wenn man es geschickt macht, ist das Beihilferecht kein Hinderungsgrund, so die Grundaussage.

Würden Sie die Markterkundung durch einen Privatanbieter, beispielsweise die Deutsche Glasfaser, zu der wir in Kontakt stehen, unterstützen?
Der Glasfaserausbau über die Stadtwerke ist klar zu bevorzugen, allein weil man sich die Einnahmen nicht entgehen lassen sollte und so das Netz in kommunaler Hand ist. Als Plan B ist es aber eine Option und zu Gesprächen ist man immer bereit. Vielleicht ergeben sich ja auch Kooperationsmöglichkeiten.

 

Abschließend hat Herr Vonderheid seine volle Unterstützung der Bürgerinitiative und seinen Dank zum Ausdruck gebracht und uns zum Weitermachen und nicht Lockerlassen ermutigt. Für das entgegengebrachte Vertrauen und die Zeit möchten wir uns noch einmal herzlich bedanken.

Stellungnahme: LKZ-Artikel vom 7.7.

In der Leonberger Kreiszeitung ist am 07.07.2017 ein Artikel über den Vectoring-Ausbau der Telekom erschienen: Vom Schotterweg zur Autobahn. Wir möchten als Bürgerinitiative zu einigen getroffenen Aussagen in dem Artikel folgende Stellungnahme abgeben.

Im Artikel wird die Frage gestellt, wie es mit dem Glasfaserkabel bis zum Kunden aussieht, wie es von Teilen des Gemeinderats gefordert wird. Verschwiegen wird, dass nicht nur Teile des Gemeinderats Fiber To The Building/Home (FTTB/H) – also Glasfaser bis ins Gebäude – fordern, sondern auch wir als Bürgerinitiative und all unsere Unterstützer.

Weiterhin wird Herr Schuler mit den Worten zitiert „Das [= Glasfaser bis ins Gebäude, Anmerkung von uns] benötigen nur wirklich wenige, so wie nicht jeder ein Auto mit 500 PS braucht“. Automobil-Vergleiche sind im IT-Umfeld sehr beliebt, man sollte sie aber zu Ende denken: Jede/r kann beim Kauf selbst entscheiden, ob ein Auto 100 oder 500 PS haben soll. Beim Internet soll unser Bedarf aber nun fremdbestimmt werden? Das ist nicht nachvollziehbar. Außerdem werden 100 PS in 5, 10 und 100 Jahren genauso ausreichend sein wie heute. Es bestreitet aber heute niemand mehr ernsthaft, dass der Bedarf an Bandbreite steigen wird.
Auch der Aussage, dass es wenige brauchen, muss widersprochen werden. Rund 1500 Bürgerinnen und Bürger, die uns unterstützen, können nicht als ‚wenige‘ bezeichnet werden. Dass Unternehmen, Selbständige, Freiberufler und Arbeitnehmer im Home-Office mehr Bandbreite benötigen als Kupfer leisten kann, ist ebenfalls unumstritten.

Weiter wird ausgeführt, dass ab 2018 über Super-Vectoring 200 MBit/s möglich seien. Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Denn flächendeckend werden 200 MBit/s nicht erreicht werden. Alle Haushalte, die mehr als ca. 300 m vom Verteilerkasten entfernt sind, werden nicht in diesen „Genuss“ kommen. Übrigens: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie empfiehlt bereits heute 250 MBit/s im Download für Home-Office und Cloud-Computing. Mit Vectoring und Super-Vectoring bekommen wir nicht nur eine nicht-flächendeckende Lösung, wir laufen der Entwicklung des Internets weiter mit großem Abstand hinterher.

Völlig unerwähnt bleibt zudem die Tatsache, dass sich der Upload durch Super-Vectoring im Vergleich zum Vectoring faktisch nicht verbessert (von 40 auf 50 Mbit/s). Für Unternehmen, Home-Office und Cloud-Computing sind symmetrische Bandbreiten bereits heute notwendige Voraussetzung. Nur durch Glasfaser bis ins Gebäude lassen sich zeitgemäße Uploadraten umsetzen: Glasfasernetze bieten die Möglichkeit von gleich hohen Up- und Downloadraten.

Weiterhin werden die hohen Kosten eines Glasfaserausbaus bis ins Gebäude genannt und es positiv hervorgehoben, dass durch den Telekom-Ausbau der Stadt keine Kosten entstehen. Aber: Nicht nur der Ausbau der Telekom, auch ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaser, lässt sich grundsätzlich ohne Kosten für die Stadt und die Bürger umsetzen. Noch besser: Die Stadt könnte im Idealfall mit einer Investition direkte Einnahmen generieren, zumindest aber kostendeckend operieren und indirekte Einnahmen generieren. Dazu muss die Stadt sich aber dem Thema Glasfaser öffnen. Ein Schönreden von VDSL, Vectoring und Super-Vectoring hilft Leonberg nicht weiter.

Wir verfolgen das Thema seit geraumer Zeit. Beobachtet man die Medienlandschaft und die wirtschaftlichen und politischen Debatten, stellt man fest, dass sich das Bild und die Meinung gewandelt haben: Die Kritik am Vectoring wird lauter, der Ruf nach flächendeckendem Glasfaser ebenso. Erst gestern hat der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Landkreis Böblingen beschlossen, „eine flächendeckende Versorgung aller Unternehmen und Privathaushalte mit Glasfaser (FTTB- bzw. FTTH-Versorgung)“ anzustreben (TOP 3).  Dieser Entwicklung kann sich die Stadt Leonberg nicht dauerhaft entziehen. Wir erwarten, dass die Stadt Leonberg diesem Beschluss folgt und ihn uneingeschränkt unterstützt.

Infoveranstaltung in Backnang

„Glasfaser, Glasfaser, Glasfaser“

Unter diesem Motto stand die Infoveranstaltung der Stadt Backnang, zu der der Wirtschaftsförderer der Stadt, Herr Dr. Ralf Binder, am 27.06.2017 eingeladen hatte. Auf Netzbetreiberseite waren eingeladen: Die Deutsche Telekom, Unitymedia, Vodafone/Deutsche Glasfaser und der Regionalanbieter WisoTEL. Wir von der Bürgerinitiative waren auch vor Ort um uns die Präsentationen der Netzbetreiber anzuhören, Kontakte zu knüpfen und uns die Strategie von Backnang anzusehen.

Nach einer kurzen Eröffnungsrede durch den Oberbürgermeister hat Herr Binder einen Überblick über die Versorgungssituation in Backnang gegeben. Ähnlich zu Leonberg ist Backnang hauptsächlich über die Telekom und Unitymedia versorgt, wobei die Telekom bereits vor 3 Jahren Backnang mit VDSL und Vectoring versorgt hat, also derselben Technik, die Leonberg nächstes Jahr bekommen soll. Seit dem ist aber nichts mehr passiert und es gibt noch unterversorgte Gebiete. Die Stadt Backnang hat die dringende Notwendigkeit und den Standortvorteil einer flächendeckenden Glasfaserversorgung bis in die Gebäude erkannt.

Zitat: „Kupfer wird in Zukunft nicht mehr funktionieren.“

Daher war auch zentrale Frage der Veranstaltung an die vier anwesenden Anbieter: Was tun diese Anbieter, die in der Stadt ja auch ihr Geld verdienen, um Backnang flächendeckend mit Glasfaser zu versorgen. Und was kann die Stadt, was kann jeder Bürger tun um dieses Ziel zu erreichen.

Jeder geladene Netzanbieter hatte nun die Möglichkeit sich in einem 15-minütigen Vortrag zu präsentieren. Hier die Inhalte der Vorträge kurz zusammengefasst:

Deutsche Telekom:

  • Die Telekom setzt beim Ausbau vorerst weiter auf kupferbasierte Lösungen (VDSL und Vectoring). Als nächster Schritt sollen dabei Super-Vectoring und G.fast zum Einsatz kommen.
  • Langfristig geht auch die Telekom von der Notwendigkeit von Glasfaseranschlüssen aus.
  • Konkrete Pläne und Termine für die jeweiligen Ausbaustufen wurden nicht genannt. Auch die Abhängigkeit der Geschwindigkeit von der Länge der Leitung wurde nicht erwähnt.

Unitymedia:

  • Die Unitymedia setzt weiter auf die Glasfaser-Coax-Technik.
  • In den nächsten 1-2 Jahren möchte man darüber 1 Gbit/s im Download für alle Bestandskunden anbieten.
  • Die Nachteile der Glasfaser-Coax-Technik wie „shared medium“ (alle Haushalte am selben Knotenpunkt teilen sich die verfügbare Bandbreite) und geringe Upload-Raten wurden nicht erwähnt.
  • Ausbaupläne für nicht erschlossene Gebieten wurden nicht vorgestellt.

Vodafone:

  • Vodafone hat sich zur Strategie gemacht, Gewerbegebiete mit Glasfaser zu Versorgen und arbeitet dabei mit einem Investitionspartner zusammen, der sich später als die Deutsche Glasfaser herausstellte.
  • Bei erfolgter Interessenbündelung mit ausreichend Nachfrage stellt Vodafone hier einen Ausbau innerhalb von 12 Monaten in Aussicht.
  • Vodafone setzt mit dem Motto „einmal, aber dann richtig machen“ auf reine glasfaserbasierte Lösungen mit symmetrischen Bandbreiten.
  • Vodafone sieht vor allem auch wegen der deutlichen Zunahme an Homeoffice-Arbeitsplätzen und den Freiberuflern die Notwendigkeit auch Wohngebiete mit Glasfaser zu erschließen. In den letzten 5 Jahren nahm die Zahl der Homeoffices um 10% zu.

WisoTEL:

  • Die Firma WisoTEL ist überwiegen im Gebiet in und um Backnang tätig. Dort unterhält WisoTEL bisher Netze mit gemischter Kupfer-/Glasfaserinfrastruktur.
  • Im privaten Bereich werden VDSL-Anschlüsse mit Vectoring angeboten. WisoTEL gibt dabei ein Versprechen ab: Der Kunde zahlt nur für die Bandbreite, die er auch bekommt.
  • Im gewerblichen Bereich bietet WisoTEL individuelle Lösungen an und setzt dabei auf Glasfaser.
  • Auch in Leonberg unterhält WisoTEL ein Glasfasernetz: Die Hochhäuser am Leo-Center sind durch WisoTEL erschlossen.

 

Im Anschluss an die Vorträge schloss sich eine Fragerunde an. Zwei Fragengebiete möchten wir hier erwähnen:

  • Wie stehen die Chancen bei einer Interessenbündelung? Würde bei ausreichender Nachfrage eine Erschließung stattfinden?

Antwort Unitymedia: Unitymedia prüft jede Anfrage nach Aspekten der Wirtschaftlichkeit. Es klang an, dass Anfragen auf nachträgliche Erschließungen oft aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgelehnt. Unitymedia ist sehr darauf bedacht, dass Aktivitäten in die Unternehmensstrategie passen. Bürger aus dem Publikum haben von ihren Erfahrungen berichtet, dass derartige Anfragen bereits gestellt und jeweils abgelehnt wurden. Auch wir von der Bürgerinitiative können diese Erfahrung bestätigen.

Antwort Deutsche Telekom: Die Telekom verweist auf das Produkt „Mehr Breitband für mich (MBfm)“. Im Rahmen dieses Angebots bietet die Telekom Glasfaseranschlüsse an. Jedoch müssen die Ausbaukosten, die je nach Entfernung zum Multifunktionsgehäuse mehrere Zehntausend Euro betragen, vollständig durch den Kunden getragen werden.

  • Werden Straßenbauarbeiten der Stadt genutzt, um Glasfaserkabel kostengünstig in die Gebäude zu bringen?

Antwort Unitymedia: Wie in der vorherigen Frage erwähnt prüft die Unitymedia auch bei Straßenarbeiten die Wirtschaftlichkeit, allerdings nur auf Anfrage. Ist die Straße bereits mit Coax-Kabel versorgt, also Kupfer, findet keine Überbauung mit Glasfaser statt.

Antwort Deutsche Telekom: Die Telekom nutzt Straßenbauarbeiten aktuell nicht um die Gebäude direkt mit Glasfaser zu versorgen.

 

Am Ende der Veranstaltung sind mit den Vertretern der Vodafone aus Weilimdorf und dem Geschäftsführer der WisoTEL aus Backnang ins Gespräch gekommen. Wir konnten uns zu folgenden Aspekten austauschen:

Vodafone/Deutsche Glasfaser

  • Vodafone unterhält im gewerblichen Bereich bereits Infrastruktur in Leonberg, ist also bereits vor Ort.
  • Investitionspartner der Vodafone ist die Deutsche Glasfaser, die flächendeckende Erschließungen mit Glasfaser vorantreibt, auch in Wohngebieten.
  • Beim Ausbau setzt die Deutsche Glasfaser auf ein konventionelles, mindertiefes Verlegeverfahren (Youtube-Video). Dabei kommt ein Spezialbagger mit einer Minischaufel zum Einsatz, der einen flachen Graben aushebt – normalerweise im Gehwegbereich: Die Bauarbeiten werden also auf ein Minimum beschränkt. Das umstrittene Microtrenching wird nicht eingesetzt.

Der Vertreter der Vodafone bedankte sich für den Impuls durch die Bürgerinitiative und hat versprochen einen Kontakt zur Deutschen Glasfaser herstellen, um die Ausbauoptionen für Leonberg zu prüfen.

Die Zusammenarbeit von Vodafone und der Deutschen Glasfaser bewerten wir als zukunftsweisend, da hier die Vodafone als erfahrener Telekommunikationsanbieter mit einem innovativen und dynamischen Unternehmen zusammenarbeitet.

 

WisoTEL

  • WisoTEL könnte sich grundsätzlich vorstellen als Ausbaupartner von Stadtwerken – konkret haben wir die Leonberger Stadtwerke in Spiel gebracht – aktiv zu werden.

Wir werden mit WisoTEL in Kontakt bleiben, um die Optionen für einen Ausbau in Leonberg zu diskutieren.

 

Fazit der Veranstaltung

Backnang hat die Notwendigkeit flächendeckender Glasfasernetze erkannt und wird diesen nach allen Möglichkeiten aktiv vorantreiben. Weder die Deutsche Telekom noch Unitymedia hatten konkrete Pläne im Gepäck, um dieses Ziel zu erreichen. Vodafone/Deutsche Glasfaser und WisoTEL hingegen stehen Ausbauoptionen offen gegenüber, Vodafone konnte bezogen auf Gewerbegebiete eine konkrete Aussage treffen.

Aufnahme als Agenda-Gruppe

Mit diesem Blog-Eintrag möchten wir über den aktuellen Stand unserer Aktivitäten informieren.

Am Donnerstag wurden wir als Agenda-Gruppe in die Lokale Agenda 21 der Stadt Leonberg aufgenommen. Die Arbeiten der Agenda-Gruppe werden sich auf einen Beratungsservice zum Thema Vectoring-Ausbau und Glasfaser konzentrieren. Details folgen in Kürze im Rahmen der Agenda-Gruppe. Außerdem haben wir viele Gespräche geführt, unter anderem mit der Stadtverwaltung. Dem Antrag unsere Agenda-Gruppe aufzunehmen wurde mit 100% Zustimmung stattgegeben. Dafür möchten wir uns ausdrücklich bedanken!

Die Telekom hat mittlerweile ihren VDSL-Ausbau für Leonberg angekündigt. Der Ausbau wird für viele eine Verbesserung mit sich bringen, ist aber auf lange Sicht gesehen nicht genug. Der Ausbau ist nicht nachhaltig, heißt, die dann verfügbaren Bandbreiten werden bereits in wenigen Jahren schon wieder zu wenig sein bzw. sind für Unternehmen und Anwendungen wie Home-Office und Cloud-Computing schon heute zu gering. Allein ein flächendeckendes Glasfasernetz (d.h. Glasfaser bis in die Gebäude) bietet die benötigten Bandbreiten und ist beliebig erweiterbar.

Ohne ein flächendeckendes Glasfasernetz katapultiert sich Leonberg ins Abseits, da andere Städte im Umkreis das Thema Glasfaser mit großem Nachdruck angehen. Wir werden dies bald in einer Übersicht zusammenfassen.

Außerdem haben wir eine Einladung zur Mitgliederversammlung der Bürgergemeinschaft Leonberg-Ramtel e. V. wahrgenommen. Dort haben der Wirtschaftsförderer der Stadt Leonberg und der Breitbandberater der Stadt über den VDSL-Ausbau der Telekom berichtet. Wir möchten an dieser Stelle Herrn Schweizer für den sachlichen Vortrag danken. Die lebhaften und kritischen Fragen der Zuhörerschaft zum Vortrag haben gezeigt: Die Anwohner haben ein vitales Interesse an einer schnellen und zukunftsfähigen Internetanbindung.

Mittlerweile haben uns 555 Unternehmen und Haushalte vertreten von rund 1.400 Leonbergerinnen und Leonbergern ihre Stimme gegeben. Wir erfahren nach wie vor Zulauf, viele Bürger und Unternehmen haben erkannt, dass VDSL nicht den Erfordernissen einer modernen und nachhaltigen Infrastruktur entspricht. Wir möchten uns für die breite Unterstützung bedanken!

Wir freuen uns über jede aktive Mithilfe, sei es im Rahmen der Bürgerinitiative oder in der Agenda-Gruppe und laden alle Interessentinnen und Interessenten dazu ein.

Vectoring-Ausbau in Leonberg kommt

Nun ist es offiziell: 12 Jahre, nachdem die Telekom damit begonnen hat ihr Netz auf VDSL auszubauen, wird die Telekom Leonberg mit VDSL und Vectoring versorgen (siehe Pressemitteilung der Stadt). Eine gute Nachricht, die wir grundsätzlich begrüßen.
Nur: Das schnelle Glasfasernetz endet in den Verteilerkästen am Straßenrand. Damit endet leider auch unsere Begeisterung. Denn danach geht es mit den alten, teils schon brüchigen Kupferkabeln weiter in die Gebäude. Was nützt eine frisch asphaltierte, sechsspurige Autobahn, wenn sich diese zwischendrin auf zwei holprige Spuren verengt? Genau, dann bildet sich Stau und der Vorteil der Zeitersparnis durch die freie Fahrt ist dahin. Dasselbe ist leider mit diesem Ausbaukonzept zu erwarten.

Das sieht wohl auch die Telekom ähnlich, denn vorsorglich berichtet man von „bis zu 100 Mbit/s“ bei „mehr als 90% der Anschlüsse“. Nun sind 50 Mbit/s auch „bis zu 100“. Dieser teils große Unterschied zwischen beworbener und tatsächlicher Geschwindigkeit wurde jüngst auch im Jahresbericht Breitbandmessung der Bundesnetzagentur scharf kritisiert. Und was ist mit den restlichen 10% der Nutzer? Die sollen weiter von der modernen Welt entkoppelt sein? Das Minimalziel der Bundesregierung, flächendeckend mind. 50 Mbit/s bis 2018, wird sich damit nicht erreichen lassen. Für Anwendungen wie Home Office und Cloud Computing empfiehlt das Weißbuch Digitale Plattformen des Bundewirtschafsministeriums schon heute 250 Mbit/s (Seite 18). Auch der Upload spielt eine immer wichtigere Rolle. Mit „bis zu 40 Mbit/s“ ist dieser schon jetzt für Home Office und Cloud Computing zu knapp bemessen und wird sich mit dem Nachfolger „Super-Vectoring“ auf lediglich „bis zu 50 Mbit/s“ nur minimal verbessern, und das auch nur im Nahbereich zum Verteilerkasten – also schon nicht mehr flächendeckend.

Deshalb bleiben wir dabei: Der Glasfaserausbau bis zu den Verteilerkästen ist ein erster guter Schritt. Um aber Leonberg fit für die digitale Zukunft zu machen, fordern und fördern wir die Verlegung von Glasfaser bis in die Gebäude. Und darauf wollen wir nicht erneut 12 Jahre warten müssen.

Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin, damit wir auch Ihnen im Büro, im Home Office oder zuhause einen wirklich schnellen Internetanschluss ermöglichen können, der dann auf sehr lange Sicht allen Anforderungen an steigende Datenvolumen gerecht wird.

Interview mit der StZ

Heute ist unter dem Titel „Der Ausbau ist nicht zukunftsfähig“ein Interview mit uns in der Print- und Onlineausgabe des Strohgäu Extras der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten erschienen. Wir haben uns im Interview unter anderem zu den Nachteilen der VDSL-Technik geäußert und haben erläutert, warum wir uns für einen flächendeckenden Glasfaserausbau einsetzen. Das Interview knüpft an einen Beitrag an, der Anfang März veröffentlicht wurde. Darin wurde fälschlicherweise der VDSL-Ausbau in Gerlingen als flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser beschrieben.

Die Leonberger Kreiszeitung will den Artikel demnächst ebenfalls veröffentlichen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Herrn Cakir, der sich als Redakteur die Zeit für längere Gespräche mit uns genommen hat.

Update vom 23.03.2017:
Unser Interview wurde heute auch in der Leonberger Kreiszeitung abgedruckt.

 

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