Technik: Wenn es Abend wird im Kabelnetz (aus LKZ)

Am 16.01. erschien der zweite Teil unserer Technik-Serie in der Leonberger Kreiszeitung. In der Print-Version wurden leider die Namen von Robert Scheck und Daniel Pötzsch vermischt – die Artikel sind aber auch ein Gemeinschaftswerk :). In der Online-Version wurde der Fehler korrigiert.

 

Neben dem Internetzugang über das Telefonkabel (DSL) gibt es eine weitere, verbreitete Methode: den TV-Kabelanschluss. Nach Recherchen der Bürgerinitiative „Glasfaser für Leonberg“ liegt die Abdeckung in Leonberg bei ca. 50% aller Gebäude. In größeren Teilen des Ezachs, Gartenstadt, Gebersheim, Höfingen und Ramtel sowie in ganz Warmbronn ist kein Unitymedia verfügbar. Aber auch in den ausgebauten Gebieten finden sich Lücken.

Ursprünglich wurden die Kabelnetze zum Empfang von Radio und Fernsehen genutzt. Beim „Kabel“ handelt es sich um ein Koaxialkabel aus Kupfer, welches als Antennenkabel geläufiger ist. Alle Haushalte eines Gebietes empfangen die gleichen Programme und damit Signale. Sie sind daher am gleichen Kabel in der Straße angeschlossen.

Viele Haushalte teilen sich die Bandbreite
Um das Internet über diese Infrastruktur zu nutzen, muss neben der Empfangs- eine Sendemöglichkeit geschaffen werden; genannt Rückkanal. Es sind aber weiterhin viele Haushalte an einen Knotenpunkt angeschlossen; im Netz von Unitymedia im Schnitt 1000-2500. An all diesen Anschlüssen liegt das gleiche Signal, also auch der Internetverkehr der Nachbarschaft, an – natürlich verschlüsselt. Der heimische Router filtert die eigenen Signale heraus und entschlüsselt diese. Folglich müssen sich all diese Anschlüsse die Bandbreite teilen. Gerade in den Abendstunden und am Wochenende führt dies zu erheblichen Einbrüchen bei der Geschwindigkeit bis hin zu Totalausfällen. Der Kunde zahlt für Geschwindigkeiten, die er nicht immer bekommt – dies kritisierte auch die Bundesnetzagentur im März 2017. Durch Aufteilen von Gebieten auf mehrere, neue Knotenpunkte versuchen die Kabelnetzbetreiber dieser Überbuchung entgegenzuwirken.

Da die Senderichtung früher weniger wichtig war, wird für den Rückkanal nur ein kleiner Teil des Frequenzbereiches genutzt. Somit ergibt sich wie bei DSL ein geringerer Upstream (Senden) als Downstream (Empfangen). Im Kabelnetz ist das Verhältnis mit 10 zu 400 Mbit/s allerdings deutlich schlechter als bei Vectoring mit 40 zu 100 Mbit/s. Für Nutzer von Foto/Video-Uploads, Home-Office und Cloud-Computing stellt dies den zweiten, größeren Nachteil des Kabelnetzes dar. Aktuell rüsten die Anbieter auf und planen zukünftig deutlich höhere Geschwindigkeiten. Dafür werden die Knotenpunkte per Glasfaser-Kabel angeschlossen, was als Coax-Glasfaser-Technologie beworben wird. Alle Anschlüsse eines Knotenpunktes teilen sich aber weiterhin die Bandbreite.

Die Vorteile von Glasfaser bleiben ungenutzt
In Neubaugebieten wie dem Ezach III verlegen Kabelnetzbetreiber sogar Glasfaser-Kabel bis ins Gebäude, d.h. FTTB (Fiber to the Building). Was sich zunächst gut anhört, entpuppt sich leider als Mogelpackung. Die bestehenden Frequenzsignale der Koaxialkabel werden lediglich in Lichtimpulse umgewandelt und über Glasfaser transportiert. Das Teilen der Bandbreite bleibt bestehen. Nachdem kein Kabelnetzbetreiber geäußert hat dies in absehbarer Zeit zu ändern, bleiben die Glasfaser-Vorteile ungenutzt.

Obwohl das Kabelinternet wie DSL auf Kupferkabel setzt, kann aufgrund dickerer Kabel und einer besseren Abschirmung eine deutlich höhere Geschwindigkeit erreicht werden als über Telefonkabel. Im Gegensatz zur Telekom müssen die Kabelanbieter ihr Netz in der Regel nicht an Drittanbieter vermieten. Ist der Kabelanbieter wie im Ezach III der einzige, entsteht ein Quasimonopol. Bei Unzufriedenheit oder Problemen gibt es keinerlei Wechselmöglichkeit.

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