Technik: Glasfaseranschluss kann mitwachsen (aus LKZ)

Im letzten Teil der Serie geht es um reine Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude – dem Ziel, auf das wir gemeinsam mit der Stadt hinarbeiten. Erschienen ist der Artikel in der Leonberger Kreiszeitung am 08.02.2018 – online ist der Artikel noch nicht verfügbar, den Link reichen wir nach.

 

Wird bei Kupferkabeln das Signal über Strom übertragen, kommt bei Glasfaserkabeln Licht zum Einsatz. Dieses kann sich in Glasfaser nahezu ungehindert ausbreiten, weshalb das Signal weniger geschwächt wird. Die Dämpfung ist deutlich geringer als bei Kupferkabeln, außerdem stören benachbarte Kabel das Signal nicht. In Summe kann ein deutlich höherer Frequenzbereich genutzt werden. Geschwindigkeiten von 100 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) sind beim Senden und Empfangen möglich. Die elektrischen Signale der Endgeräte werden dabei in Lichtimpulse umgewandelt, per Glasfaser übertragen und wieder zurückgewandelt.

Glasfaser bis ins Gebäude
Bei reinen Glasfaseranschlüssen führt die Glasfaser bis ins Gebäude, man spricht von FTTB (Fiber to the Building). Für die Erschließung müssen keine Vorgärten aufgegraben werden. Im Normalfall reicht ein kleines Erdloch an der Hauswand, die Verlegung vom Gehweg erfolgt unterirdisch. In der Hauswand ist ein kleines Bohrloch notwendig.

Anschließend muss das schnelle Internet in die Wohnräume verteilt werden. Die konsequenteste Lösung ist, Glasfaserkabel zu legen, man spricht von FTTH (Fiber to the Home). Der Router wird dann direkt an die Glasfaser angeschlossen, die heimischen Endgeräte bleiben unverändert. Beim Verlegen muss lediglich auf die Biegeempfindlichkeit der Glasfaser geachtet werden. Gleichwertig zu FTTH ist eine Netzwerkverkabelung (LAN), die in neueren Gebäuden oft bereits vorhanden ist. Es gibt aber auch die Möglichkeit vorhandene Telefon- oder Antennenkabel zu verwenden: Eine Änderung an der Hausverkabelung ist dann nicht notwendig.

Wer bezahlt das Glasfasernetz?
Glasfaser ist damit von allen vier vorgestellten Techniken die einzig zukunftssichere: Die Bandbreite kann ohne erneute Tiefbauarbeiten an den Bedarf flexibel angepasst werden, symmetrische Bandbreiten sind möglich (Download gleich Upload) und jeder Anschluss erhält technisch die bezahlte Geschwindigkeit. Oft wird gefragt, wer die Erschließung bezahlen soll. Am Ende bezahlt sie der Kunde durch die monatlichen Gebühren – wie bisher auch. Der erschließende Anbieter geht finanziell in Vorleistung. Die aktuelle Niedrigzinsphase kommt hier zu Gute: Das Investment rechnet sich schneller.

Verschiedene Modelle möglich
Denkbar sind zwei grundsätzliche Modelle: Ein Privatanbieter erschließt Leonberg flächendeckend oder die Stadt führt die Erschließung über ihre Stadtwerke selbst durch, dem Vorbild in Ludwigsburg folgend. Eine Kooperation der Stadtwerke mit einem Privatanbieter ist auch denkbar.

Alle uns bekannten Projekte haben gemeinsam, dass in der Ausbauphase bei hinreichend hoher Anschlussquote die Erschließung für den Endkunden kostenfrei ist. Im Idealfall wird das Netz offen gestaltet („Open Access“), d.h. jeder Anbieter kann seine Tarife anbieten. Das beugt einer Monopolbildung vor. Welches Modell für Leonberg in Frage kommt, lässt sich im Moment nicht beantworten. Zu begrüßen ist, dass Stadt und Gemeinderat 120 000 Euro für Beratungsleistung und Masterplanung zur Verfügung stellen.

Aber warum soll man sich einen Glasfaseranschluss legen lassen, wenn die bereits angebotene Bandbreite ausreicht? Das Internet und der Bedarf an Bandbreite wachsen stetig weiter, das hat schon die Vergangenheit stets gezeigt. Nur ein Glasfaseranschluss kann entsprechend schnell mitwachsen. Für die „Digital Natives“ ist ein schneller Internetanschluss so selbstverständlich wie Wasser und Strom. Immobilien ohne Glasfaseranschluss werden sich zukünftig wohl schwerer verkaufen oder vermieten lassen. Und wer nur einen kleinen Tarif mit wenig Bandbreite benötigt, kann diesen ebenfalls bekommen – bleibt aber zukunftsfähig.

3 Kommentare

  • Chris K

    Hallo Daniel,

    danke für deine Antwort. Als ITler habe ich das bereits verstanden 🙂

    Meine Frage zielt eher in eine andere Richtung.
    Wenn ich es richtig verstanden habe, übernimmt die Telekom die Kosten für die Verlegung der Leerrohre unter den Straßen und von den Grundstücksgrenzen bis in die eigenen Heime (vorausgesetzt man schließt einen entsprechenden Vertrag ab).

    Wie verhält sich dies, wenn ich in dem Zuge aber beispielsweise auch gleich meine Wasserzufuhr erneuert haben oder auf Erdkabel (Stromzufuhr) umsteigen möchte?

    Angenommen ich beauftrage jetzt die Erneuerung der Wasserzufuhr und die Verlegung des Erdkabels und würde in dem Zuge ein Leerrohr mitverlegen lassen, müsste ich für diese Baumaßnahmen komplett selbst aufkommen, was im fünfstelligen Bereich liegt. Wenn man dies daher mit den künftigen ohnehin schon fälligen Baumaßnahmen kombinieren und Kosten sparen könnte, wäre das natürlich super, insbesondere für uns Schwaben 🙂

    Grundsätzlich schade, dass man den Bedarf erst jetzt erkannt hat. Neben den bisherigen Vectoring Baumaßnahmen wurde in Gebersheim vergangenes Jahr in der Greutstraße die Straße wegen einer Sanierung der Wasserleitung mehrmals aufgerissen. Ich fürchte nur dass man dabei kein Leerrohr mitverlegt hat.

  • Chris K

    Hallo und Danke für den Artikel.

    Wie kann ich mir das künftig genau vorstellen? Werden dann demnächst die Straßen weiter aufgerissen und Glasfaserkabel verlegt?
    Wie verhält es sich dann mit den Tiefbauarbeiten auf dem eigenen Grundstück, bzw. wer trägt hier die Kosten?
    Können derartige Arbeiten auch kombiniert werden, beispielsweise mit einem neuen Wasseranschluss und Erdkabel für Strom?

    Viele Grüße
    Chris

    • Daniel Pötzsch

      Hallo Chris,

      vielen Dank für das Feedback.
      Am besten schaust du dir folgendes, nur vierminütiges Video an. Dort wird eigentlich alles schön erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=6anTPF1p6-Y

      Zur Verlegung eines Glasfasernetzes sind leider wieder Straßenarbeiten nötig. Im Prinzip ein weiterer Kritikpunkt am Vectoring. Man reißt nun ein Teil der Straßen für eine Übergangslösung auf, die heute schon veraltet ist, um später die Straßen nochmals aufzureißen, statt es gleich einmalig richtig zu machen. Glücklicherweise entwickeln sich die Verlegetechniken immer weiter. So gibt es nebem dem klassischen Tiefbau, der teuersten Variante, auch sog. Trenching-Verfahren, bei denen nur ein Schlitz gefräst wird. Es gibt sogar die Möglichkeit, das Glasfasernetz in vorhandenen Leitungsnetzen wie Wasser, Gas und Abwasser zu verlegen. Welche Möglichkeiten in Frage kommen, muss individuell geprüft werden. Dafür gibt es einen Masterplan, den die Stadt vorr. bald in Auftrag geben wird.

      Wie im Video schön animiert dargestellt, ist für die Verlegung von der Straße ins Haus in der Regel kein Tiefbau nötig. Bei allen Modellen, die wir kennen, entstehen in der Ausbauphase, also wenn das Netz erstmalig errichtet wird, für die Eigentümer keine Kosten, sofern man gleichzeitig einen Internet-Vertrag über 2 Jahre abschließt. In Ludwigsburg treibt man es sogar noch weiter: Hier wird dem Eigentümer der Glasfaseranschluss kostenlos gelegt auch ohne einen Internet-Vertrag abzuschließen. Wer sich nach der Ausbauphase den Anschluss nachträglich legen lassen möchte, muss dafür in der Regel einen mittleren, dreistelligen Betrag zahlen.

      Wenn auf dem Grundstück andere Tiefbaumaßnahmen notwendig sind, können diese natürlich kombiniert werden. Problem könnte sein, es zeitlich abzustimmen. Hierfür kann sich, wie im Video gezeigt, die Installation eines Leerrohres von der Grundstücksgrenze ins Haus lohnen. Darüber kann das Glasfaserkabel später einfach eingezogen werden ohne zusätzliche Baumaßnahmen.

      Ich hoffe, ich konnte soweit Klarheit verschaffen.

      Viele Grüße zurück
      Daniel