Kooperation der Region Stuttgart mit der Telekom – Ein erster Kommentar

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben heute das Landesinnenministerium, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und die Deutsche Telekom einen partnerschaftlichen Netzausbau vorgestellt. Folgende Punkte wurden in einer Absichtserklärung vereinbart:

  • Flächendeckende Glasfaserversorgung bis ins Gebäude (FTTH)
  • Ausbau des 4G-LTE-Mobilfunknetzes
  • Vorreiterrolle beim 5G-Mobilfunknetz

Davon betroffen ist die gesamte Region Stuttgart: Die Landeshauptstadt selbst und die fünf umliegenden Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr-Kreis – und damit auch Leonberg. Es ist das erste Kooperationsprojekt der Deutschen Telekom dieser Größenordnung in ganz Deutschland. Das Investitionsvolumen beträgt ca. 1,1 Milliarden Euro. Auch andere Netzbetreiber wurden angefragt, haben aber entweder ein schlechteres oder gar kein Angebot abgegeben. Ohne die genauen Verträge zu kennen, ist es schwer das Projekt umfassend zu bewerten. Wir möchten hier eine Zusammenfassung des Projekts, unseren ersten Eindruck und die nun nötigen Maßnahmen darstellen.

Grob zusammengefasst besteht die Kooperation darin, dass die Ausbaugebiete in zwei Bereiche unterteilt werden: Cluster, die privatwirtschaftlich (von der Deutschen Telekom) und Cluster, die mit Unterstützung der Kommunen ausgebaut werden. Die Deutsche Telekom hat sich verpflichtet, ihre Gebiete eigenwirtschaftlich (d.h. ohne Kosten für die Kommunen) mit FTTH zu versorgen. In den übrigen Gebieten sollen die Kommunen z.B. durch Leerrohrnetze die Wirtschaftlichkeitslücke schließen. Die Deutsche Telekom mietet diese und andere Infrastruktur zur Verlegung ihres FTTH-Netzes an. Das Netz soll insgesamt als Open-Access-Netz geführt werden, sodass sich auch andere Anbieter in das Netz einmieten und ihre Dienste anbieten können.

Um festzustellen, ob ein Gebiet wirtschaftlich ist, bedarf es eines sogenannten Masterplans. Der Masterplan beinhaltet eine genaue Aufstellung, wo Glasfaserkabel benötigt werden, wie sie verlaufen, wie viele Fasern notwendig sind, wie viele und wo Gebäudeanschlüsse notwendig sind und die Standorte der Knotenpunkte, der sogenannte Point-of-Presence, kurz PoP. Anhand dieses Plans können die Kosten für eine FTTH-Verkabelung recht genau kalkuliert werden. Die Deutsche Telekom wird diesen Plan wiederum mit ihrem Wirtschaftlichkeitsmodell verschmelzen und entscheiden, welche Gebiete eigenwirtschaftlich zu erschließen sind bzw. nicht.

Kurz gesagt: Ohne kommunalen Masterplan wird kein Ausbau stattfinden, er ist Grundvoraussetzung für den Ausbau der Deutschen Telekom. Auch Leonberg benötigt also unbedingt einen Masterplan.

Umso erfreulicher ist es, dass jüngst der Gemeinderat am 19. Juni den Sperrvermerk für den Masterplan Breitbandausbau einstimmig aufgehoben hat (Ö16 und Ö16.1). Die LEO Energie soll mit der Vergabe der Masterplanung beauftragt werden. In Vorbereitung dazu haben die beiden Geschäftsführer der LEO Energie zusammen mit uns als Agendagruppe bereits zwei potentielle Dienstleister für die Masterplanung eingeladen, kennen gelernt und Angebote eingeholt, ein dritter Dienstleister soll folgen. Wir arbeiten aktuell daraufhin, dass die Beauftragung noch vor den Sommerferien über die Bühne geht und der Masterplan noch dieses Jahr abgeschlossen werden kann. Nur so kann Leonberg bei dem Kooperationsprojekt ganz vorne mitspielen.

Denn (mindestens) einen Wermutstropfen gibt es leider doch: Als zeitliches Ziel hat man sich gesetzt, bis 2022 90% der Unternehmensstandorte (gut!), aber erst bis 2025 nur 50% und bis 2030 nur 90% der Haushalte ans Glasfasernetz anzuschließen. Dieses Ziel steht damit im klaren Widerspruch zum Ziel der Bundesregierung, Deutschland bis 2025 gigabitfähig zu machen, sogar ein Rechtsanspruch ist im Gespräch. Allerdings ist das Ziel der Bundesregierung bisher nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Hier erwarten wir dringlichst konkrete Maßnahmen, vor allem hinsichtlich Förderung und Lockerungen bei Ausbautechniken, um Engpässen im Tiefbau entgegenzuwirken. Diesbezüglich haben wir Bundes- und Landtagsabgeordnete aus der Region zu einem Arbeitstreffen Glasfaser eingeladen, welches am 20. Juli stattfinden wird.

 

Insgesamt begrüßen wir die Kooperation, eine genaue Bewertung ist aufgrund fehlender Informationen noch schwierig. Uns stellen sich folgende Fragen:

  • Nach welchen Kriterien wird die Wirtschaftlichkeit bewertet und wer legt diese fest?
  • Wer legt die Mietpreise für kommunale Infrastruktur fest, wer für den Open-Access der anderen Netzbetreiber?
  • Wie werden die 179 Städte und Kommunen und die Gebiete beim Ausbau priorisiert?
  • Wie will man den Widerspruch im zeitlichen Ziel im Zusammenhang mit einem drohenden Rechtsanspruch lösen?

Für uns beginnt damit unsere eigentliche Arbeit, denn unser Ziel ist weiterhin eine flächendeckenden FTTH-Versorgung für ganz Leonberg. Wir sehen unsere Aufgabe unter anderem darin, mitzugestalten, dass Leonberg beim FTTH-Ausbau der Deutschen Telekom ganz vorne mit dabei ist und die Leonberger Bürgerinnen und Bürger aufzuklären und den Einstieg in die Glasfaserwelt zu erleichtern.

Schreibt uns doch in den Kommentaren, was ihr von der Kooperation haltet, was ihr euch wünscht und von uns erwartet.

Leonbergs erste Schritte auf den Weg zur Glasfaser

Abseits des eigenwirtschaftlichen Vectoring-Ausbaus der Deutschen Telekom, der sich leider länger hinzieht, sind auch auf städtischer Seite in den letzten Monaten die Weichen auf Glasfaser bis ins Gebäude gestellt. In diesem Artikel fassen wir die Beschlüsse und Geschehnisse seit Amtsantritt von Oberbürgermeister Martin Kaufmann zusammen.

Was hat sich in letzter Zeit getan?

  • Der Gemeinderat hat einstimmig 20.000 EUR für ein Ausbaukonzept und 100.000 EUR für eine Masterplanung (Gesamtkonzept mit Planung der Leerrohre, Kabelwege bis in die Gebäude, Knotenpunkte) zur Verfügung gestellt.
  • Der Finanz- und Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hat einstimmig beschlossen, dass wir als Agenda-Gruppe Glasfaser verstärkt und aktiv mit eingebunden werden.
  • Ein Treffen mit dem Wirtschaftsförderer der Stadt, Benjamin Schweizer, am 01.02.2018 hat gezeigt, dass die Stadt endlich auf flächendeckende Glasfaserversorgung setzt.
  • Herr Oberbürgermeister Kaufmann möchte die Beauftragung der Masterplanung und das Thema Glasfaserausbau in die Hände der Leo Energie GmbH & Co. KG (kurz: Leo Energie, eine Tochter der Stadtwerke) geben.
  • Wir haben uns am 20.03.2018 mit Frau Kägebein, der technischen Geschäftsführerin der Leo Energie, und Herrn Dr. Vonderheid (kaufmännischer Geschäftsführer) zur Abstimmung und für einen gemeinsamen Fahrplan getroffen:
    • Bevor die Leo Energie tätig werden kann, müssen die Gremien der Gesellschaft zustimmen. Die nächste Sitzung ist im Juni.
    • Anschließend soll ein Berater beauftragt werden, der Konzept und Masterplanung auf den Weg bringen soll.
    • Bis Juni ist man aber nicht untätig, sondern wird mit uns potentielle Dienstleister für die Masterplanung sondieren. Wir dürfen Berater vorschlagen.
    • Wir sollen aktiv eingebunden sein, dürfen das Projekt beratend begleiten und sollen bei Entscheidungen mit eingebunden werden.

Wir begrüßen den eingeschlagenen Weg und verstehen, dass das Projekt noch ganz am Anfang steht. Die verlorene Zeit aus der Vergangenheit kann sicher nicht über Nacht aufgeholt werden. Dennoch erwarten wir eine zunehmende Dynamik, hohe Priorisierung und entsprechend rasche Umsetzung von Einzelschritten.

Technik: Glasfaseranschluss kann mitwachsen (aus LKZ)

Im letzten Teil der Serie geht es um reine Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude – dem Ziel, auf das wir gemeinsam mit der Stadt hinarbeiten. Erschienen ist der Artikel in der Leonberger Kreiszeitung am 08.02.2018 – online ist der Artikel noch nicht verfügbar, den Link reichen wir nach.

 

Wird bei Kupferkabeln das Signal über Strom übertragen, kommt bei Glasfaserkabeln Licht zum Einsatz. Dieses kann sich in Glasfaser nahezu ungehindert ausbreiten, weshalb das Signal weniger geschwächt wird. Die Dämpfung ist deutlich geringer als bei Kupferkabeln, außerdem stören benachbarte Kabel das Signal nicht. In Summe kann ein deutlich höherer Frequenzbereich genutzt werden. Geschwindigkeiten von 100 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) sind beim Senden und Empfangen möglich. Die elektrischen Signale der Endgeräte werden dabei in Lichtimpulse umgewandelt, per Glasfaser übertragen und wieder zurückgewandelt.

Glasfaser bis ins Gebäude
Bei reinen Glasfaseranschlüssen führt die Glasfaser bis ins Gebäude, man spricht von FTTB (Fiber to the Building). Für die Erschließung müssen keine Vorgärten aufgegraben werden. Im Normalfall reicht ein kleines Erdloch an der Hauswand, die Verlegung vom Gehweg erfolgt unterirdisch. In der Hauswand ist ein kleines Bohrloch notwendig.

Anschließend muss das schnelle Internet in die Wohnräume verteilt werden. Die konsequenteste Lösung ist, Glasfaserkabel zu legen, man spricht von FTTH (Fiber to the Home). Der Router wird dann direkt an die Glasfaser angeschlossen, die heimischen Endgeräte bleiben unverändert. Beim Verlegen muss lediglich auf die Biegeempfindlichkeit der Glasfaser geachtet werden. Gleichwertig zu FTTH ist eine Netzwerkverkabelung (LAN), die in neueren Gebäuden oft bereits vorhanden ist. Es gibt aber auch die Möglichkeit vorhandene Telefon- oder Antennenkabel zu verwenden: Eine Änderung an der Hausverkabelung ist dann nicht notwendig.

Wer bezahlt das Glasfasernetz?
Glasfaser ist damit von allen vier vorgestellten Techniken die einzig zukunftssichere: Die Bandbreite kann ohne erneute Tiefbauarbeiten an den Bedarf flexibel angepasst werden, symmetrische Bandbreiten sind möglich (Download gleich Upload) und jeder Anschluss erhält technisch die bezahlte Geschwindigkeit. Oft wird gefragt, wer die Erschließung bezahlen soll. Am Ende bezahlt sie der Kunde durch die monatlichen Gebühren – wie bisher auch. Der erschließende Anbieter geht finanziell in Vorleistung. Die aktuelle Niedrigzinsphase kommt hier zu Gute: Das Investment rechnet sich schneller.

Verschiedene Modelle möglich
Denkbar sind zwei grundsätzliche Modelle: Ein Privatanbieter erschließt Leonberg flächendeckend oder die Stadt führt die Erschließung über ihre Stadtwerke selbst durch, dem Vorbild in Ludwigsburg folgend. Eine Kooperation der Stadtwerke mit einem Privatanbieter ist auch denkbar.

Alle uns bekannten Projekte haben gemeinsam, dass in der Ausbauphase bei hinreichend hoher Anschlussquote die Erschließung für den Endkunden kostenfrei ist. Im Idealfall wird das Netz offen gestaltet („Open Access“), d.h. jeder Anbieter kann seine Tarife anbieten. Das beugt einer Monopolbildung vor. Welches Modell für Leonberg in Frage kommt, lässt sich im Moment nicht beantworten. Zu begrüßen ist, dass Stadt und Gemeinderat 120 000 Euro für Beratungsleistung und Masterplanung zur Verfügung stellen.

Aber warum soll man sich einen Glasfaseranschluss legen lassen, wenn die bereits angebotene Bandbreite ausreicht? Das Internet und der Bedarf an Bandbreite wachsen stetig weiter, das hat schon die Vergangenheit stets gezeigt. Nur ein Glasfaseranschluss kann entsprechend schnell mitwachsen. Für die „Digital Natives“ ist ein schneller Internetanschluss so selbstverständlich wie Wasser und Strom. Immobilien ohne Glasfaseranschluss werden sich zukünftig wohl schwerer verkaufen oder vermieten lassen. Und wer nur einen kleinen Tarif mit wenig Bandbreite benötigt, kann diesen ebenfalls bekommen – bleibt aber zukunftsfähig.

Frohe Weihnachten

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende. Auch wenn es lange keinen Blog-Eintrag und Newsletter gab, heißt das nicht, dass wir untätig waren. Mit diesem Blog-Eintrag möchten wir Sie über den aktuellen Stand informieren.

Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Leonberg-Ezach

Am 10.11. durften wir im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Leonberg-Ezach über das Thema Glasfaser und unser Ziel vortragen. Das Publikum zeigte großes Interesse, es wurden viele Fragen gestellt und die abschließende Diskussion zeigte deutlich, wie sehr das Thema der Bevölkerung unter den Nägeln brennt. Aufgrund vieler Parallelveranstaltungen waren leider nur drei Gemeinderäte, Birgit Widmaier (Grüne), Wolfgang Röckle (CDU) und Ottmar Pfitzenmaier (SPD), anwesend. Auch Mitglieder der Lokalen Agenda 21 waren gekommen. Wir erhielten im Anschluss viel positives Feedback, das sich auch in vielen Neueintragungen als Unterstützer wiederspiegelt. Wir planen, den Vortrag auch in anderen Bürgervereinen Leonbergs zu halten. Der Vortrag kann im Download-Bereich heruntergeladen werden.

Beschlüsse in Leonberg

Aus der Stadtverwaltung Leonberg und dem Gemeinderat können erste Erfolge und Schritte in die richtige Richtung vermeldet werden. Durch Gespräche und Aufklärung der Gemeinderäte und Stadtverwaltung haben wir einen aktiven Beitrag dazu geleistet. Hier eine kleine Chronologie:

07.11.: Fast alle Fraktionen beantragen in ihren Haushaltreden Geld für einen Masterplan. Das Thema schnelles Internet und Glasfaser findet sich in allen Haushaltsreden wieder.

11.12.: Im Rahmen der Fraktionssprechstunde haben wir uns im kleinen Sitzungssaal des Rathauses mit den Fraktionen getroffen. 16 Gemeinderäte von CDU, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen, Freie Wähler und FDP waren gekommen (Die Linke hat sich vorab aus Termingründen entschuldigt), um sich gemeinsam mit uns zum Thema Masterplan, Berater und „Stadtwerke-Modell“ auszutauschen. Das Gespräch war sehr offen und konstruktiv und wir sind mit einem positiven Gefühl aus dem Gespräch gegangen. Wir haben zudem unsere aktive Mithilfe angeboten.

13.12.: Der Verwaltungs- und Finanzausschuss beschließt einstimmig 100 000 Euro für die Masterplanung und 20 000 Euro für Beratungstätigkeiten im Haushalt 2018 vorzusehen (mit Sperrvermerk). Dabei ist auch unser Feedback vom 11.12. mit eingeflossen. Zusätzlich wurde einstimmig beschlossen, die Agendagruppe Glasfaser inhaltlich stärker mit einzubinden.

19.12.: Verabschiedung des Haushalts 2018. Im LKZ-Artikel dazu: „Ebenfalls aufgestockt wird auf Antrag der CDU der Etat für den Breitbandausbau. Die ursprünglich vorgesehenen 50 000 Euro hat der Finanzausschuss verdoppelt. Mit diesem Geld soll der Bedarf in der Gesamtstadt ermittelt werden. Weitere 20 000 Euro sind geplant, um ein konkretes Umsetzungsprogramm zu erstellen. Oberbürgermeister Martin Kaufmann möchte hierfür die private Arbeitsgemeinschaft für den Breitbandausbau inhaltlich mit einbinden.“

Wir bedanken uns bei den Gemeinderäten und der Stadtverwaltung für das entgegengebrachte Vertrauen und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Bei Martin Kaufmann bedanken wir uns für das schnelle Umsetzen eines seiner Wahlversprechen.

Umfrage Landkreis Böblingen

Parallel hat der Landkreis Böblingen in den letzten Monaten eine Umfrage unter den Unternehmen geführt, wobei nur gezielt eine Auswahl an Unternehmen angeschrieben wurden. In der Kreistagssitzung vom 18.12. wurde das Ergebnis der Umfrage präsentiert und kann online abgerufen werden. Fazit aus der Umfrage:

  • Befragt wurden kleine und mittelständische Unternehmen.
  • Nur 10% der befragten Unternehmen gehen mit modernem Glasfaser online, der Rest über alte Kupfertechnologien, mehr als die Hälfte über Telefonkabel (DSL).
  • Über die Hälfte erreicht mit unter 30 Mbit/s aktuell nicht einmal die Minimalanforderung der sog. NGA-Definition (Next Generation Access), dreiviertel der Befragten erreichen nicht die mind. 50 Mbit/s, die als Minimalziel der Bundesregierung für 2018 ausgerufen wurde.
  • Gut dreiviertel der Unternehmen sind mit der aktuellen Geschwindigkeit nicht zufrieden.
  • Über dreiviertel der Befragten wünschen sich in den nächsten 5 Jahren Bandbreiten (min. 100 Mbit/s symmetrisch), die realistisch, stabil und bezahlbar nur mit Glasfaser zu erreichen sind.
  • Die einmaligen Erschließungskosten und monatlichen Beiträge, die ein Großteil der Befragten bereit wären zu zahlen, ist in Relation zu den gewünschen Bandbreiten und für kleine und mittelständische Unternehmen im realistischen Bereich. Damit ist auch die Behauptung widerlegt, dass die Nutzer zu wenig bereit sind zu zahlen (mal abgesehen davon, dass im EU-Ausland mehr Bandbreite günstiger ist) und der Ausbau daher nicht vorankäme.

Die Umfrage zeigt, dass es gerade im Unternehmensbereich 5 nach 12 ist. Hier muss dringend gehandelt werden. Es reicht aber nicht aus, nur an die reinen Gewerbegebiete zu denken. Gerade die kleinen Betriebe, die oft von daheim arbeiten, sind quer über die Stadt verteilt, sodass man um eine flächendeckende Lösung – auch für die Privatkunden – nicht drum herum kommt.

Mit den Entscheidungen aus Leonberg können wir das Jahr 2017 positiv in Sachen Glasfaser abschließen und hoffnungsvoll ins Jahr 2018 blicken. Es wird noch ein steiniger, aber gangbarer Weg. Die Mitglieder der Bürgerinitiative wünschen Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2018. Wir bedanken uns bei allen Unterstützern für das zahlreiche, positive Feedback, dass uns stets motiviert nicht aufzugeben.

Stellungnahme: LKZ-Artikel vom 7.7.

In der Leonberger Kreiszeitung ist am 07.07.2017 ein Artikel über den Vectoring-Ausbau der Telekom erschienen: Vom Schotterweg zur Autobahn. Wir möchten als Bürgerinitiative zu einigen getroffenen Aussagen in dem Artikel folgende Stellungnahme abgeben.

Im Artikel wird die Frage gestellt, wie es mit dem Glasfaserkabel bis zum Kunden aussieht, wie es von Teilen des Gemeinderats gefordert wird. Verschwiegen wird, dass nicht nur Teile des Gemeinderats Fiber To The Building/Home (FTTB/H) – also Glasfaser bis ins Gebäude – fordern, sondern auch wir als Bürgerinitiative und all unsere Unterstützer.

Weiterhin wird Herr Schuler mit den Worten zitiert „Das [= Glasfaser bis ins Gebäude, Anmerkung von uns] benötigen nur wirklich wenige, so wie nicht jeder ein Auto mit 500 PS braucht“. Automobil-Vergleiche sind im IT-Umfeld sehr beliebt, man sollte sie aber zu Ende denken: Jede/r kann beim Kauf selbst entscheiden, ob ein Auto 100 oder 500 PS haben soll. Beim Internet soll unser Bedarf aber nun fremdbestimmt werden? Das ist nicht nachvollziehbar. Außerdem werden 100 PS in 5, 10 und 100 Jahren genauso ausreichend sein wie heute. Es bestreitet aber heute niemand mehr ernsthaft, dass der Bedarf an Bandbreite steigen wird.
Auch der Aussage, dass es wenige brauchen, muss widersprochen werden. Rund 1500 Bürgerinnen und Bürger, die uns unterstützen, können nicht als ‚wenige‘ bezeichnet werden. Dass Unternehmen, Selbständige, Freiberufler und Arbeitnehmer im Home-Office mehr Bandbreite benötigen als Kupfer leisten kann, ist ebenfalls unumstritten.

Weiter wird ausgeführt, dass ab 2018 über Super-Vectoring 200 MBit/s möglich seien. Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Denn flächendeckend werden 200 MBit/s nicht erreicht werden. Alle Haushalte, die mehr als ca. 300 m vom Verteilerkasten entfernt sind, werden nicht in diesen „Genuss“ kommen. Übrigens: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie empfiehlt bereits heute 250 MBit/s im Download für Home-Office und Cloud-Computing. Mit Vectoring und Super-Vectoring bekommen wir nicht nur eine nicht-flächendeckende Lösung, wir laufen der Entwicklung des Internets weiter mit großem Abstand hinterher.

Völlig unerwähnt bleibt zudem die Tatsache, dass sich der Upload durch Super-Vectoring im Vergleich zum Vectoring faktisch nicht verbessert (von 40 auf 50 Mbit/s). Für Unternehmen, Home-Office und Cloud-Computing sind symmetrische Bandbreiten bereits heute notwendige Voraussetzung. Nur durch Glasfaser bis ins Gebäude lassen sich zeitgemäße Uploadraten umsetzen: Glasfasernetze bieten die Möglichkeit von gleich hohen Up- und Downloadraten.

Weiterhin werden die hohen Kosten eines Glasfaserausbaus bis ins Gebäude genannt und es positiv hervorgehoben, dass durch den Telekom-Ausbau der Stadt keine Kosten entstehen. Aber: Nicht nur der Ausbau der Telekom, auch ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaser, lässt sich grundsätzlich ohne Kosten für die Stadt und die Bürger umsetzen. Noch besser: Die Stadt könnte im Idealfall mit einer Investition direkte Einnahmen generieren, zumindest aber kostendeckend operieren und indirekte Einnahmen generieren. Dazu muss die Stadt sich aber dem Thema Glasfaser öffnen. Ein Schönreden von VDSL, Vectoring und Super-Vectoring hilft Leonberg nicht weiter.

Wir verfolgen das Thema seit geraumer Zeit. Beobachtet man die Medienlandschaft und die wirtschaftlichen und politischen Debatten, stellt man fest, dass sich das Bild und die Meinung gewandelt haben: Die Kritik am Vectoring wird lauter, der Ruf nach flächendeckendem Glasfaser ebenso. Erst gestern hat der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Landkreis Böblingen beschlossen, „eine flächendeckende Versorgung aller Unternehmen und Privathaushalte mit Glasfaser (FTTB- bzw. FTTH-Versorgung)“ anzustreben (TOP 3).  Dieser Entwicklung kann sich die Stadt Leonberg nicht dauerhaft entziehen. Wir erwarten, dass die Stadt Leonberg diesem Beschluss folgt und ihn uneingeschränkt unterstützt.

Infoveranstaltung in Backnang

„Glasfaser, Glasfaser, Glasfaser“

Unter diesem Motto stand die Infoveranstaltung der Stadt Backnang, zu der der Wirtschaftsförderer der Stadt, Herr Dr. Ralf Binder, am 27.06.2017 eingeladen hatte. Auf Netzbetreiberseite waren eingeladen: Die Deutsche Telekom, Unitymedia, Vodafone/Deutsche Glasfaser und der Regionalanbieter WisoTEL. Wir von der Bürgerinitiative waren auch vor Ort um uns die Präsentationen der Netzbetreiber anzuhören, Kontakte zu knüpfen und uns die Strategie von Backnang anzusehen.

Nach einer kurzen Eröffnungsrede durch den Oberbürgermeister hat Herr Binder einen Überblick über die Versorgungssituation in Backnang gegeben. Ähnlich zu Leonberg ist Backnang hauptsächlich über die Telekom und Unitymedia versorgt, wobei die Telekom bereits vor 3 Jahren Backnang mit VDSL und Vectoring versorgt hat, also derselben Technik, die Leonberg nächstes Jahr bekommen soll. Seit dem ist aber nichts mehr passiert und es gibt noch unterversorgte Gebiete. Die Stadt Backnang hat die dringende Notwendigkeit und den Standortvorteil einer flächendeckenden Glasfaserversorgung bis in die Gebäude erkannt.

Zitat: „Kupfer wird in Zukunft nicht mehr funktionieren.“

Daher war auch zentrale Frage der Veranstaltung an die vier anwesenden Anbieter: Was tun diese Anbieter, die in der Stadt ja auch ihr Geld verdienen, um Backnang flächendeckend mit Glasfaser zu versorgen. Und was kann die Stadt, was kann jeder Bürger tun um dieses Ziel zu erreichen.

Jeder geladene Netzanbieter hatte nun die Möglichkeit sich in einem 15-minütigen Vortrag zu präsentieren. Hier die Inhalte der Vorträge kurz zusammengefasst:

Deutsche Telekom:

  • Die Telekom setzt beim Ausbau vorerst weiter auf kupferbasierte Lösungen (VDSL und Vectoring). Als nächster Schritt sollen dabei Super-Vectoring und G.fast zum Einsatz kommen.
  • Langfristig geht auch die Telekom von der Notwendigkeit von Glasfaseranschlüssen aus.
  • Konkrete Pläne und Termine für die jeweiligen Ausbaustufen wurden nicht genannt. Auch die Abhängigkeit der Geschwindigkeit von der Länge der Leitung wurde nicht erwähnt.

Unitymedia:

  • Die Unitymedia setzt weiter auf die Glasfaser-Coax-Technik.
  • In den nächsten 1-2 Jahren möchte man darüber 1 Gbit/s im Download für alle Bestandskunden anbieten.
  • Die Nachteile der Glasfaser-Coax-Technik wie „shared medium“ (alle Haushalte am selben Knotenpunkt teilen sich die verfügbare Bandbreite) und geringe Upload-Raten wurden nicht erwähnt.
  • Ausbaupläne für nicht erschlossene Gebieten wurden nicht vorgestellt.

Vodafone:

  • Vodafone hat sich zur Strategie gemacht, Gewerbegebiete mit Glasfaser zu Versorgen und arbeitet dabei mit einem Investitionspartner zusammen, der sich später als die Deutsche Glasfaser herausstellte.
  • Bei erfolgter Interessenbündelung mit ausreichend Nachfrage stellt Vodafone hier einen Ausbau innerhalb von 12 Monaten in Aussicht.
  • Vodafone setzt mit dem Motto „einmal, aber dann richtig machen“ auf reine glasfaserbasierte Lösungen mit symmetrischen Bandbreiten.
  • Vodafone sieht vor allem auch wegen der deutlichen Zunahme an Homeoffice-Arbeitsplätzen und den Freiberuflern die Notwendigkeit auch Wohngebiete mit Glasfaser zu erschließen. In den letzten 5 Jahren nahm die Zahl der Homeoffices um 10% zu.

WisoTEL:

  • Die Firma WisoTEL ist überwiegen im Gebiet in und um Backnang tätig. Dort unterhält WisoTEL bisher Netze mit gemischter Kupfer-/Glasfaserinfrastruktur.
  • Im privaten Bereich werden VDSL-Anschlüsse mit Vectoring angeboten. WisoTEL gibt dabei ein Versprechen ab: Der Kunde zahlt nur für die Bandbreite, die er auch bekommt.
  • Im gewerblichen Bereich bietet WisoTEL individuelle Lösungen an und setzt dabei auf Glasfaser.
  • Auch in Leonberg unterhält WisoTEL ein Glasfasernetz: Die Hochhäuser am Leo-Center sind durch WisoTEL erschlossen.

 

Im Anschluss an die Vorträge schloss sich eine Fragerunde an. Zwei Fragengebiete möchten wir hier erwähnen:

  • Wie stehen die Chancen bei einer Interessenbündelung? Würde bei ausreichender Nachfrage eine Erschließung stattfinden?

Antwort Unitymedia: Unitymedia prüft jede Anfrage nach Aspekten der Wirtschaftlichkeit. Es klang an, dass Anfragen auf nachträgliche Erschließungen oft aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgelehnt. Unitymedia ist sehr darauf bedacht, dass Aktivitäten in die Unternehmensstrategie passen. Bürger aus dem Publikum haben von ihren Erfahrungen berichtet, dass derartige Anfragen bereits gestellt und jeweils abgelehnt wurden. Auch wir von der Bürgerinitiative können diese Erfahrung bestätigen.

Antwort Deutsche Telekom: Die Telekom verweist auf das Produkt „Mehr Breitband für mich (MBfm)“. Im Rahmen dieses Angebots bietet die Telekom Glasfaseranschlüsse an. Jedoch müssen die Ausbaukosten, die je nach Entfernung zum Multifunktionsgehäuse mehrere Zehntausend Euro betragen, vollständig durch den Kunden getragen werden.

  • Werden Straßenbauarbeiten der Stadt genutzt, um Glasfaserkabel kostengünstig in die Gebäude zu bringen?

Antwort Unitymedia: Wie in der vorherigen Frage erwähnt prüft die Unitymedia auch bei Straßenarbeiten die Wirtschaftlichkeit, allerdings nur auf Anfrage. Ist die Straße bereits mit Coax-Kabel versorgt, also Kupfer, findet keine Überbauung mit Glasfaser statt.

Antwort Deutsche Telekom: Die Telekom nutzt Straßenbauarbeiten aktuell nicht um die Gebäude direkt mit Glasfaser zu versorgen.

 

Am Ende der Veranstaltung sind mit den Vertretern der Vodafone aus Weilimdorf und dem Geschäftsführer der WisoTEL aus Backnang ins Gespräch gekommen. Wir konnten uns zu folgenden Aspekten austauschen:

Vodafone/Deutsche Glasfaser

  • Vodafone unterhält im gewerblichen Bereich bereits Infrastruktur in Leonberg, ist also bereits vor Ort.
  • Investitionspartner der Vodafone ist die Deutsche Glasfaser, die flächendeckende Erschließungen mit Glasfaser vorantreibt, auch in Wohngebieten.
  • Beim Ausbau setzt die Deutsche Glasfaser auf ein konventionelles, mindertiefes Verlegeverfahren (Youtube-Video). Dabei kommt ein Spezialbagger mit einer Minischaufel zum Einsatz, der einen flachen Graben aushebt – normalerweise im Gehwegbereich: Die Bauarbeiten werden also auf ein Minimum beschränkt. Das umstrittene Microtrenching wird nicht eingesetzt.

Der Vertreter der Vodafone bedankte sich für den Impuls durch die Bürgerinitiative und hat versprochen einen Kontakt zur Deutschen Glasfaser herstellen, um die Ausbauoptionen für Leonberg zu prüfen.

Die Zusammenarbeit von Vodafone und der Deutschen Glasfaser bewerten wir als zukunftsweisend, da hier die Vodafone als erfahrener Telekommunikationsanbieter mit einem innovativen und dynamischen Unternehmen zusammenarbeitet.

 

WisoTEL

  • WisoTEL könnte sich grundsätzlich vorstellen als Ausbaupartner von Stadtwerken – konkret haben wir die Leonberger Stadtwerke in Spiel gebracht – aktiv zu werden.

Wir werden mit WisoTEL in Kontakt bleiben, um die Optionen für einen Ausbau in Leonberg zu diskutieren.

 

Fazit der Veranstaltung

Backnang hat die Notwendigkeit flächendeckender Glasfasernetze erkannt und wird diesen nach allen Möglichkeiten aktiv vorantreiben. Weder die Deutsche Telekom noch Unitymedia hatten konkrete Pläne im Gepäck, um dieses Ziel zu erreichen. Vodafone/Deutsche Glasfaser und WisoTEL hingegen stehen Ausbauoptionen offen gegenüber, Vodafone konnte bezogen auf Gewerbegebiete eine konkrete Aussage treffen.

Vectoring-Ausbau in Leonberg kommt

Nun ist es offiziell: 12 Jahre, nachdem die Telekom damit begonnen hat ihr Netz auf VDSL auszubauen, wird die Telekom Leonberg mit VDSL und Vectoring versorgen (siehe Pressemitteilung der Stadt). Eine gute Nachricht, die wir grundsätzlich begrüßen.
Nur: Das schnelle Glasfasernetz endet in den Verteilerkästen am Straßenrand. Damit endet leider auch unsere Begeisterung. Denn danach geht es mit den alten, teils schon brüchigen Kupferkabeln weiter in die Gebäude. Was nützt eine frisch asphaltierte, sechsspurige Autobahn, wenn sich diese zwischendrin auf zwei holprige Spuren verengt? Genau, dann bildet sich Stau und der Vorteil der Zeitersparnis durch die freie Fahrt ist dahin. Dasselbe ist leider mit diesem Ausbaukonzept zu erwarten.

Das sieht wohl auch die Telekom ähnlich, denn vorsorglich berichtet man von „bis zu 100 Mbit/s“ bei „mehr als 90% der Anschlüsse“. Nun sind 50 Mbit/s auch „bis zu 100“. Dieser teils große Unterschied zwischen beworbener und tatsächlicher Geschwindigkeit wurde jüngst auch im Jahresbericht Breitbandmessung der Bundesnetzagentur scharf kritisiert. Und was ist mit den restlichen 10% der Nutzer? Die sollen weiter von der modernen Welt entkoppelt sein? Das Minimalziel der Bundesregierung, flächendeckend mind. 50 Mbit/s bis 2018, wird sich damit nicht erreichen lassen. Für Anwendungen wie Home Office und Cloud Computing empfiehlt das Weißbuch Digitale Plattformen des Bundewirtschafsministeriums schon heute 250 Mbit/s (Seite 18). Auch der Upload spielt eine immer wichtigere Rolle. Mit „bis zu 40 Mbit/s“ ist dieser schon jetzt für Home Office und Cloud Computing zu knapp bemessen und wird sich mit dem Nachfolger „Super-Vectoring“ auf lediglich „bis zu 50 Mbit/s“ nur minimal verbessern, und das auch nur im Nahbereich zum Verteilerkasten – also schon nicht mehr flächendeckend.

Deshalb bleiben wir dabei: Der Glasfaserausbau bis zu den Verteilerkästen ist ein erster guter Schritt. Um aber Leonberg fit für die digitale Zukunft zu machen, fordern und fördern wir die Verlegung von Glasfaser bis in die Gebäude. Und darauf wollen wir nicht erneut 12 Jahre warten müssen.

Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin, damit wir auch Ihnen im Büro, im Home Office oder zuhause einen wirklich schnellen Internetanschluss ermöglichen können, der dann auf sehr lange Sicht allen Anforderungen an steigende Datenvolumen gerecht wird.